Kosmetik mit Mineralölzusätzen
Tägliche Ölkatastrophe im Bad
Von Peter Mangold
Jeder von uns kann die Folgen von Mineralöl in der Natur an den schrecklichen Bildern im Fernsehen oder in der Presse beobachten. Wer von uns hat die Helfer nicht schon bewundert, die mühselig den stinkenden Ölbrei entfernen? Menschen, die versuchen, der Natur wieder eine Überlebenschance zu geben? Im Golf von Mexiko ist am 22. April die Bohrinsel "Deepwater Horizon" nach einer Explosion gesunken. Seither strömen große Mengen Rohöl aus mehreren Lecks. Das Öl droht, das ökologisch hochsensible Mississippi-Delta nachhaltig zu beschädigen. Wäre nicht der einzig richtige Weg der, unseren Konsum von Mineralöl auf direktem wie indirektem Wege auf ein Minimum zu reduzieren?
Stichwort: Kosmetik
Weltweit werden jedes Jahr 50.000 Tonnen Mineralöl-Produkte für die Kosmetik-Industrie hergestellt. Das entspricht der Größe eines respektablen Öl-Tankers. Mit diesen Mineralöl-Tonnen cremen und pflegen sich weltweit Millionen Menschen. Da die menschliche Haut jedoch nicht die Fähigkeit hat, Mineralöle abzubauen oder umzuwandeln, wandern diese Mengen beim nächsten Waschen, Duschen oder Baden direkt im Abfluß – 50.000 Tonnen jedes Jahr - allein durch Kosmetikprodukte. Dabei können wir überall lesen, dass ein Tropfen Mineralöl eine Million Tropfen Wasser verunreinigt. Also ein Liter Mineralöl verunreinigt eine Million Liter Wasser - das sind tausend Kubikmeter. Nun kommt die erschreckende Zahl: 50.000 Tonnen Mineralöl allein in der Kosmetik verunreinigen weltweit 50.000.000.000 Kubikmeter Wasser, entsprechend 50 Kubikkilometer Wasser... Ist das nicht die tägliche Tankerkatastrophe im Badezimmer? Wäre nicht allein diese erschreckende Zahl Grund genug, daß wir alle endgültig auf Mineralöle in der Pflege verzichten?
Für Mineralöl in der Kosmetik spricht allein der (billige) Preis: Paraffinöl ist ein äußerst preiswerter Rohstoff. Da es weder Vitamine, noch Spurenelemente, essentielle Fettsäuren oder Nährstoffe enthält, ist es über Jahre hinweg lagerbar. Es ist leicht in Rezepturen einzuarbeiten und ermöglicht so eine extrem preiswerte Massenproduktion. Das bedeutet aber nicht, dass Paraffinöl-haltige Kosmetik billiger ist, es gibt sehr viele teuere und namhafte Produkte die Mineralöl oder Paraffinöl enthalten.
Pflanzenöle sind dagegen biologisch, sie reagieren mit Licht, Luft und Wärme und sind hochwertige Nährstoffe für Keime und daher auch biologisch abbaubar. In Hautpflegeprodukten, als Creme (Emulsion von Wasser in Öl) haben sie eine dem Hauttalg ähnliche Zusammensetzung, sind daher hautverträglich und schonend für Mensch und Umwelt.
Über Paraffin als Inhaltsstoff in Produkten finden Verbraucher zum Beispiel Folgendes auf Verpackungen zu lesen:
"Paraffin (Paraffinum Liquidum und Petrolatum) ist eines der besten Öle, das in Hautpflegemitteln verwendet werden kann. In unseren Produkten wird allerfeinstes, zertifiziertes „Weißes Mineralöl“ verwendet, das ansonsten nur in medizinischen Salben und Babyölen Verwendung findet. Diese Öle sind teurer als Pflanzenöle."
Klarstellung: Paraffin ist kein Öl, sondern ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen unterschiedlicher Kettenlänge, daher gibt es flüssige (kurzkettigere) und feste (langkettigere) Formen. Echte Öle wie etwa Pflanzenöle sind Triglyceride, das bedeutet natürliche Verbindungen von Glycerin mit Fettsäuren, die von Pflanzen mittels Photosynthese hergestellt werden.
Paraffin wird wie Benzin, Diesel und Heizöl durch Destillation (hoher Energieaufwand) aus Erdöl gewonnen. Sowohl Erdöl-Gewinnung, als auch Transport (Pipelines, Riesentanker), Raffineriebetrieb und nachfolgende Verteilung der verschiedenen Produkte (meist durch fahrende Tankzüge) gefährden Natur und Umwelt extrem. Als Energieträger führt es bei der Verbrennung zu ungeheuren CO2-Mengen auf der Erde.
Paraffin bildet einen Film auf der Haut und behindert die natürlichen Regulationsmechanismen, außerdem kann es sich in Leber, Niere, Lymphe und in Dampfform auch in der Lunge anreichern. Daher ist die Anwendung in medizinischen Salben und vor allem als Babyöl äußerst bedenklich.


Kommentare (24)
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Catlicita
schrieb am 14.08.2010 um 15:17 ¶inaktiver User 65239
schrieb am 02.06.2010 um 16:58 ¶Kommentar schreiben
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