Im Interview

“Es lohnt sich, an Ideale zu glauben!“


Dieses Interview ist sehr persönlich. Denn jeder Mitarbeiter von Utopia hat ein Exemplar von Dominic Vekens “Ab jetzt Begeisterung. Die Zukunft gehört den Idealisten“ von unserem Vorstand geschenkt bekommen. Der Autor beschreibt nämlich darin das Phänomen, welches zur Gründung von Utopia geführt hat. Und es schmökert sich fast so als wäre es das Begleitbuch zum “Grundseminar über Utopia“. Es zu lesen hat uns im täglichen Trubel wieder den Mut gegeben, auch in turbulenten Zeiten dran zu bleiben – es wirkt ein bisschen wie eine Frischzellenkur. Deswegen haben wir mit dem Philosophen und  Kommunikationsstrategen Dominic Veken gesprochen: über den Wandel, über Idealisten, über den Aufbruch und Utopia. Und wir empfehlen zudem: “Ab jetzt lesen. Dieses Buch!“  

Utopia: In Ihrem Buch "Ab jetzt Begeisterung" behaupten Sie: "Begeisterung ist unsere Chance, unser Leben und die Welt besser zu machen." Und "genau diese Antriebskraft ist es, die Verhältnisse nachhaltig wandeln kann". Das ist gerade für uns Utopisten interessant, vor allem in derart bewegten Zeiten, nur klingt das so einfach? Dominic Veken

Dominic Veken: Einfach ist es sicher nicht. Dennoch haben begeisterte Menschen einen doppelten Vorteil: zum einen, weil sie zu den Idealisten zählen, die zutiefst an das glauben, was sie tun. Daraus ziehen sie eine enorme Antriebskraft. Zum anderen haben sie durch ihren Glauben ein positives Ziel vor sich, das sie stets auf allen Wegen begleitet. Hierdurch können sie auf einen inneren Kompass zurückgreifen, der den Handlungen eine Richtung und dem Leben eine große Gewissheit gibt. Der Preis für diese Gewissheit ist allerdings, dass Idealisten immer  einen steinigeren Weg voller Hindernisse und Widerstände begehen müssen. Doch sehen wir auch anhand der vergangenen Jahrzehnte, dass in einer Gesellschaft, in der niemand den steinigeren Weg einschlägt, der Aufwand besonders groß ist, Breschen zu schlagen und es viel Mühe kostet, den steinigen Weg zu einem geteerten für alle umzuwandeln.

Sie meinen, wir sind heutzutage viel zu bequem für gescheite Begeisterung und den damit verbundenen Idealismus?

D. V.: Wenn Menschen einen Glücksfragebogen ausfüllen sollen, was meinen sie, was die meisten auf einer Skala zwischen der Eins und der Zehn anstreichen würden? Die meisten von uns wünschen sich eine permanente Acht – Neun oder Zehn scheint vermessen, Sechs und darunter möchte man um jeden Preis vermeiden. Diesen Zustand der dauerhaften Zufriedenheit möchten die meisten Menschen immer haben – ich nenne das ein “Wohlfühlnest“. Allerdings ist der Aufwand immens, der betrieben werden muss, um beständig diese Situation bereitzustellen – er kostet uns einen enormen Raubbau an uns selbst und auch an der Umwelt.


Das bedeutet indirekt, dass wir uns Ihrer Meinung nach auch auf Level eins und zwei bewegen sollten?

D. V.:  Ja, ich plädiere eindeutig für eins und zwei – zumindest zeitweise. Jeder Idealist, jeder große Philosoph, jeder großartige Künstler und jeder Mensch mit großen Zielen durchlebt deprimierende, hoffnungslose Phasen auf seinem Weg. Die Geschichte lehrt uns aber, dass diese Phasen notwenig sind, um Großes zu erreichen! Ob sie auf Gandhi schauen, Einstein oder Picasso – das waren alles Menschen, die auf ihrem Weg zwischen tiefer Verzweiflung und beschwingendem Hochgefühl pendelten. Wenn wir wirklich ehrlich sind, müssten wir zugeben: Das Leben ist viel glücklicher und erfüllter, wenn es dieses Pendeln zwischen den Extremen gibt. Glück besteht eben nicht in der Abwesenheit von Unglück. Das ist viel zu wenig.

Sie meinen, das Leben in der Komfortzone führt zu nichts?

D. V.: Bei einem permanenten Leben in der Komfortzone bleibt nichts haften. Menschen, die das fühlen, stürzen sich deshalb in Tätigkeiten wie Bungee Jumping, um wenigstens irgendeine Spannung in ihr Leben zu bringen.

Nur aus der Krise heraus kann also etwas entstehen...

D. V.: Verknappt gesagt ist das so. Die Krise birgt die Chance, etwas schmerzlich zu vermissen und ich bin halt nur begeistert von etwas, was ich vermisse, wonach ich Sehnsucht verspüre. Schon vor der Finanzkrise war doch den meisten bewusst, dass vieles irgendwie falsch läuft. Jedoch erst jetzt wird das für die große Allgemeinheit virulent, weil es uns plötzlich allen ans Geld geht. Es ist schon bemerkenswert, dass für uns erst dann etwas zur “Krise“ wird, wenn es um die Finanzen schlecht bestellt ist. Insgesamt entsteht eine gesellschaftliche Bewegung immer, wenn ein großer gesellschaftlicher Missstand, ein Problem auftaucht und auch als solches erkannt wird. Deshalb versammeln sich Menschen etwa in Ihrem Netzwerk Utopia.

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    JBM
    schrieb am 26.06.2009 um 18:43
    Protest und damit verbundene Abkehr, Aufbau gemeinsamer Ziele und eine gemeinsam durchgeführte Handlungsweise. Damit stimme ich überein. Meiner Meinung nach können wir keinen Schritt in dieser Reihenfolge überspringen. Bislang ist mir der Protest in der Gesellschaft noch nicht laut genug. Für...
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    grüneZukunft
    schrieb am 26.06.2009 um 16:56
    Was Dominic Veken da sagt, kann ich gut verstehen. Ohne Begeisterung bewegt sich nicht viel und aus dem Durchleben einer Krise ensteht oft viel neuer Schwung, der beflügelt. Scheint ein interessantes Buch zu sein. Was ich nicht verstehe, Zitat: "Utopia, für das sich mittlerweile mehr als 45.000...
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