Müll, den man nicht sieht
Auf dem höchsten Gipfel
Müll auf dem höchsten Gipfel
Reinhold Messner bezeichnete ihn einmal als "den höchsten Fluchtpunkt menschlicher Eitelkeiten" und erklärte so den zunehmenden Tourismus, der mittlerweile die Spitze des Mount Everest erreicht hat, und der ein Problem mit sich bringt. Sie ahnen es - genau, den Müll.
Es hat über 30 Jahre gedauert, von den frühen Zwanzigern bis zum 29. Mai 1953, den höchsten Berg der Welt, der Mount Everest, zu bezwingen. Ware
n es in den ersten 30 Jahren nur 150 Bergsteiger, die der Welt aufs Dach gestiegen sind, verzeichnete das Fremdenverkehrsamt im Jahr 2001 diese Zahl in einer einzigen Woche. Bisher haben 2.249 Menschen den höchsten Berg bestiegen. 2005 schafften es 45 Bergsteiger an einem einzigen Tag. Allein die in den letzten 50 Jahren zurückgelassenen leeren Sauerstoffflaschen würden übereinander gestapelt den Everest überragen.
Dabei machen derart große und sperrige Gegenstände dem Berg noch am wenigsten zu schaffen. Der hauptsächliche Müll fällt am Fuß des 8.848 Meter hohen Berges an - genauer: an den bis zu 26 Kilometer langen Gletschern Chinas und Nepals, auf deren Grenze sich der Berggipfel befindet. Denn hier testen Bergsteiger aller Qualifizierungen jede Saison aufs Neue die Grenzen ihres Könnens. Dabei hinterlassen die Gipfelstürmer vor allem Kunststoffmüll. Die Seile, die zur Sicherung benutzt werden, zeichnen sich ja gerade durch ihre Langlebigkeit und Unverwüstlichkeit aus - eine Eigenschaft, die in der Folge nicht nur das Konto des Steigers, sondern auch den Berg belastet, auf dem sie zurückgelassen werden.
Neben den Bergsteigern sind es zunehmend auch "normale" Touristen, die das Ökosystem des Berges gefährden. Mehrere hundert tausend Menschen besuchen jedes Jahr die Himalya-Region, Tendenz steigend. Anfang 2005 landete erstmals ein Helikopter auf dem Mount Everest. Der lokale Dharmapath Youth Club nannte die Aktion ein "Verbrechen gegen Nepal".
Umweltbelastungen entstehen unter anderem durch Alltagsmüll wie Verpackungen für Lebensmittel, aber auch durch verlassene Zelte und menschliche Exkremente. Bis in die
neunziger Jahre herrschte die Annahme, dass bei den niedrigen Temperaturen am und auf dem Berg keine ernsthaften Umweltbelastungen auftreten würden, da ja quasi alles sofort gefriert. Dieser Trugschluss wurde mittlerweile durch Untersuchungen der nepalesischen Regierung widerlegt. Heute steht der Everest auf der Liste der gefährdeten UNESCO-Weltkulturerbe-Regionen, und auf nepalesischer Seite wird inzwischen für jede Expedition eine Pfandgebühr verlangt, die erst zurückerstattet wird, wenn ihr Müll nachweislich wieder zu Tal getragen wurde.
Seit dem Jahr 2000 hat der japanische Umweltschützer Ken Noguchi bereits fünf mal den Mount Everest von einem Teil seines Mülls befreit. Insgesamt hat er so etwa neun Tonnen Müll mit einem Team aus Helfern mit Transportschlitten vom Everest geholt.
In der Süddeutschen Zeitung schloss Reinhold Messner, Bergsteiger-Titan und Mount-Everest-Bezwinger, einen Kommentar mit dem Titel "Mount Everest - der Gipfel des Selbstbetrugs" mit den Worten: "Heute liegt der Everest unter vielen Seilen, Leitern und Sauerstoffdepots verborgen, eine grausame Welt. Kluge Menschen tun gut daran, auf das Billigangebot "Everest for you" zu verzichten. Noch Klügere können den höchsten Berg der Welt aus dem Flugzeugfenster bestaunen, ohne dafür Unsummen an unseriöse Reiseveranstalter zu bezahlen, die die Illusion verkaufen, die Pauschalreise auf den Mount Everest sei mehr wert als ein Billigurlaub auf Mallorca ..."
Über die größte schwimmende Müllhalde im Ozean lesen Sie hier
Alles über Müll im Weltraum erfahren Sie hier


Kommentare (4)
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Carlsen
schrieb am 06.04.2008 um 17:45 ¶Eva Daniela
schrieb am 26.03.2008 um 16:38 ¶Kommentar schreiben
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