Der Gegenwart mangelt es wahrlich nicht an Krisen. Die „erste Welt“ hat sich noch lange nicht von der Finanz- und Wirtschaftskrise erholt und in der „dritten Welt“ häufen sich die humanitären Katastrophen. Eines der weniger direkten Verbindungsglieder, mit dem die beiden Welten in Beziehung stehen, hat nun die Aufmerksamkeit von NGOs und Medien auf sich gezogen: die Warenterminbörse. Diese haben in den letzten Jahren Finanzinstitute für sich entdeckt, die sich von riskanten Spekulationsobjekten hin zum relativ verlässlichen Rohstoffmarkt umorientierten. Zeitgleich ist die Zahl an fatalen Essensknappheiten in Entwicklungsländern gestiegen. Organisationen wie foodwatch und Oxfam nehmen dies zum Anlass, Finanzinstitute zum Ausstieg aus der Nahrungsmittelspekulation aufzufordern, und das Thema taucht vermehrt in Berichten und auf Titelseiten auf.
Bauern Erwin, oder: Nahrungsmittelspekulation für Anfänger
Mittlerweile kennt fast jeder den Begriff Nahrungsmittelspekulation und verbindet ihn mit geldgierigen Investoren und verhungernden Menschen. Vielen ist dabei nicht klar, dass die Nahrungsmittelspekulation an sich ein eigentlich nützliches Instrument sein kann, um Bauern und Händler vor Preisschwankungen zu schützen. Das funktioniert stark vereinfacht so:
Am Tag A geht Bauer Erwin auf sein Getreidefeld. Er sieht, dass es eine gute Ernte wird. Er weiß aber auch, dass der Getreidepreis auf dem Weltmarkt gerade verrückt spielt. Am Tag X wird sein Getreide reif und geerntet sein, aber ob es dann noch den Preis von heute hat? Vielleicht ist es viel mehr, vielleicht aber auch viel weniger wert. Bauer Erwin will dieses Risiko nicht eingehen, darum geht er noch am Tag A an die Warenterminbörse und sucht sich jemanden, der ihm heute schon einen Vertrag unterschreibt, dass er Bauer Erwin am Tag X das Getreide zu einem ganz bestimmten Preis abkaufen wird. Bauer Erwin hat seine Sicherheit, der Käufer zwar das Risiko aber auch eine Chance auf einen ordentlichen Gewinn, wenn das Getreide bis dahin viel mehr wert sein sollte. Das ist, wie in der Grafik abgebildet, Nahrungsmittelspekulation in ihrer Essenz.
Nun aber schließt nicht mehr nur Bauer Erwin über den Preis am Tag X Verträge ab, sondern es wollen auch große Investorengruppen und Finanzhäuser mitwetten. Dadurch fließen mittlerweile auf dem Warenterminmarkt Geldströme, die nur noch zu einem Bruchteil von der Menge an Waren gedeckt sind. Dazu kommt es beispielsweise, wenn der Händler, mit dem Bauer Erwin den Vertrag geschlossen hat, seinerseits wieder einen neuen Händler sucht, und diesem zu einem höheren Preis das Getreide am Tag X verkaufen will. Schon gibt es zwei Warenterminkontrakte auf nur eine Getreideernte. Das lässt sich so lange fortsetzen, bis sich kein Händler mehr findet, der den Vertrag unterzeichnen will.
Nahrungsmittelspekulation und die Hungerfrage
Von dieser Entwicklung reden foodwatch, Oxfam und Co. wenn sie sagen, dass sich die Finanzmärkte von den realen Märkten entkoppelt haben. In den USA wurden beispielsweise im Jahr 2011 70mal mehr Weizenkontrakte gehandelt als die Ernte hergab. Das heißt, Bauer Erwins Getreide ist nach seinem ersten Vertrag mit dem Händler noch 70 mal weiter verkauft worden – bevor es überhaupt geerntet war. Sogar die Weltbank hat anerkannt, dass Spekulationen von derlei Ausmaß Auswirkungen auf den realen Preis der Güter haben können. Ein Preisanstieg bedeutet in Entwicklungsländern, in denen Menschen schon heute 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrung ausgeben, dass man sich dort irgendwann auch das einfachste Essen auf dem Teller nicht mehr leisten kann.
