Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Claudia Langer im Live-Chat

"Messbarer Wandel braucht viele Mitmacher"



Moderator: Herzlich willkommen beim heutigen Chat mit Utopia-Gründerin Claudia Langer zum Thema "Alles rund um Utopia". Wir freuen uns auf eine spannende Stunde mit Claudia! Dieser Chat ist moderiert - d.h. Ihre Fragen werden nicht gleich veröffentlicht, sondern zunächst an die Redaktion weitergeleitet. Bitte haben Sie Verständnis, dass nicht alle Fragen in der kurzen Zeit beantwortet werden können, wir versuchen so viele wie möglich zu stellen. Sie können bereits jetzt Ihre Fragen stellen und um 14.00 Uhr geht es los.

Meine Damen und Herren, wir wären dann so weit. Die Computer sind aufgebaut, Claudia ist bereit für Ihre Fragen. Los geht's.
Wir starten mit einer Frage von Silberstreif:


Silberstreif: Welche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Verbände etc. sind für Sie glaubwürdig, Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit voranzubringen?

Claudia Langer: Da gibt es eine ganze Menge: Ich muss ehrlich sein, mit der Politik haben wir uns noch nicht so sehr beschäftigt, da war ich jetzt eine zeitlangesehr, sehr positiv überrascht von Frau Merkel, und ich schätze Renate Künast sehr. Das wollen wir uns aber im nächsten Jahr genauer anschauen. Ich will wissen, wo in der Bundespolitik echte "Changemaker" sitzen, da freuen wir uns auch sehr über Hinweise von Euch! In der Wirtschaft begegnen wir täglich höchst motivierten Leuten, die Dinge vorantreiben wollen. Da geht im Moment richtig was, deswegen ist das auch unser Fokus. Wenn möglichst viele Firmen merken, dass sich das "auf den Weg machen" für sie rentiert, dann werden wir bald große Veränderungen sehen. Für mich ist das ein fast "historischer" Moment, denn wenn ich sehe, wie Firmen, die jahrelang gemauert haben, jetzt die Tür öffnen und sich der Diskussion stellen, dann macht mir das Mut.

Auch in den Instituten haben wir viele Gleichgesinnte und werden nach Leibeskräften unterstütz, allen voran das Öko-Institut in Freiburg, das uns wirklich gut berät und die sehr intensiv daran arbeiten Nachhaltigkeit in die Mitte der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft zu bringen. Aber eben auch viele andere Institutionen, wie das Wuppertal Institut, der VCD, Die Stiftung Warentest, die Verbraucherzentralen, sie alle arbeiten unglaublich kollegial mit uns zusammen, denn wir wissen, wir haben alle das gleiche Ziel. Diese Kollegialität und die offenen Türen haben uns sehr getragen. Danke mal an dieser Stelle.

Enttäuscht bin ich ein wenig von den NGO´s. Wenn man überlegt, was deren Aufgabe ist, nämlich gesellschaftliche Herausforderer zu sein und, wenn man überlegt, welche Mittel sie zur Verfügung haben, dann ist das Ergebnis ihrer Arbeit unterm Strich ernüchternd. An welchen Impuls, an welche Kampagne könnt ihr Euch erinnern, die von einer NGO in den letzten Jahren initiiert wurde? Mir fällt da nicht viel ein. Und das in einer Zeit, in der wir die Impulse so dringend bräuchten.

Maike71: Wie können die Utopia Ideen die breite Masse erreichen und nicht die "üblichen Verdächtigen"? Gibt es dafür Strategien?

Claudia Langer: Dafür brauchen wir ganz stark die Unterstützung der Community...
Wir versuchen auch Themen anzusprechen, die für eine breite Masse von Bedeutung sind, denn echter messbarer Wandel braucht viele "Mitmacher".
Wir können nur alle einladen unsere Ideen in die Breite zu tragen.
Wenn jeder aktive Utopist nur zwei weitere Gleichgesinnte einlädt Utopisten zu werden, dann hätten wir viel geschafft.

Moderator: Dazu passend kommt eine Frage von Kaisurfer:

Kaisurfer: Was passiert, wenn die 100.000 Utopisten erreicht sind? Was können wir dann von Utopia erwarten?

Claudia Langer: Dann sind wir wirklich eine gesellschaftliche Bewegung, die einen repräsentativen Querschnitt darstellt, und hätten noch mehr Gewicht gegenüber Wirtschaft und Politik.
Und dann setzen wir uns ein neues Ziel: nämlich 200.000!

