Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
C&A auf dem Pfüfstand

Moderiese mit Sinn für Verantwortung?


http://www.utopia.de/uploads/10/07/29/1sf4caq15puo/original/cunda-auf-dem--pruefstand-300x195.jpg
Foto: crocodile Quelle: photocase.com

Stiftung Warentest: C&A ist sehr transparent

Das Bio-T-Shirt also für sechs Euro, kann das überhaupt gehen? „Wir investieren Marge in Biobaumwolle, deshalb kommt dieser Preis schon hin“, erklärt Overmeijer etwas kryptisch, und will damit sagen, dass die Gewinnspanne bei den Bioprodukten also kleiner ausfällt als bei konventioneller Kleidung. Damit rücken auch die Erlöse der Zulieferer in den Blick. Der bereits 1995 eingeführte Code of Conduct wird von vielen NGO als nicht ausreichend kritisiert. Insbesondere die Tatsache, dass C&A seine Zulieferer nicht offenlegt und dass die Einhaltung nur durch die zu C&A gehörige Organisation Socam überwacht wird, sorgt für Unmut. Overmeijer wehrt ab: „Wir wollen unsere Zulieferer schützen; wenn deren Namen öffentlich wären, stünden sie in direkter Kritik, was sich für sie geschäftsschädigend auswirken könnte. Wir nehmen lieber unter vier Augen Einfluss, das ist ein Teil der Vertrauensbasis unserer Geschäftsbeziehung.“ Zuverlässigen Prüfern oder Journalisten nenne C&A auf Anfrage aber auch die Namen der Hersteller, etwa der Stiftung Warentest, die in ihrer empfehlenswerten aktuellen Ausgabe der Zeitschrift test (8/2010) unter anderem die Unternehmensverantwortung von Textilhändlern untersucht hat. Darin lobt die Verbraucherorganisation das Unternehmen C&A tatsächlich als „sehr transparent“. Auch in den übrigen von test geprüften Bereichen der freiwilligen Unternehmensverantwortung liegt C&A weit vorn und erreicht insgesamt das Prädikat „engagiert“. Ganz ohne Kritik kommt jedoch auch C&A nicht davon: Bis auf die Konkurrenzunternehmen Hessnatur, Trigema und Panda zahlten Warentest zufolge alle geprüften Textilhändler nur den gesetzlichen Mindestlohn oder wenig mehr, und damit könnten die Arbeiter ihre Lebenskosten kaum decken.

Höhere Löhne durch mehr Effizienz?

Im individuellen Vorgehen zur Prüfung der Zuliefererkette sieht Overmeijer Vorteile: „Bei der internen Auditierung SOCAM hat das Unternehmen C&A wiederum keinen Einfluss auf die Prüfungen, vielmehr wird die Unabhängigkeit und die Effizienz der SOCAM von externen Zertifizierern bestätigt.“ Neben der Auditierung nennt C&A einen zweiten Punkt: „Wir setzen stark auf langfristige Beziehungen, und verfügen über eine Reihe die zehn- oder zwanzigjährig sind“, sagt Rolfes, „durch kontinuierlichen Kontakt können wir Dinge fordern und durchsetzen.“ „Bei der Debatte um Mindestlöhne geht es zunächst um Einstiegslöhne“, assistiert Overmeijer, „eine höhere Qualifizierung im Beruf führt auch zu höheren Löhnen“, und fügt hinzu, „aber uns ist bewusst, dass wir hier nicht über Löhne nach westlichen Standards reden“. Im Infodienst „Presente“ der Christlichen Initiative Romero e.V., kritisiert die Autorin Sandra Dusch Silva im März 2009, dass es immer noch zu illegal beschäftigten Subunternehmern im Umfeld der C&A-Zulieferer käme – ob und wie sich Näherinnen, insbesondere bei illegaler Heimarbeit, für existenzsichernde Löhne höher qualifizieren können, bleibt die große Frage an dieser Stelle.

Nachhaltige Mode in Utopia City:

 

Seite 2 / 3
Thema: Unternehmen, Stand: 30.07.2010 von

Kommentare (27)   abonnieren

alle Kommentare (27)
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 22.09.2012 um 18:22
    Naja, C&A und Bio? Da gebe ich Bridda recht, selbst wenn die Produkte einigermaßen BIO sind, ohne Zertifikate, sprich ohne Nachweise ob z.B. Kinder mit der Produktion zu tun haben ist es für mich äußerst zweifelhaft ob solch große Warenhäuser wirklich Bio anbieten können. Wenn ich mir im Gegenzug solche Shops, zb. http://www.naturspross.de anschaue, bezweifele ich es noch umso mehr. mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 09.04.2012 um 16:05
    Schadenshaftung nicht nur für die Kleinen - sondern auch für die Mächtigen
    fordert Dr. Dr.-Ing. habil. Gerhard Saeltzer
    im Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin Anlgela Merkel

    > https://www.dialog-ueber-deutschland.de/SiteGlobals/Forms/Vorschlaege/vorschlag_abstimmung_captcha-formular.html

    Bitte voten und mit weiteren Beispielen ergänzen!!!

