Sein Leben, Stationen wie Puzzleteile einer langen Suche. Dabei wurde der rote Faden bereits von den Urgroßvätern gesponnen: 1795 schreibt Kauffmanns Urahne Georg Ludwig Hartig, dass sich “keine dauerhafte Forstwirtschaft denken lässt, wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist, sodass die Nachkommenschaft wenigstens ebenso viel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet.” Im Jahr 2008 gründet Kauffmann mit zwei Geschäftspartnern die amerikanische Firma Original Beans unter dem Motto “The Planet: Replant It.”

Zusammen mit einheimischen Bauern und Waldbesitzern im Kongo, Bolivien und Peru wird Kakao so ursprünglich wie möglich im Regenwald gepflanzt und geerntet – kein einziger Baum muss dafür weichen. Im Gegenteil: Pro verkaufter Tafel Schokolade darf ein neuer Baum wachsen. Und wer wissen will, woher der Kakao seiner Original-Beans-Schokolade stammt, der kann online über eine Nummer in der Verpackung den Weg bis zu ihrem Ursprung in den nachhaltig gemanagten Kakao-Wald zurückverfolgen. Für Kauffmann ein Weg zurück zu seinen Wurzeln, zu dem Erbe der Großväter: “Seit ich vierzig Jahre alt bin, schließt sich für mich der Kreis.”
Doch von vorn: Auf Wald und Wiese sei er aufgewachsen. Im Mozartland zwischen München und Wien. Oft verbringt er die Sommerferien auf dem Bauernhof im Salzkammergut. Gute Schulen, Musikerziehung, viel Sport, klassisch für einen „höheren Sohn“. Aber in ihm ist beständige Unruhe. „Nach dem Abitur musste ich raus in die weite Welt“, sagt der heute 41-Jährige. Wie Weiland von Hochstetter, der andere seiner Großväter, der zwischen 1857 und 1859 als leitender Wissenschafter auf der Habsburger Novara Expedition um die Welt segelte. Er sei ausgestiegen, sagt Kauffmann, nach Israel gepilgert, durch Indien und China gereist – „ich habe in diesen Ländern Kulturschocks erlebt.“ Zurück in München ist wenig verwunderlich, dass ein Anthropologiestudium folgt, begleitet von viel Weltmusik – er spielt Sax und Flöten. Und beendet diese Station mit einem Buch über die Anthropologie des Jazz. Ein Puzzleteil, soweit.
Dann ein zweites Studium, Entwicklungsökonomie an der Universität von London. Im Fokus stehen Fragen, die ihn bis heute beschäftigen: Wie kann der Respekt für das Managen der Natur zurückgeholt werden? Wie bekommt die Arbeit des Bauern wieder die Wertschätzung, die sie verdient? Durch welche Anreize kann einem bettelarmen Bauern die ökonomische Entscheidung erleichtert werden, ein Stück Wald nachhaltig zu managen?
Dazwischen, aus heiterem Himmel und wie so oft unverhofft, Liebe: mit einer holländischen Prinzessin fängt er ein neues Leben an, zieht nach Amsterdam und startet eine Firma im boomenden Internetgeschäft. “Es hat einige Jahre gedauert, bis ich mich wieder auf meinen roten Faden besonnen habe.” Einschneidend sei damals der Moment gewesen, als er dem Bestseller-Autor und Umweltschützer Paul Hawken begegnet – der ihm ein Mentor und Freund wurde. Hawken fordert, dass die Menschheit die Dienstleistungen der Natur nicht länger ignorieren darf. Zudem plädiert er für ein radikales Umdenken und eine neue Form des Wirtschaftens. „Paul hat ein Buch, nein Manifest muss ich es nennen, über den Öko-Kapitalismus geschrieben“, erklärt Kauffmann. „Dessen Prinzip stellt er dem industriellen Kapitalismus gegenüber und weist einen Ausweg aus der Misere.“ Zudem ist Hawken als grüner Unternehmer mehrfach erfolgreich gewesen mit einer nationalen Öko-Food-Kette und einem Gartenkatalog-Geschäft.
Foto: privat
Ebenso beeindruckend sind in derselben Zeit seine Begegnungen mit Jane Goodall, der Schimpansen-Verhaltensforscherin. Nach ihrem Modell entwickeln Kinder eigene kleine Projekte im Bereich Natur- und Umweltschutz, um damit das Leben auf der Erde zu verbessern. Und mit der Zukunftsforscherin und Expertin für alternative Ökonomie Hazel Henderson, die für andere Produktionswege und Ressourcenverteilungen plädiert. „Hawken, Goodall, Henderson – das waren meine drei Leitfiguren“, sagt er rückblickend... <<< zu Teil 2 blättern>>
Original Beans oder: Der Weg der Kakaobohne in der Bildergalerie


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