Lichtblick im Kreuzfeuer
Die "Financial Times" wirft Lichtblick in ihrem Artikel vor, in den vergangenen Jahren mehrfach an der Leipziger Strombörse Strom zugekauft zu haben. Damit habe das Unternehmen auch Atomstrom an die Kunden verkauft. Lichtblick rechtfertigte die Zukäufe als gängige Praxis, da zusätzlicher Strombedarf, der über den geplanten Strombedarf der Kunden hinausgehe, "nicht 'grün' beschafft werden kann." Der Anteil des von der Börse bezogenen Stroms mache laut Lichtblick lediglich 0,5 Prozent der an die Endkunden abgegebene Energiemenge aus.
Veit Bürger, Energieexperte vom Freiburger Öko-Institut, bezeichnet den Zeitungsartikel aus seiner Sicht als zu hoch gehängt: "Seit der Liberalisierung des Strommarktes können alle Stromanbieter Über- oder Unterkapazitäten auf dem freien Strommarkt ausgleichen." Das sei auch schon lange bekannt. Der Ursprung des Stroms, der an der Börse gehandelt werde, sei aber nicht mehr nachvollziehbar, weshalb man auch vom "Grauen Strommarkt" spreche. Um nicht in die Verlegenheit zu kommen, kurzfristig Strom von diesem Markt zu beziehen, müssen die Stromanbieter weit mehr einkaufen, als sie prognostizieren." Das aber sei finanziell nicht ohne Risiko, da Überkapazitäten nur zum jeweiligen Tagespreis an der Börse verkauft werden können.
"Wir planen immer mit Überkapazitäten, um nicht auf den Grauen Markt angewiesen zu sein", sagt dagegen Oliver Hummel von Naturstrom. Unabhängig davon, dass er die Lichtblick-Praxis nicht gutheißt, ärgert er sich über den Zeitungsartikel und den Presserummel, den er ausgelöst hat. "Zum einen frage ich mich, warum das Thema, das seit zehn Jahren bekannt ist, jetzt auf einmal als brandaktuell hochgekocht wird, zum anderen ärgert es mich, dass die Ökostrombranche wieder mal einen Imageverlust erleiden wird, der nicht gerechtfertigt ist." Viele verunsicherte Naturstrom-Kunden hätten bereits beruhigt werden müssen.
Greenpeace Energy und EWS weisen die Behauptung von Lichtblick zurück, die Lieferung von Graustrom als Ökostrom sei unter den Ökostromanbietern gemeinhin akzeptiert. "Wir kaufen keinen Strom an der Börse", betont Robert Werner, Vorstandsmitglied von Greenpeace Energy. "Unser Ökostrom stammt ausschließlich aus sauberen Kraftwerken, die in Lieferverträgen exakt als solche definiert sind." Als einziger Anbieter veröffentlicht Greenpeace Energy von Anfang an sämtliche Lieferkraftwerke im Internet.
Und Lichtblick selber? Unternehmenssprecher Gero Lücking zeigte zwar Verständnis für die Angst der Mitbewerber vor einem Imageschaden der Ökostrombranche, sieht die Schuld aber nicht bei Lichtblick, sondern bei der aus seiner Sicht gesteuerten Berichterstattung in den Medien. Alle Ökostrom-Anbieter müssten Versorgungslücken durch mehr oder weniger große Mengen Graustrom ausgleichen: "Was auch immer von anderer Seite behauptet wird: 100 Prozent grünen Strom gibt es bislang nicht." Diese Diskussion müssten auch die Ökostrom-Mitbewerber ehrlicher führen.
Ein erstes Fazit: Ein zertifizierter Ökostrom-Anbieter wie Lichtblick sollte schon aus Rücksicht auf die gesamte Branche einen Zukauf an der Leipziger Strombörse nicht als "gängige Praxis" bezeichnen. Im Umkehrschluss empfehlen wir: Es gibt noch andere Ökostromanbieter wie Naturstrom, Greenpeace Energy und EWS. Für alle drei Anbieter ist der Zukauf an der Börse nach eigenen Angaben tabu.
Der Kommentar: Ist Lichtblick böse?
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Kommentare (9)
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Gwyddionne
schrieb am 13.06.2008 um 14:53 ¶phlo
schrieb am 12.06.2008 um 22:33 ¶Kommentar schreiben
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