Doch genau hier liegt die Crux: Allerorten wird davon geredet, dass es so sein könnte. Ob es denn nun wirklich so ist, darüber tobt ein erbitterter Streit. Die Argumente der Gegenseite sind nicht von der Hand zu weisen: Reis etwa, dessen Knappheit und rasanter Preisanstieg maßgeblich für die Hungerkrise in Haiti im Jahr 2008 gewesen ist, wird vom Index, an dem die Spekulanten ihre Geschäfte aufhängen, gar nicht erfasst. Als vor mehr als 100 Jahren die Spekulation an der Berliner Börse verboten wurde, hatte das fatale Auswirkungen für die Bauern. Der Preis schwankte enorm und Einfuhr und Weiterverkauf der Ernte wurden zum Zeitroulette.
Diese zwei Punkte sind zwar Ausnahmen in einer großen Zahl an Fakten, die das Gegenteil, nämlich einen durchaus engen Zusammenhang von Spekulation und Realpreis, vermuten lassen. Eine Regel, einen systematischen, unwiderlegbaren Zusammenhang (bzw. das Gegenteil davon) hat jedoch bis heute weder die eine noch die andere Seite liefern können.
Lesen Sie auf Seite 2 woran es wirklich mangelt und was jeder einzelne tun kann.


Kommentare (26)
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Hohe Preise nützen den Bauern, tiefe Preise den Hungernden - für dieses Dilemma habe ich noch nirgends eine Lösung gelesen, und auch die 2. Seite dieses Utopia-Artikels lässt mich ziemlich ratlos. Ist es jetzt besser, den Armen Lebensmittel zu leistbaren Preisen zu geben oder sollen wir in der 1. Welt etwaige Lebensmittelüberschüsse lieber wegwerfen, während anderswo Menschen hungern?
Der mit Abstand bedeutendste Preistreiber sind die vielen Futtermittelimporte, die nötig sind, um die vielen tierischen Produkte zu produzieren, die hierzulande konsumiert werden. Wer jeden Tag Fleisch isst, sollte lieber vor der eigenen Tür kehren, als die Schuld bei Spekulanten zu suchen.
Zu deinem zweiten Absatz: Das ist wirklich komplex. Es fängt schon damit an, dass "die Bauern" sehr verschiedene Leute sind, von sog Kleinbauern, v.a. in Afrika, Südostasien etc, bis hin zu Agrar'riesen'. Ein Unterschied ist z.B. dass erstgenannte oft viel schwerer bzw weniger direk Zugang zum 'Markt', auch zum Weltmarkt haben, sodass sie oft auch weniger von hohen Preisen profitieren. Aber gerade sie werden langfristig von subventionierten Importen ruiniert (und sind dann selbst Hungernde oder zumindest Arme, die von niedrigen Preisen profitieren). Unter anderem würde es das Dilemma sicher entschärfen, wenn viele Subventionen gestrichen würden, zugleich die Kaufkraft der Armen erhöht würde (nicht unbedingt mit Lebensmittelmarken, wie das z.T. in Indien geschieht, aber das ist immer noch besser als gar nichts), bzw überhaupt Armut auf vielerlei Weise besser verhindert würde ("der Markt" an sich wird das freilich mit Sicherheit nicht von selbst lösen, wie immer noch viele Leute glauben, z.T. in der irrigen Annahme, das sei die einzige Alternative zu Stalinismus etc)
Deinem dritten Absatz stimme ich sehr weitgehend zu. Gerade heute wird oft auf die neueren Agrotreibstoffe oder Nawaro Kunststoffe 'geschimpft', aber über den immer noch gigantischen Faktor "Futtermittel" kaum gesprochen (und dabei geht es (wie viele Leute vergessen) neben den Importen von Soja etc (als Futterzusatz) sogar auch um die "heimischen" Felder), denn das Problem der Flächenkonkurrenz wäre entschärft, wenn (wie du richtig sagst) einfach viel weniger "tierische" Produkte konsumiert würden (von Tierrechtsaspekte ganz zu schweigen) weil dann insgesamt viel weniger Flächen gebraucht würden (weil pflanzl Nahrung viel weniger Flächen benötigt - was übrigens viele Leute immer noch nicht gar nicht wissen)
Es wäre mir neu, daß die Bauern Nutznießer der momentan hochgetriebenen Preise sind.
