Leitfaden für Konsum-Strategen (4)

Wie wollen wir essen?


Von Peter Unfried

Barack Obama war sehr gut beraten, als er für seine Bewerbung um die US-amerikanische Präsidentschaft die programmatische Formel "Yes, we can" gewählt hat. Und eben nicht "Yes, we  must". Müssen ist ein Zwang. Aus dem Müssen ragt der alte Öko-Zeigefinger heraus und das ist das letzte, was viele Leute motivieren könnte. Damit ist keine gesellschaftliche Bewegung zu schaffen und in vielen Fällen auch keine individuelle. Wir wollen nicht müssen, wir wollen können oder wir wollen wollen.

Das heißt nicht, dass Vorschriften und Verbote nicht angebracht wären. Es ist letztlich Sache der Politik - und damit nun auch von Präsident Obama - die entscheidenden Veränderungen für eine postkarbone Welt  durch Gesetze und Verbote anzugehen. Das muss aber aus der Gesellschaft heraus legitierbar sein. Wie grundlegend könnte man in dieser Sekunde unsere Ernährungsweise legislativ verändern, die ja auch eine Kultur des Genusses und eine Gewohnheit ist?

Der britische Wissenschaftler und Bestseller-Autor James Lovelock ("The Vanishing Face of Gaia") sieht schwarz für die Menschheit. Er glaubt, dass die globalen Emissionsreduktionsanstrengungen zu spät kommen und viel zu wenig radikal seien, um etwas bewirken zu können. Wirksam im Hinblick auf relevante CO2-Vermeidung wäre für ihn in Sachen Ernährung nur eines: Wenn "wichtige Regierungen" das Essen von Tieren verböten. Sofort.

Unvorstellbar? Was würde aus dem Rinderland Argentinien, was würde aus Texas, was würde aus meinem Schwiegervater, der Metzger ist? Was würde aus meinem rituellen Schnitzelabend in meinem Lieblingslokal?

Die Antwort ist: Wir alle müssten uns umstellen. Die Einen bräuchten eine neue Erwerbsgrundlage, ich müsste den Weg zu einer neuen Ernährungs- und Genusskultur beschleunigen. Aber es gibt dieses Verbot nicht, und das ist unter Demokratiegesichtspunkten auch gut. Es gibt uns Gelegenheit, zunächst eine individuelle und gesellschaftliche Bestandsaufnahme zu machen, eine  persönliche Veränderung der Ernährung voranzutreiben und dafür gesellschaftliche Allianzen und politische Repräsentation zu finden.

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    kahalla
    schrieb am 09.12.2010 um 00:27
    Ich, als gewohnheitsmäßiger Fleischfresser habe im Herbst ein Seminar in Siebenlinden (Ökodorf in Sachsen -Anhalt) gemacht und auch ohne Ersatzprodukte das vegetarische bis vegane Essen sehr genossen. Ich will Tofu nicht verteufeln, aber das Wort Ersatz bedeutet, dass ernährungstechnisch etwas...
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    panda_mo.di
    schrieb am 10.11.2010 um 22:59
    Also wenn ich überhaupt Fleisch essen würde, dann würde ich lieber das von einem glücklicheren Rind von weit her kaufen, als von einem, das in der Nähe unglücklicher war. Was die Verbote angeht, sind mir solche auch sehr unsympathisch. Andererseits wenn so viel Zerstörung angerichtet wird, weil...
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