Läuft der Wagen? Der Auspuff qualmt nicht, man hört nichts, und zu spüren ist auch nichts. Der Verstand sagt Nein, der Motor ist aus. Doch ein Blick auf die Instrumententafel schafft Klarheit. Die zeigt 100 Prozent an, 100 Prozent verfügbare Leistung für einen 87 PS starken Elektromotor. Doch noch ist er aus.
Das Drehen des Zündschlüssels ist trotzdem überflüssig. Der „Motor“, der die Energie liefert, arbeitet bereits. Verwirrt? Müssen sie nicht sein, auch wenn es sich hierbei um die Zukunft handelt, oder besser: handeln könnte. Der beschriebene Wagen ist ein Zukunftsmodell, angetrieben mit der Energie, die eine Brennstoffzelle spendet, also Strom.
Dass Brennstoffzellenautos auf die Straßen kommen werden, wurde zwar schon oft angekündigt, doch angesichts der überschätzten Technik und Kosten, korrigierten die Hersteller ihre Prognosen mindestens ins Jahr 2020. Ob das auch so kommen wird, wird sich zeigen. Tatsache ist jedoch, dass fast alle Automobilhersteller an der Technologie arbeiten, weltweit viele hundert Fahrzeuge durch die Gegend schnurren.
Daimler ist ein eifriger Konzern, wenn es um den Antrieb von Elektrofahrzeugen mit der Energie aus Brennstoffzellen geht. 60 Modelle des Typs A-Klasse haben die Schwaben in millionenteure Forschungsfahrzeuge verwandelt. Und die fahren, natürlich zu Forschungszwecken, auf der ganzen Welt. Die größte Flotte ist in Kalifornien, einem der wichtigsten Märkte für emissionsarme Fahrzeuge, zuhause. Weitere Autos fahren auf japanischen und natürlich deutschen Straßen.
Von außen sind die A-Klassen von gewöhnlichen Diesel- oder Benzin-Fahrzeugen nicht zu unterscheiden. Wenn man einsteigt, weiß man nicht ob der Motor, oder besser gesagt, die Brennstoffzelle, bereits läuft. Doch wie wir wissen, genügt ja ein Blick aufs Display.
Im nahezu unveränderten Sandwichboden stecken die Brennstoffzelle, die Akkus, die Leistungselektronik sowie die Drucktanks mit dem Wasserstoff. Im Falle der Zelle setzt Daimler auf ein Modul des kanadischen Herstellers Ballard. Die PEM-Brennstoffzelle (Protonen-Austausch-Membran) liefert 72 Kilowatt elektrische Leistung. Ihren Wasserstoff bezieht sie aus zwei einzelnen Drucktanks, die mit maximal je 350 bar gefüllt sind. Das entspricht einer Reichweite von 160 Kilometern. „Zu wenig“, sagen Kritiker. Vergleichbare Modelle der Konkurrenz haben ähnliche Werte. In Sachen Beschleunigung kann der Kleinwagen aber durchaus mit Benzinern konkurrieren: 16 Sekunden von null auf hundert.
Die Brennstoffzelle liefert ihre Energie direkt an den 65 Kilowatt starken Elektromotor. Nur wenn der Fahrer stark beschleunigt, hilft die Nickel-Metallhydrid-Batterie mit zusätzlichen Stromstärken aus. Die Vorteile eines Elektroantriebs liegen auf der Hand. Minimale Geräuschentwicklung, volles Drehmoment ab der ersten Umdrehung und Null Emissionen – zumindest während der Fahrt.
Denn noch wird der Wasserstoff aus fossilen Quellen wie Erdgas gewonnen, daher ist es die Treibstoffgewinnung, die der Umwelt schadet, nicht das Fahren. Wie das in Zukunft aussehen soll, ist noch offen. Solar- oder Windparks, mit deren Strom Elektrolyse-Anlagen betrieben werden, könnten eine mögliche Lösung sein.
Autos ohne Verbrennungsmotor


Kommentare (12)
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Deshalb ist es mir schleierhaft, wie wenig man von radikal anderen Konzepten liest oder hört. Die Alternativen zum Individualverkehr, wie wir ihn heute kennen, schlummern allenfalls in den Schubladen - aus denen sollten sie schleunigst herausgezogen werden, denn auch sie brauchen Entwicklungszeit. Ansonsten werden die Autokonzerne ganz schnell von den globalen Veränderungen überholt.
Ich bin auf jeden Fall für eine Energiewende aber Wasserstoffautos sind der falsche Weg. In naher Zukunft werden sich eher Hybridantriebe mit Bremsenergienutzung und Leichtfahrzeuge durchsetzen. Statt Wasserstoff könnten auch Akkus oder Supercaps als Energiespeicher eingesetzt werden. Egal auf welchen Energieträger man setzt, Fahrzeuge müssen sparsamer werden.