Auch verstehe ich nicht den Satz "Eindeutig wäre die Sache nur, wenn sie sich das Getreide selbst im Keller einlagern würden".
Z.T. werden tatsächlich riesige Lager befüllt.
Getreide ist ja sehr lange lagerfähig.
Nur ein Beispiel:
"Das Besondere am Coup des Briten: Er hat die Kontrakte an der Londoner Warenterminbörse Liffe nicht, wie sonst üblich, vor Fälligkeit weiterverkauft, sondern ließ sich die Bohnen ausliefern. Damit kontrolliert Armajaro fast die gesamte Ware, die derzeit in registrierten Lagerhäusern in Europa aufbewahrt wird, von Liverpool über Rotterdam bis Hamburg."
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72370234.html
"Der mit Abstand bedeutendste Preistreiber sind die vielen Futtermittelimporte, die nötig sind, um die vielen tierischen Produkte zu produzieren, die hierzulande konsumiert werden."
Der Satz bezieht sich auf hohe Preise hierzulande.
Da sind aber die Lebensmittel immer noch vergleichsweise günstig.
Problematisch sind die hohen Preise in anderen Welt-Regionen, wo hoher Fleischgenuss sicher kein Thema ist (Kenia 8 kg / Jahr).
Ich muß gestehen, daß ich selbst oft überfordert bin mit diesen Themen.
Aber wenn ich das hier lese:
http://www.oxfam.de/sites/www.oxfam.de/files/factsheet_nahrungsmittelspekulation_pb.pdf
dann bleibt es für mich durchaus Fakt, daß die -ausufernden- Spekulationen mit Schuld sind am Hunger der Ärmeren.
Dabei ist es völlig unerheblich, wieviel Prozent der Schuld die Spekulanten haben.
Natürlich ist die Problematik der Welternhährung viel komplexer und wurde ja auch hier schon aus allen Ecken und Richtungen beleuchtet.
Doch natürlich, war das unklar?
Naja, ist ja auch nur ein Buchstabe am Ende, kann man schon mal verwechseln. ;-)
Meines Wissens ist es ein Ausnahmefall, dass Spekulanten die Ware physisch aufkaufen (und in dem Fall würde es gar nichts helfen, den Terminmarkt zu regulieren, denn die Spekulanten können die Ware direkt beim Produzenten kaufen - die Besitzer der Lager müssten reguliert werden!). Soweit bekannt, stiegen die Lagerbestände von lagerfähigen Rohstoffen 2006-2008 *nicht*. Selbst Produkte, die *nicht* am Terminmarkt gehandelt werden, hatten starke Preisausschläge. Das ist doch ein schwerer Schlag für die Hypothese, dass die Terminmarktspekulanten für Hunger auf der Welt verantwortlich sind.
Natürlich sind Bauern Nutznießer von gestiegenen Weltmarktpreisen. "Entweder du bezahlst mir jetzt auch mehr, oder ich verkaufe meine Ware auf dem Weltmarkt!", können sie in Preisverhandlungen argumentieren. 2008 haben sie das gemacht und gejubelt (endlich wieder mehr Einkommen, "wir werden wieder gebraucht"). Das war die Zeit, als die Lebensmittelindustrie und viele Gasthäuser auf Speiseeis aus Pflanzenöl und Analogkäse umstiegen, um die teure Milch zu vermeiden.
