Geld und Umwelt - die Kolumne von Thomas Jorberg

Sind wir alle geizig und gierig?


„Geiz ist geil“, „Sie schlafen, während Ihr Geld Zinsen verdient“ und ähnliche markige Slogans – Werbung und Marketing sind heutzutage spezialisiert darauf, im Menschen gezielt einzelne, zum Teil extreme Bedürfnisse isoliert anzusprechen. Dem liegt die Ansicht zugrunde, der Mensch reagiere im Wesentlichen nur auf Reize und möchte von allem isoliert das Meiste haben. Aber sind wir Menschen so? Sind wir alle geizig und gierig? Ja, in jedem steckt wohl zumindest die Veranlagung zu Geiz und Gier.
 
Einer zunehmenden Anzahl der Bevölkerung wird allerdings bewusst, dass die reizgesteuerte Maximierung der Bedürfnisse nach dem schnellsten Auto und einer gesunden Luft, den geringsten Baukosten und Mieten sowie einem zukunftsfähigen Klima, dem Billigschnitzel und dem Tierschutz, dem Ein-Euro-T-Shirt und einem menschenwürdigen Aufwachsen von Kindern in Drittweltländern widersprüchlich ist. Immer mehr Menschen bemerken ihre Bedürfnisschizophrenie und wollen die in sich selbst damit erzeugten Widersprüche überwinden. Unsere Bedürfnisse sind dabei, sich zu wandeln und sie werden ganzheitlicher. Und Unternehmen sowie Banken werden sich darauf einzustellen haben.
 

Gesellschaft hat „Bewusstseinsmauer“ gezogen

Es ist bequem, sich in einer hoch komplexen und differenzierten Welt nur auf einzelne Bedürfnisse zu konzentrieren. So empfiehlt der Autoverkäufer eine Klimaanlage, um die Temperatur im Inneren des Autos möglichst angenehm einstellen zu können – vernachlässigt dabei aber das Klima außerhalb des Fahrzeugs. Wir tun, als ob wir einzelne Bedürfnisse abstrakt und isoliert betrachten könnten, als gäbe es keine Interdependenzen. Es funktioniert zwar, gezielt einzelne Reize anzuregen, aber dieses Vorgehen bringt Kollateralschäden. Das gilt für den Auto- genauso wie für den Finanzmarkt.

Nur so ist zu erklären, dass die meisten Banken ausschließlich mit der Höhe ihrer Zinsen werben und von ihren Kunden auch nur danach bewertet werden. Ein solcher Kunde darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn er von seiner Bank provisionsgetrieben bedient wird. Das reine Streben nach dem höchsten Zins, egal wie und womit dieser erzielt wurde, hat in der Vergangenheit zu den größten Verlusten geführt.

Ich habe glücklicherweise noch niemanden getroffen, der sich im Leben einzig und allein für den Zinssatz interessiert. Neben einer intakten Umwelt haben Menschen elementare Grundbedürfnisse – etwa nach gesundem Essen, guter Bildung und der für sie passenden Wohnform. Dem steht jedoch entgegen, dass die Gesellschaft in der Vergangenheit eine „Bewusstseinsmauer“ gezogen hat. Diese steht zwischen dem Bedürfnis nach dem höchsten Zins und dem Bedürfnis, eine sozialere und umweltbewusstere Gesellschaft zu gestalten. Diese Bedürfnisse stehen aber weder allein noch sind sie in sich gegensätzlich.

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    SILKY
    schrieb am 08.02.2011 um 07:56
    man kann ja auch in dienstleitung investieren ,das schadet dem nachhaltigkeitsprinzip dann nicht.
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    Der Wisch
    schrieb am 08.02.2011 um 01:42
    Also ich glaube,daß es in der Natur genauso Anzeichen für uneigennützes Verhalten gibt. Beides ist richtig.Wir sammeln alle gern Argumente,die unsere Thesen untermauern und lassen die entgegen gesetzten Argumente weg.Eine Biene verteidigt ihren Bienenstock mit ihrem Leben.Ein Rabe oder ein...
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