Von Yves Ostrowski
Nicht zuletzt die Finanzkrise hat es deutlich gemacht: Um die Automobilhersteller weltweit sieht es nicht gut aus. Veränderte Ansprüche an Mobilität, die mit einer Verknappung fossiler Rohstoffe, erhöhtem Umweltbewusstsein und einem Verkehrsüberdruck in den Großstädten einhergehen, zwingen die Branche zu einem strukturellen Wandel.
Grund genug für die Heinrich-Böll-Stiftung, in einem Strategiepapier Mobilitätskonzepte der Zukunft zu erarbeiten. Die wissenschaftliche Diagnose von Professor Andreas Knie und Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) enthält drei Punkte, die deutlich herausstellen, dass der zukünftige Erfolg der Automobilindustrie nicht auf hoch motorisierten, schweren Autos basiert.
Der erste Punkt ist, dass in Zukunft klimaneutrale und nicht von fossilen Rohstoffen abhängige Autos benötigt werden. Zweitens muss es Verkehrskonzepte geben, die es ermglichen, ohne Probleme den Verkehrsträger zu wechseln. Drittens wird das Fahrzeug der Zukunft neue Muster der Nutzung erfahren.
Das heißt im Umkehrschluss, dass der Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister wird und Kooperationen in den Bereichen Energieversorgung, IT und öffentlicher Personennahverkehr anstreben muss, während die Regierung für Rahmenbedingungen zu gestalten hat. Das Auto als solches wird indes nur ein Bestandteil der Mobilität: Busse, Bahnen, Elektroauto und Fahrrad werden abwechselnd benutzt, um von A nach B zu kommen.
Auch, wenn die Vorstellung, sein eigenes Auto abzugeben und die Mobilität weitgehend in fremde Hände zu legen, befremdlich sein mag, der Ausbau öffentlicher Nahverkehrssysteme, Car-Sharing und Stadtrad beweisen, dass sich das Strategiepapier wohl sehr Nache an der automobilen Zukunft befinden dürfte.
Das Strategiepapier "Grüne Wege aus der Autokrise" zum Download
Der Artikel ist zuerst bei unserem österreichischen Medienpartner Gillout erschienen.


Kommentare (3)
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Eine System-Änderung wird nur durch Verteuerung beim Konsumenten stattfinden, die politischen Reglementierungen über Schadstoff-Steuerklassen reichen bei weitem nicht.
Die Nutzung frei zugänglicher, billiger Energie würde die Effizienz und Verbreitung etwa von Elektro-Autos nicht unbedingt verbessern, ich glaube fest an Marktprinzipien wie Knappheit und Wettbewerb.
Der normale Autobesitzer ist aus Gewohnheit unabhängig, weil er bisher überwiegend Vorteile aus dem persönlichen Nahverkehr genossen hat. Parallel dazu ein besseres ÖPNV-System aufzubauen, in dem der PKW nur ein optionales "Modul" ist, halte ich für den schweren Weg. Alle Bemühungen (Herstellung, Versteuerung, Infrastruktur, Bildung, Forschung) sollten in den intelligenten Ausbau des ÖPNV einfließen, dann verzichtet der Autobesitzer aufgrund schlagender Argumente freiwillig aus private Mobilität über fossile Treibstoffe. Der erste Schritt muss m.E. in den Kommunen stattfinden, die konsequent und bundesweit Vorreiter sein müssen und zunächst die Stadtbevölkerung überzeugt, sich aus regenerativen Energien fortzubewegen.
Ein Übergang könnte sein, private PKWs in Car-Sharing-Verbände zu übernehmen, einen Kostenausgleich als Anreiz zu schaffen anstatt Neuanschaffungen zu fördern. Dazu gehören langfristige Ausstiegsszenarien wie bei der Atomkraft, um nicht zuletzt die Industrie zu integrieren und Unternehmenserfolg in Aussicht zu stellen. Irgendjemand muss die neue Infrastruktur schließlich produzieren.
Aus dem Leitartikel lese ich leider eine Entwicklung voraus, die mir nicht behagt: die Schaffung massenhafter Parkplätze für "Umschlagszonen" von privater auf öffentliche Verkehrsmittel, diese werden wie alte Industrieanlagen kostenintensiv sein und irgendwann Altlasten, für die die junge Generation kein Verständnis haben wird.
In der letzten Woche eröffnete in Berlin ein Laden mit dem Namen "Lautlos durch Deutschland" .
Renate Künast sprach ein paar Worte zur Eröffnung. Dabei forderte sie einen Zuschuss zum Kauf für die Batterietransporter. Leider musste sie dazu erwähnen, dass Elektroautos natürlich nur mit erneuerbaren Energien Sinn machen. Bei der früher üblichen Bezeichnung Solarmobil, war das nicht weiter nötig. Der Hinweis tröstete mich - angesichts des auf Geschwindigkeit ausgelegten TESLA - nicht besonders. Der Götze Geschwindigkeit - als Selbstzweck - sollte bei dem Thema nachhaltige Mobilität auf den Prüfstand gestellt werden.
Der nötige Paradigmenwechsel von "Schneller- Weiter- Höher" zu Leicht - Leise - Langsam (Frederik Vester: Ausfahrt Zukunft 1990) ist wohl nun auch bei dem zu "E-MOBIL plus Solar" mutierten Verband BSM Solare Mobilität Vergangenheit.
Leichte und Langsame Fahrzeuge müssen keinen Ballast mit sich führen, um bei Crashs mit hohen Geschwindigkeiten - die angeblich passive Sicherheit - mit ausreichend kinetischer Masse zu gewährleisten.
Die Förderung von schweren und schnellen Elektrofahrzeugen durch finanzielle Zuschüße lehne ich grundsätzlich ab. Wenn eine finanzielle Förderung durch die Bundesregierung geplant ist, sollte sich diese auf die erneuerbare Energieversorgung richten. Eine Messlatte für den Energiebedarf liefern übrigens die Experimentalfahrzeuge der Global Green Challenge (AUS) . Diese sind schon seit 1992 mit hocheffizienten Radnabenmotoren unterwegs. Mit 0,17 ltr. Benzinäquivalent auf 100 km bei einem Transportgewicht von 300 kg.