Und natürlich ist unser Fleischgenuss ein Thema in Ländern wie Kenia: Mit unserer hohen Kaufkraft "bestechen" wir die lokalen Bauern, lieber Futter für unser Vieh anstatt für den lokalen Markt anzubauen. Natürlich bauen die das an, für das man ihnen am meisten bezahlt. Oder wir Ausländer kaufen gleich selbst die landwirtschaftlichen Flächen auf, um dort unsere Produkte anzubauen. Das ist der freie Markt! Und in dem hat der Konsument die Letztverantwortung.
@Simon: Die Agrarförderung der EU gehört sicher überarbeitet. Aber das Einteilen in "gute Kleine" und "böse Große" halte ich nicht für sachgerecht. Es gibt auch böse Kleine und gute Große. Ich kaufe Bio-Produkte aus großer wie kleiner Produktion.
Was Bauern=Nutznießer angeht, so ist mir nicht bekannt, daß sie Grund zum Jubeln haben oder 2008 hatten.
Gerade bei Milch: war 2008 nicht das Jahr, wo die Bauern die Milch in Gulli gekippt haben? War dsa bei Euch in Österreich anders?
http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Milchbauern-drohen-mit-Milchvernichtung-auf-Feldern-900287.html
Die hessischen Bauern freuen sich.
http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/0,2828,849490,00.html
Die Milchbauern laufen mal wieder in eine neue Katstrophe
http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/0,2828,849490,00.html
Da wirken Spekulationen und tatsächliche Gegebenheiten, wie die Dürre in Amerika u.s.w. sich gemeinsam aus. Dann kommen noch Subentionen dazu (Bio-Sprit) und schon blickt kaum mehr jemand durch.
Das sind alles sehr pauschale Aussagen, die Du da -u.a. auf Deiner Webseite- triffst.
Und es ist schwer, darauf richtig zu antworten, weil die Auswirkungen der Weltmarktentwicklung für jeden Bauern anders sind und heute anders als morgen.
" Wer nur am Terminmarkt kauft und verkauft, ohne sich was liefern zu lassen, kann keine dauerhaften Preisänderungen bewirken"
Langfristig ist das natürlich so.
Kurzfristig kann alleine die Behauptung bzw. Vermutung, es könnte Knappheit eintreten, eine enorme kurfristige Preissteigerung bewirken.
Das wäre ja die erste Spekulation, die auf wahren Begebenheiten beruht...
Und diese kurzfristigen Preissteigerungen sind für manche Länder eben schon katastrophal.
Beim gemeinsamen Nenner, wo es hingehen sollte, sind wir vermutlich wieder einer Meinung. Aber man kann ja auch Bio-Produkte kaufen, Fleisch reduzieren u n d gegen Spekulationen anreden.
Zumindest, wenn man nicht dran verdient ;-)
Der Marktpreis ist von Zukunftserwartungen abhängig und lässt sich nicht "von oben" vorschreiben, ohne dass es eine Planwirtschaft wird. Und welche Folgen die hat, kennen wir zu gut von der Milch-Planwirtschaft:
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2010/1102/004_milch.jsp
Unterschriften gegen Spekulation zu sammeln, erscheint mir da eher wie ein Ablenkungsmanöver.
Eigentlich sollten wir lieber darüber debattieren, wie das weltbeherrschende kapitalistische Finanzsystem (und da ist Nahrungsmittelspekulation tatsächlich nur ein Tropfen im Ozean), das nicht nur auf dem Markt für Nahrungsmittel für immer weiter ausufernde VERTEILUNGSUNGERECHTIGKEITEN sorgt, grundlegend reformiert, wenn nicht vollständig ersetzt werden kann.
Angesichts des zugunsten der Rettung des Banken- und Finanzsystems zusammengestrichen Welternährungsprogramms sollten wir uns fragen, ob es moralisch vertretbar ist, zuerst den Kapitalhunger und dann den Hunger der mit dem Tod ringenden Menschen zu stillen!!
Ich stelle hier noch mal Jean Ziegler ein, der die katastrophalen Entwicklungen sehr anschaulich zusammenfasst und auch Lösungsmöglichkeiten anbietet:
http://www.youtube.com/watch?v=X1xYfWzJBic&feature=related
Ich musste letztens meine Bankberaterin auch mal, gelinde gesagt, zusammenscheißen, weil sie mir ja tatsächlich als Geldanlage Getreide empfahl. Sie sagte mir dann, dass sie meine Reaktion verstehen könne, aber wohl "von oben" angehalten ist, dem Kunden auch derlei Geldanlagemöglichkeiten zu unterbreiten. Schlimm sowas!
