Nahrungsmittelspekulation bleibt unmoralisch, ist aber nicht das Hauptproblem
Einen gewichtigen Vorwurf aber wird keine Rechnerei der Welt je entkräften: Darauf zu wetten, dass wegen Knappheit und Hunger der Preis für Nahrungsmittel steigen wird, ist zynisch und unmoralisch. Ungeachtet dessen, ob die Spekulation selbst den Hunger sogar noch verschlimmert.
Außerdem kann sich vielleicht ein Bauer Erwin hier in Deutschland oder ein Bauer Sam in den USA seine Spekulantentätigkeit erlauben. Dass die bettelarmen Reisbauern in Fernost jedoch munter Händlern die Hände schütteln und den Börsenmakler geben, ist schon ein paar Schritte zu weit auf dem Weg von der Abstraktion zur Perversion. Diese Bauern verkaufen ihre Ware am Erntetag zum aktuellen Marktpreis. Spekulation oder gar Einlagerung der Ware können sie sich ganz einfach nicht leisten.
Beachten sollte man aber auch: Momentan ist das größte Problem nicht ein möglicher Preisanstieg, sondern die Möglichkeit, dass durch historische Ernteausfälle eine ernsthafte weltweite Knappheit an Nahrungsmitteln auftritt. Diese wird unter anderem durch die Produktion von Biogas und Bioethanol, z.B. für den E10-Kraftstoff, erheblich verstärkt. Foodwatch hat bereits die Zeichen der Zeit erkannt und konzentriert momentan seine Aufmerksamkeit auf die Forderung an die Bundesregierung, die Produktion von E10 nicht weiter zu subventionieren.
Das können Konsumenten tun: Billig-Nahrungsexporte nicht unterstützen
Für den einzelnen Verbraucher gibt es eine längerfristig wirksame Handlungsmöglichkeit: Erst die industriell produzierten, mit Millionen subventionierten Nahrungsmittel aus der „ersten Welt“ haben arme Länder so abhängig von den Weltmärkten gemacht. Es war für sie wahnwitzigerweise billiger, die überschüssige Nahrung aus Europa und den USA einzukaufen, als in die eigene Landwirtschaft zu investieren. Viele Bauern gaben deswegen die Arbeit auf und suchten sich andere Arbeit. Das rächt sich jetzt. Die Länder können sich nicht selbst versorgen aber haben auch nicht die finanziellen Mittel, um genug Nahrung auf dem Weltmarkt einzukaufen. Deswegen sollte jeder Verbraucher versuchen, wo immer möglich industriell produzierte Lebensmittel zu vermeiden. Werfen Sie der EU-subventionierten Agrar-Abhängigkeits-Maschinerie nicht weiter Ihr Geld in den Rachen. Unterstützen Sie stattdessen mit Ihren Einkäufen regionale Initiativen und Verbände, die nicht nur mit dem Geldbeutel, sondern auch mit dem Herz bei der Sache sind. Ein paar Beispiele:
- Echtes "Bio" von Bioland, Demeter und Naturland
- Gemeinschaftliche Agrarprojekte
- Kaufen bei kleinen familiären Läden um die Ecke
Wer sicher sein will, dass sein Erspartes nicht in Wetten gegen Hunger und Ernten fließt, der sollte sich an den Ratgeber zu den besten grünen Banken halten.
Hier können Sie die Foodwatch-Petition gegen Nahrungsmittelspekulation unterzeichnen:


Kommentare (26)
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danke für das Lob. ;) War nicht wenig Arbeit, aber ich musste mir das Video sowieo ansehen und dann habe ich gleich an die Anderen gedacht, die vor dem selben Problem stehen: 3h Material!
Was ich aus dem Video herauslese, das ist, dass es weniger die Spekulationen sind, die die Preise treiben, sondern vielmehr die (leider) sehr, sehr laxen Rahmenbedingungen. Ich versuche in meinem Blog eine Art "Wissensdatenbank" zum Thema zusammenzustellen. Es gibt schon eine Menge von interessanten Beiträgen und ich versuche möglichst viele Links in die Beiträge zu integrieren.
Interessantes Detail am Rande: Das Thema ist mehrere hundert Jahre alt, am ende des Videos zeigt Dirk Müller ein Dokument aus dem 14. (?) Jahrhundert, in dem die Stadt Strassburg ein Verbot der Terminmärkte verhängt. Die historischen Argumente sind den aktuellen Argumenten erstaunlich ähnlich.
Hier gehts zur gesamten Sammlung an Wissen: http://www.jkms.info/blog/category/nahrungsmittelspekulationen-infos/
Viele Grüße!
Raphael mehr weniger
Es gibt für jede Expertenausage einen Zeitstempel im Video. Man kann also die interessantesten Statements mühelos finden und anschließend im Video genau ansehen.
Grüße!
Raphael Bolius
Viel Spass beim Ansehen!
Raphael Bolius mehr weniger
Jeder kann auf Geldanlagen verzichten, die Mensch und Umwelt schaden! Keiner braucht Finanzprodukte, die auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren! Dafür setzt sich die Initiative handle-fair.de ein!