    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

    Vielleicht bilden mal die Verantwortungsbewussten und die, mit viel Hintergrundwissen eine eigene Partei * oder vereinen sich in einer bestehenden? Vielleicht wäre auch passender einen gemeinsamen "Rat" zu bilden.
    Es gibt nach meiner Kenntnis bei attac viele sehr verantwortungsbewusste Politiker/innen & Menschen mit viel Hintergrundwissen.

    (* eine Partei oder politische Initiative zur Koppelung von Besitz [und Macht] an Transparenz und Verantwortung,.. eine Partei die also Gesetze fasst die vorallem den großen Verantwortungslosen nicht länger ermöglicht Schäden auf Dritte abzuwälzen [z.B. über Versicherungen, Bürgschaften u.ä.] und/oder ins Ausland zu entkommen sondern sie zum Schadensausgleich zwingt, wo auch immer sie sich aufhalten,..)

    s.a: http://www.utopia.de/blog/bgruen/suche-politikerin-mit#comment-547537 mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 22.09.2010 um 23:12
    Was nützt angebliche Nachhaltigkeit, wenn die Firmen sich nicht an die Menschenrechte halten? C&A ist für mich ein Warenhaus, dass ich grundsätzlich meide.

    http://www.indianet.nl/a980702.html

    Der Link mag schon verjährt sein, aber vor 3 oder 4 Jahren habe ich auf ARD (Monitor oder Polylux) einen Bericht über C&A und Tschibo gesehen und anscheinend hat sich in den Jahren nichts geändert. Profit um jeden Preis... mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 06.08.2010 um 15:09
    Dank Euch für die Blumen ;-))

    @jMike: Glaubt bitte bloß nicht, dass das immer so vorbildlich abläuft ... das war eine Sternstunde! Die Sendung mitangesehen hat sie bloß, weil sie *immer* fernsehguckt, wenn sie kann - es ist in der Regel schon ein Kreuz. Aber schon allein für solche seltenen Momente lohnt es sich weiterzumachen und nicht aufzugeben.

    @Anne: Ich weiß, was Du meinst, glaube ich. Geht mir auch mitunter so. Aber wenn ich mich in der Welt umsehe - und besonders in der unseren deutschen - dann sehe ich da eher massenhaft negativen theoretischen Überbau, aus dem nichts anderes resultiert, als Ablehnung gegenüber so ziemlich allem und jedem - und daraus erwächst nur Stillstand.

    Und solange das so ist, bin gern und mit voller Überzeugung im Hauptberuf Pragmatiker ;-))

    Liebe Grüße
    Hans-Werner mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 05.08.2010 um 09:20
    HIer der Link in die Mediathek von ARD für den Beitrag über kik:

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5063630
alle Kommentare (27)
Kommentar schreiben
(5000/5000)
Mehr zu Wirtschaft & Politik
  1. Wie kam Bio zum Tee? Wie kam Bio zum Tee?

    Zwei Männer, mehrere tausend Kilometer voneinander entfernt, haben Mitte der achtziger Jahre den gleichen Wunsch: Sie wollen Tee biologisch anbauen, auf hohem Niveau, ohne Herbizide und sozial verträglich produziert. Utopia stellt die erste Biotee-Marke der Welt vor – und wie sie derzeit verjüngt wird.

  2. „Die Wirtschaft gehört in Bürgerhand“ „Die Wirtschaft gehört in Bürgerhand“

    Utopist Guido Franke plädiert in seinem Blog „Zeit für Veränderung“ für mehr Bürgerrechte und ein Wirtschaftssystem in Bürgerhand. Utopia hat den engagierten Betriebswirt interviewt.

  3. „Essen hat einen viel zu geringen Stellenwert“ „Essen hat einen viel zu geringen Stellenwert“

    Die Utopistin Maria_L widmet sich dem Erhalt von Bio-Spezialitäten und wird in der Utopia-Community als interessierte Kommentatorin sehr geschätzt. Utopia hat die Slow-Food-Anhängerin interviewt.