Meine Bank (GLS) hat es jedenfalls abgeschafft ihre Kunden auf Eigeninitiative Wertpapiere verkaufen zu wollen. Sie stehen natürlich als Berater zur Verfügung aber nur wenn der Kunde selbst danach fragt. Dadurch wird der Kunde angehalten sich erstmal richtig zu informieren bevor er blind irgendwelche Investment Fonds und Pakete schürt. Nahrungsmittelspekulationen sind dort auf jeden Fall ein No-go.
Gruß Emma
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jean-ziegler-im-gespraech-nahrungsmittelspekulation-ist-ein-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit-1.1469878-2
Der Markt für Nahrungsgüter ist ein ganz besonderer Markt er ist sehr starr auf der Nachfrage Seite weil, mehr als satt essen geht nicht, wird zu viel produziert, sind die Übermengen am Markt nicht absetzbar die Preise stürzen ab. Wird zu wenig produziert, sind die Menschen bereit jeden Preis zu bezahlen (so sie können) um nicht hungern zu müssen. Je höher die Preise für Nahrungsmittel steigen desto weniger Menschen konnen sich armutsbedingt genügend Lebensmittel leisten.
Was kann man gegen zu wenig Nahrunsmittel tun? Ganz einfach: Mehr produzieren und weil immer mehr Menschen auf unseren Planeten leben, die satt werden wollen und weil der reche Teil dieser Menschheit immer höherwertige Nahrung sprich Fleisch zu sich nehmen will und weil der noch reichere Teil der Menschheit die Nahrungsmittel in den Motoren seiner Autos verbrennt benötigen wir immer mehr Nahrungsgüter sprich immer höhere Ernten.
Im Augenblick steigt der Erntemengenbedarf weltweit jährlich um fast 4% die tatsächlichen Erntemengen nehmen nur noch um 1% zu. Dieses führt zu steigenden Preisen für Nahrungsmittel und das weltweit.
Wenn ich hier die Vorschläge der Utopisten ansehe wird hier immer genau das Gegenteil von Mehrproduktion gefordert.
Keine Gentechnik, kein Mineraldünger, keine Pestizide, keine Regenwaldrodung etc......
ja wo sollen die Nahrungsmittel den herkommen?????? Woher soll der jährliche Mehrbedarf herkommen????? Macht sich da niemand Gedanken drum?????
Heute zahlt der Otto-Normalbürger bis zu 5% bei Finanztransaktionen ins Ausland, der Spekulant NULL. Mit der Ungleichbehandlung muss endlich Schluss sein, Alle sollen maximal 1% an Finanztransaktionsgebühren einschließlich aller Steuern pro Transaktion bezahlen. Der Spekulant soll endlich nicht mehr bevorteilt werden. Für den Otto-Normalbürger wird es billiger, für den Spekulanten, der mit seinem Tun Wirtschaftskrisen auslöst und Preise selbst für Lebensmittel hochhebelt endlich teurer.
Beim Hochfrequenzhandel geht es um den superschnellen Gewinn in einer unkontrollierten wirtschaftlichen Grauzone. An internationalen Börsenplätzen macht der Hochfrequenzhandel bereits 70% aller Transaktionen aus, in Deutschland auch bereits die Hälfte. Kauf und Verkauf von Aktien, Derivaten erfolgt in 250 bis 300 Mikrosekunden = eine viertel Sekunde.