Sabine: Trauen sich wirklich Firmen, sich der Diskussion auf Utopia zu stellen?

Claudia Langer: Das hängt ganz stark von uns ab!!! Wenn wir Dialog wollen, müssen wir dialogfähig sein. Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir eine neue Gesprächskultur finden. Ich glaube ja fest daran, dass wir die nächsten 10 Jahre so effizient wie möglich nützen müssen, um wirklich noch was zu bewegen. Wenn man sich überlegt, wie wenig zeit das ist, dann müssen jetzt alle gesellschaftlichen Kräfte zusammenwirken.

Das hängt ganz stark von uns ab!!! Wenn wir Dialog wollen, müssen wir dialogfähig sein. Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir eine neue Gesprächskultur finden. Ich glaube ja fest daran, dass wir die nächsten 10 Jahre so effizient wie möglich nützen müssen, um wirklich noch was zu bewegen. Wenn man sich überlegt, wie wenig zeit das ist, dann müssen jetzt ale gesellschaftlichen Kräfte zusammenwirken...
Mein Gefühl ist es darum, dass wir aufhören sollten zu polarisieren und die Welt in "gut und böse", "richtig und falsch" einzuteilen und auf Konfrontation zu gehen. So haben es viele NGO´s in den letzten Jahren gemacht und das hat zwar für viel Aufmerksamkeit und Bewusstsein gesorgt, aber ob es immer der lösungsorientierteste Weg war? Das bezweifle ich. Es haben sich einfach zu oft Gräben gebildet und die Türen sind zugegangen.

Wenn wir ernstlich mitgestalten wollen und diese großartige Chance haben wir mit Utopia, dann sollten wir klar und hartnäckig in der Sache sein, aber Unternehmen die Hand reichen, sie zum Dialog einladen und sie mit Vertrauen und Wohlwollen belohnen, wenn sie sich auf den Weg machen. Nur dann werden Sie die viele Zeit, die sie in einen Dialog mit der Community investieren, als lohnend erachten...
Ich muss es ehrlich zugeben: ich finde da ist vieles falsch gelaufen, vor allem mit Unternehmen, die sich das Thema ernsthaft auf die Fahne geschrieben haben und die sich mit viel Elan und viel gutem Willen für uns auf Utopia engagiert haben. Wenn dann eine Diskussion aber persönlich wird oder ein unternehmen nie aus der "Angeklagtenrolle" herauskommt, dann kann man ein Unternehmen verstehen, das sich nicht auf Utopia engagieren will. Und da stehen wir an einer Weggabelung...
Aber: Die Bereitschaft der Unternehmen ist riesengroß! Uns beflügelt das, wenn wir sehen wie ernsthaft und tiefgreifend die Themen in den Unternehmen angegangen werden. Für mich ist Utopia der Ort, an dem wir konstruktiv mitgestalten. Aber Unternehmen manchen das nur, wenn es sich für sie rentiert.

user: Politisches- fundament, Richtung,Wie Frei ist Utopia?!

Claudia Langer: Absolut frei!!!!!!...
Ich glaube das ist unsere große Stärke!

K@rl@Kolumn@: Gehört Utopia zu den Grünen?

Claudia Langer: Überhaupt nicht!
Und ich kann im Moment auch nicht nachvollziehen, wo die Grünen genau hinwollen...
Aber es gibt natürlich inhaltlich immer wieder Berührungspunkte, und auch Sympathien für einzelne handelne Personen. Utopia ist aber ganz und gar überparteilich. wir sprechen mit allen (fast).

Pia Jung: Haben Sie den Eindruck, dass Utopia von der Politik wahr- bzw. ernstgenommen wird?

Claudia Langer: Ja!...
Und je mehr wir werden, desto mehr werden wir ernst genommen. Es wird sehr wohl registriert, dass sich auf Utopia eine ständig wachsende sehr engagierte Gruppe von Meinungsbildnern versammelt...
Und das Interessse ist groß. Wir sind aber sehr vorsichtig, weil wir uns nicht von der Politik vereinnahmen lassen wollen.

Wilhelm: Ich finde online okay, um Netzwerke zu pflegen. Aber müsste nicht viel mehr in die Aktion gehen?

Claudia Langer: Das kann nicht alleine von uns abhängen, denn wir können das nicht leisten.
Meine Hoffnung ist darum, dass sich Aktionen aus der Community heraus ergeben,
und da sind wir ja bereits auf einen guten Weg.

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Stand: 12.10.2008 von

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