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Fukushima

Lebensmittel aus Japan: das letzte Sushi?


Aktuell keine Gefahr

Aus Japan kommen vor allem Würzsoßen, Wein, Tee und Mate, Backwaren, aber auch Fisch, Algen, Ingwer und Reis. Laut Verbraucherministerium importiert Deutschland allerdings kaum Lebensmittel aus Japan. Der Fischimport betrug 2010 nur circa 60 Tonnen, von insgesamt 913.000 Tonnen. Waren aus Japan machen lediglich 0,1 Prozent der deutschen Nahrungsmittelimporte aus. Momentan kann man zudem noch davon ausgehen, dass sich Vor-Fukushima-Produkte in den Supermarkt-Regalen befinden. Wie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit mitteilte, wird es aufgrund der langen Transportwege erst in etwa zwei bis sechs Monaten eventuell dazu kommen, dass kontaminierte Lebensmittel bei uns ankommen. Wie die Bundesregierung am Freitag mitteilte, gibt es noch keine Einschränkungen für die Einfuhr von Lebensmitteln aus Japan. Sollte sich die Lage in Japan weiter verschärfen (man muss sich fragen wie viel weiter? Anmerkung d. Redaktion), greift ein EU-weit festgelegter Krisenmechanismus. Eine gemeinsame Verordnung der EU-Staaten soll sicherstellen, dass  im Fall einer Radiologischen Notfallsituation nur Erzeugnisse in die Gemeinschaft gelangen, die unterhalb der festgelegten Grenzwerte liegen. (Nachtrag 29.03.2011: Lesen Sie zur neuesten Entwicklung Skandal: EU erlaubt Einfuhr radioaktiv belasteter Lebensmittel aus Japan)

Vorsorgemaßnahmen

Standardmäßig werden Waren dagegen nur stichprobenartig vom deutschen Zoll auf Radioaktivität überprüft. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner teilte der Rheinischen Post gegenüber mit, dass die einzelnen Bundesländer aufgrund einer Empfehlung der Europäischen Kommission nun darum gebeten wurden, Lebensmittel aus Japan, insbesondere Fisch, ab sofort auf Strahlenbelastung zu prüfen. „Solange zu befürchten ist, dass aus japanischen Reaktoren Radioaktivität austritt und Lebensmittel betroffen sein könnten, werden die Kontrollen vorsorglich aufrechterhalten. Sollten angrenzende Staaten von den Auswirkungen betroffen sein, werden wir dies in Deutschland bei den Kontrollen von importierten Gütern natürlich berücksichtigen“, so Aigner.
Auch die Firma Arche Naturküche in Hilden ließ am Freitag in einer Pressemitteilung verlauten, die Produkte weiterer Lieferungen aus Japan ließe die Firma „planvoll auf Radioaktivität analysieren", Preiserhöhungen seien aufgrund des zusätzlichen Aufwandes jedoch unumgänglich. Der aktuelle Lagerbestand und die nächsten zwei Containerlieferungen hätten Japan jedoch ohnehin vor dem Erdbeben verlassen.

Das eigentliche Problem

Letzten Endes setzen wir uns allerdings mit einem Luxusproblem auseinander. Denn wer wirklich auf japanische Lebensmittel angewiesen ist, sind die Japaner selbst. Im Großraum Tokio werden laut berichten des Konzerns Metro Obst, Gemüse und Tiefkühlkost in den Regalen mittlerweile knapp. Andere Produkte wie Reis, Milch, Wasser, Brot und Fertiggerichte sollen sogar praktisch ausverkauft sein. Was jetzt in der Region produziert wird, ist aber offensichtlich verseucht.

Die Katastrophe könnte daher zum Anlass für einen regeren Export nach Japan werden, denn Deutschlands Ernährungsindustrie bietet Japan Hilfe bei der Versorgung an. Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) sagte im Gespräch mit der Welt: „Wir könnten bei Engpässen jederzeit einspringen und Nahrungsmittel liefern". Dafür müssten nur die strengen Einfuhrkontrollen Japans gelockert werden.

Eine Win-Win-Situation sollte man meinen. Was läge also näher, als jetzt deutsche Lebensmittel nach Japan zu bringen? – Naja, chinesische Lebensmittel vielleicht.

 

 

Wichtiger Hinweis zum Thema Jod:

Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt vor unnötiger Einnahme von Jodtabletten.

„Es gibt keinen Grund für die Menschen in Deutschland, Jodtabletten zu sich zu nehmen. Die Einnahme von Jodtabletten kommt nur als Notfallmaßnahme für Menschen in direkter Umgebung eines akut bedrohten Kernkraftwerks in Frage. Für Deutschland sind entsprechende Strahlenbelastungen durch radioaktives Jod, die die Einnahme von Jodtabletten rechtfertigen würden, infolge der Entwicklungen in Japan nicht zu befürchten. Die unnötige Einnahme von Jodtabletten kann sogar gesundheitsschädigende Wirkungen haben. Daher rät das Bundesamt für Strahlenschutz vor einer übereilten Einnahme von Jod-Tabletten auf eigene Faust ausdrücklich ab.“

Quellen: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Bundesregierung, Bundesamt für Strahlenschutz, Welt Online

Stand: 21.03.2011 von

Kommentare (4)   abonnieren

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    schrieb am 22.03.2011 um 11:43
    Na, da wird sich aber die deutsche Nahrungsmittelindustrie freuen, ein neuer Markt öffnet sich!
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    schrieb am 22.03.2011 um 15:35
    In bezug auf kontaminierte Fischbestände sind darüber hinaus dann auch andere Pazifische Inselstaaten betroffen. Davon redet niemand, von den Auswirkungen auf das marine Ökosystem mal ganz abgesehen.
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    schrieb am 28.03.2011 um 09:35
    Warum sollte ich denn Jodtabletten zu mir nehmen, wenn ich den selben Effekt mit Deutschen Meeresalgen erreiche. Meeresalgen haben genügend Jod und Algenwurst ist ein Deutsches Produkt und es werden nur Meeresalgen aus Deutschland verwendet.
    Wenn ich also Algenprodukte aus Deutschland zu mir nehme bin ich doch ausreichend versorgt.
    Zumal die Schilddrüse nicht nur Jod, sondern auch Seelen benötigt, ohne Seelen kann die Schilddrüse mit Jod überhaupt nichts anfangen.
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    schrieb am 03.04.2011 um 17:23
    Luxusproblem ist das richtige Wort - niemand in Europa braucht japanische Lebensmittel, die teuer um den halben Globus transportiert werden müssen.
    Dass es Mitbürger geben soll, die jetzt Jodtabletten oder Algen essen, weil sie Angst vor radioktivem Jod in Japan haben, zeigt ihre Unwissenheit - wenn es denn überhaupt stimmt, ich kenne niemanden, der so etwas in Betracht zieht.
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