Es wird hauptsächlich Arbitrage betrieben, unterschiede an den einzelnen Börsen werden so ausgeglichen, so die Betreiber, aber in Wirklichkeit werden Kurse manipuliert, indem man hohen Verkaufsdruck, oder Kaufinteresse vortäuscht. „Somit werden Übertreibungen am Markt und Krisenentwicklungen verschärft“, erklärt Elke König, Präsidentin der Finanzaufsicht Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht)
Es gibt bisher keinerlei gesetzliche Regeln und Kontrollen für diesen Hochfrequenzhandel! Elke König fordert wie bei schnellen Autos, für die sich die Hersteller auf eine Tempo-Beschränkung von 250km/h verständigt haben, sofort eine Regulierung für den superschnellen Handel. Fast alle Finanzexperten sehen im unkontrollierten Hochfrequenzhandel eine Gefahr für die Finanzstabilität.
Die Börse Stuttgart hat bereits Obergrenzen für die Eingabe von Orders (Kauf und Verkauf von Wertpapieren) eingezogen. Marktteilnehmer die diese überschreiten werden im Extremfall bereits vom Handel ausgeschlossen. An der Frankfurter Börse müssen Hochfrequenzhändler, die pro Tag eine bestimmte Obergrenze von Wertpapieraufträgen einstellen, seit März 2012 höhere Gebühren zahlen. Mit diesen Beschränkungen will man einen „Flash Chash“ wie 2010 an der Wall Street verhindern. Damals stürzte der Dow Jones innerhalb von Minuten ohne äußeren Anlass um 1000 Punkte ab. Hochfrequenzhändler hatten einfach die Börse mit Verkaufsaufträgen überflutet.
Hochfrequenzhändler manipulieren die Preise Nachteil von Kleinanlegern, Pensionskassen, Lebensversicherungen und Investmentfonds, sowie zum Nachteil aller, etwa wenn sich Nahrungsmittel global für alle verteuern. Hochfrequenzhändler geben sehr oft Kaufaufträge ab, kaufen dann aber doch nicht! Damit werde aus Eigeninteresse der Preis nach oben getrieben, um die Aktie, Option, Rohstoff, dann doch zu verkaufen, statt zu kaufen.
Wie kann man dies in Zukunft unterbinden?
Es ist ein Gesetz von Wolfgang Schäuble in Vorbereitung, das der Hochfrequenzhandel künftig von der Bafin beaufsichtigt werden soll und die Organisation so auszurichten, das die Rechner den Markt nicht mehr manipulieren können, etwa durch Kaufaufträge die dann wieder storniert werden. Dies soll zukünftig Strafbahr sein, ebenso plant Schäuble Finanztransaktionssteuern in Höhe von 0,01%!
Aber zunächst sollen die Verbände der Kreditwirtschaft Stellung nehmen, dann muss der Bundestag diesen Entwurf beraten. Sowas muss natürlich nicht nur national, sondern global eingeführt werden! Der EU Finanzdienstleistungsrichtlinie MiFiD zufolge sind EU-weite Regeln für den Hochfrequenzhandel erst 2015 vorgesehen!!!
Es ist für alle Akteure gut, dass jetzt Rechtssicherheit im Umgang mit Hochfrequenzhandel geschaffen werden soll, heißt es bei der Deutschen Börse Christoph Boschman, Geschäftsführer der Börse Stuttgart, spricht von einem sehr nützlichen Vorstoß, gerade aus Sicht der Privatanlegerbörse.
Die Piratenpartei als Internetpartei sollte die treibende und führende Kraft werden, die faire Spielregeln für alle einfordert und der Hochfrequenzhandel muss sofort transparenter gestaltet werden, dies nicht nur national, sondern EU-weit… global. http://de.wikipedia.org/wiki/Tobin-Steuer
Wirklich gerecht sind Finanztransaktionssteuern von 1% für ALLE! Gleiche Sätze für Anleger, Privatkunde und Spekulant. Nur so lassen sich Manipulationen und Spekulationen wie die gegenwärtige Soros-Spekulation gegen den Euro und hohe Lebensmittelpreise für die Armen verhindern.
"Spekulation gibt es im Nahrungsmittelbereich seit Tausenden von Jahren. Was ist schlimm, wenn ein Bauer sich gegen Missernten versichert oder ein Bäcker seinen Mehlnachschub sicherstellt? Nichts. Aber darum geht es auch nicht. Die Rohstoffspekulation von heute dient nicht diesem Zweck. Wenn wie jetzt in den USA ein Teil der Maisernte verdorrt, dann springen die Spekulanten auf diesen Zug auf und verstärken die Preisexplosion. Die Rohstoffmärkte sind «finanzialisiert» worden. Dabei verdienen Spekulanten Milliarden, während umgekehrt Millionen Menschen verhungern.