Wer wissen will wieso Wasserstoff keine Lösung ist, ließt "Meine Welt" oder folgendes Buch:
Der Wasserstoffboom - Wunsch und Wirklichkeit beim Wettlauf um den Klimaschutz
Romm, Joseph J.; 2006; Wiley VCH
Auch der Wirkungsgrad eines E-Motors ist konkurrenzlos. Mit einer Brennstoffzelle als Energielieferant wird dieser Vorteil jedoch wieder vernichtet. Akkus sind wesentlich effizienter und lassen sich zudem beim Bremsen aufladen - Brennstoffzellen nicht.
Ein käufliches Produkt gibt es auch schon. Schaut mal die Daten an: http://www.teslamotors.com/efficiency/well_to_wheel.php
Auch interessant: http://www.projectbetterplace.com/
Für den Normaluser die Übergangslösung: http://www.popularmechanics.com/automotive/new_cars/4227944.html
Als Energietechniker muss ich mich fragen... woher der wasserstof? Wollen wir mit der teuren grünen Strom zu erst wasserstoff erzeugen und dann fahren, oder lieber gleich fahren? (Wirkungsgrad Strom-Akku-Strom ist viel höher als Strom-Wasserstoff-Verflüssigung/Verdichtung-Tanken-Strom(über BZS)).
Danke für den Artikel und die Diskussion.
tom
Uns stehen nur wenige wirklich erneuerbare Energiequelen zur Verfügung. Bio - mit Nahrungsproduktion konkurrierend - muss absolut abgelehnt werden. Preise steigen, Menschen verhungern, Tropenwälder werden abgerodet usw. Die Subventionierung schickt Unsummen in der Falschen Richtung, Geld für Forschung in zukunftsträchtigen Bereichen fehlt.
Übrig bleiben fastnur: Sonne, Wind, die Gezeiten. Die ERFASSUNG der Energie aus diesen Quellen ist kein Kunst mehr.
Tanken ? Wer kauft sich ein Auto, welches alle <200 km tanken muss, was 10 bis 120 Minuten dauert ? Wie würden die Tankstellen aussehen, wie lange die Schlangen - besonders auf der Urlaubsreise ?.
Das ist doch immer noch der Liebling der Oelindustrie und daher gefoerdert - oder sehe ich das falsch?
Aber wo sollen die an mir Geld verdienen wenn ich mein Elektroauto zuhause in meine Solarpanels stecken wuerde? Da liegt doch der wirkliche Grund wieder: Mit meinem Solarstrom koennen sie dann nicht an mir alle 160km profitieren (mit der km Zahl komme ich nicht mal nach Brisbane und zurueck!).
Altöl aus den Pommesbuden seiner Umgebung holt er sich gratis (die Budenbetreiber freuen sich, das Zeug gratis loszuwerden, statt als Sondermüll zu entsorgen); für mich selbst habe ich errechnet, dass sich der Umbau (www.pflanzenoeltechnik.de) und die Filteranlage (www.poelershop.de) schon nach eineinhalb Jahren "rechnet" (verbrauch im Schnitt 120 Liter Diesel pro Monat).
Der Umbau dauert maximal 8 Werktage, nicht bis 2020 :-)
Abgesehen von den Autos ist auch die Frage, wie denn in Zukunft die Wohnungen geheizt werden sollen. Auch da könnte Wasserstoff meiner Meinung nach zum Einsatz kommen, in Verbindung mit einer BSZ wäre das dann eine kleine Allzweckenergiezentrale.
Doch die Technik ist doch schon längst vorhanden. Bereits 1996, das ist jetzt 12 Jahre her, hat General Motors den EV 1 herausgebracht. (Wegen einem Umweltgesetz, das später wieder gekippt wurde und damit auch das Auto wieder vom Markt genommen wurde.)
Dieses Elektroauto fuhr 80 Mph, hatte eine ausreichende Reichweite, obwohl es bereits zu dieser Zeit noch mit relativ schwachen Batterien ausgestattet wurde. (Hierzu: Dokumentarfilm: "Who killed the electric car" ). GM hat dieses Fahrzeug wieder einstampfen lassen. Dieser fuhr noch mit NiMH-Akkus heute sind Li-Ionen Standard .
Ich bin kein Autospezialist, aber von Strom verstehe ich was. Und da sehe ich bahnbrechende Rekorde bei der Energiedichte bei Akkus, schon seit langem. Eigentlich könnte man längst mit gespeichertem Strom fahren, da bin ich sicher. Auch die Infrastruktur wäre leicht zu bewerkstelligen - z.B. nicht laden, sondern standardisierte Batterien austauschen. Vielleicht wird hieraus ja endlich was: www.think.no Übrigens auch ein aufgegebenes Projekt: von Ford.
"Richtige" innovative Elektroautos haben übrigens nicht nur einen Motor "unter der Haube" sondern in jedem Rad einen. Die beschriebene A-Klasse ist da eher so ein Zwischenschritt.
Übrigens: auch Daimler forscht inzwischen in Richtung Akku-Elektro-Antrieb.