Utopia: Sie haben ein hochaktuelles Buch geschrieben: „Let´s make money – Was macht die Bank mit unserem Geld?“. Eine Frage, die sich heute viele stellen … worum geht´s?Caspar Dohmen: Der Filmemacher Erwin Wagenhofer verfolgt in seinem Film die Spur unseres Geldes. Er zeigt spanische Bauarbeiter, afrikanische Bauern oder indische Arbeiter. Wir sehen einen österreichischen Industriellen, der unter anderem mit Geldern von Pensionsfonds Fabriken in Indien baut. Der Film wirkt vor allem durch die Bilder und die involvierten Menschen, er schockiert und ist sehr klar in seiner Aussage. Geld kann nicht arbeiten. Arbeiten können immer nur Menschen, Tiere oder Maschinen. Aber bei einem so komplexen Thema wie dem Finanzsystem gibt es einen Bedarf, die Gesamtzusammenhänge zu erklären. So setzt das Buch früher und grundsätzlicher an und zeigt auch Handlungsalternativen auf - während der Film den Status Quo beschreibt.
So nehme ich in dem Buch die Spur des Geldes wieder auf und erzähle die Geschichte des Geldes und seiner Verwandlungen. Dabei will ich hinter die Kulisse der traumhaften Prospektwelt von Banken,

Versicherern oder Investmentfonds schauen, die immer sehr viel versprechen. Die Frage ist, welche ihrer Versprechungen auch wirklich gehalten werden.
Über Jahre haben sich die Menschen an der Rendite orientiert, eventuell auch ein bisschen an der Sicherheit, wenn es um Bankprodukte ging. Fast niemand wusste aber, was mit dem Geld passiert. Es muss nämlich grundsätzlich arbeiten: Selbst für die Rendite auf meinem normalen Girokonto hat jemand eine Leistung zu erbringen. Meine Sparkasse, Genossenschaftsbank oder private Bank verleihen das Geld an ein Unternehmen oder eine Person, die diese Rendite erwirtschaften. Das ist uns Verbrauchern überhaupt nicht klar. Dabei geht es nicht nur um das Girokonto, sondern auch um Lebensversicherungen oder Investmentfonds, die alle Transmissionsriemen sind. Sie schaufeln das Geld der Anleger in Bereiche, wo die Renditen erwirtschaftet werden. Das ist alles sehr undurchsichtig, mir geht es vor allem darum, diese grundsätzlichen Systemzusammenhänge klar zu machen.
Sie zeichnen die ursprüngliche Krise am amerikanischen Immobilienmarkt nach und schreiben von „finanziellen Massenvernichtungsmitteln“. Wie konnte eine regionale Hypotheken-Krise zum weltweiten Finanzdesaster werden?Das war ein ganz phantastischer Zaubertrick, den sich amerikanische Banken überlegt haben. Sie haben Hypotheken auf ganz normalen Häusern zusammengepackt, verbrieft und weltweit verkauft. Das hatte für die Banken den Vorteil, dass sie diese Kredite nicht mehr in den eigenen Büchern hatten. Die Verpackung war nur so vielfältig, und die Pakete mit den Hypotheken wurden so stark auf der Welt verstreut, dass kein Mensch am Ende mehr wusste, wer eigentlich welche Risiken hatte. Selbst eine Bank wie die Sachsen LB aus der deutschen Provinz konnte zusammenbrechen, als diese Kreditblase geplatzt ist.
Was hat die Kreditblase zum Platzen gebracht?In Amerika sind viele Kredite in einem Umfang an Menschen vergeben worden, den sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Anders als in Deutschland sind zum Beispiel Häuser mit bis zu 110 Prozent beliehen worden. Das wäre hier gar nicht möglich. Und anders als in Deutschland gibt es in Amerika in den meisten Fällen auch keinen festen Zinssatz für Immobilienkredite. Als diese Kredite teurer wurden, konnten sich das die einkommensschwachen Kreditnehmer nicht mehr leisten. Die Häuser sind in die Zwangsversteigerung gegangen, was dazu geführt hat, dass die Kreditpakete nichts mehr wert waren. Das hat die ursprünglich erste Welle der Finanzkrise ausgelöst. Später kam die Vertrauenskrise der Banken hinzu, sie leihen sich kaum noch untereinander Geld. Deswegen ging Lehmann Brothers Pleite.
Kommentare (5)
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hexandthecity
schrieb am 30.03.2011 um 01:14 ¶Uwe-Sievers
schrieb am 19.08.2010 um 14:12 ¶Kommentar schreiben
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