Wie könnte man diese Spekulation verhindern? Indem alle Nicht-Produzenten und Nicht-Verbraucher von den Rohstoffbörsen ausgeschlossen würden, wenn also im übertragenen Sinn nur noch der Bauer und der Bäcker via Börse miteinander handeln würden. " http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Jetzt-kann-ich-sagen-wer-die-Halunken--sind/story/11541543
Selbst eine Transaktionsgebühr von 1% verhindert keine Spekulation, wo mehr als 1% verdient werden kann. Genauso würden keine Rezessionen verhindert, wenn die Unternehmen 1% Mehrwertsteuer auf alle ihre Einkäufe zahlen müssten. Ich kann mich dem Hype um die Transaktionssteuer daher nicht anschließen.
Der verlinkte Artikel im Tagesanzeiger ist gut. Er zeigt, dass Armut und Hunger viele Ursachen haben und Spekulation nur eine Nebenrolle spielt.
Der Hochfrequenzhandel hat mit der Nahrungsmittelspekulation nichts zu tun.
Ich persönlich finde die Spekulationen auch nicht OK, aber das heißt ja nicht, dass ich recht haben muss. Das Thema ist extrem komplex und nicht mit einem einfachen "Verbietet Nahrungsmittelspekulationen" zu lösen. Da kommen mehrere Fakten zusammen, die Agrarsubventionen sind auch nicht unwichtig, denn die verzerren die Märkte enorm.
Hier gibts im selben Blog einen interessanten Überblick über einige wesentliche Argumente zum Thema: http://www.jkms.info/blog/nahrungsmittelspekulationen-der-banken/ Das Argument Subventionen kommt ganz am Ende der Liste.
Die einzige Lösung für die gesamte Thematik ist in meinen Augen die, das Thema so lange zu diskutieren und in die Medien zu zerren, bis es komplett durchleuchtet ist. Also liebe Utopisten: Beteiligt euch!
Jeder kann auf Geldanlagen verzichten, die Mensch und Umwelt schaden! Keiner braucht Finanzprodukte, die auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren! Dafür setzt sich die Initiative handle-fair.de ein!
Es gibt für jede Expertenausage einen Zeitstempel im Video. Man kann also die interessantesten Statements mühelos finden und anschließend im Video genau ansehen.
Grüße!
Raphael Bolius
Viel Spass beim Ansehen!
Raphael Bolius
danke für das Lob. ;) War nicht wenig Arbeit, aber ich musste mir das Video sowieo ansehen und dann habe ich gleich an die Anderen gedacht, die vor dem selben Problem stehen: 3h Material!
Was ich aus dem Video herauslese, das ist, dass es weniger die Spekulationen sind, die die Preise treiben, sondern vielmehr die (leider) sehr, sehr laxen Rahmenbedingungen. Ich versuche in meinem Blog eine Art "Wissensdatenbank" zum Thema zusammenzustellen. Es gibt schon eine Menge von interessanten Beiträgen und ich versuche möglichst viele Links in die Beiträge zu integrieren.
Interessantes Detail am Rande: Das Thema ist mehrere hundert Jahre alt, am ende des Videos zeigt Dirk Müller ein Dokument aus dem 14. (?) Jahrhundert, in dem die Stadt Strassburg ein Verbot der Terminmärkte verhängt. Die historischen Argumente sind den aktuellen Argumenten erstaunlich ähnlich.
Hier gehts zur gesamten Sammlung an Wissen: http://www.jkms.info/blog/category/nahrungsmittelspekulationen-infos/
Viele Grüße!
Raphael
Da gibt es auch erstaunliche Parallelen zu heutigen Verhältnissen.
Der Mensch tickt halt doch immer wieder ähnlich, im Positiven wie im Negativen.