Stromsparberater scheint mir dagegen ein harter Job. Stromsparen im Haushalt war das Thema des Abends bei der Umweltakademie. Wie, womit, wie viel? Der Münchner Stromsparexperte Norbert Endres zeigte das ganze Programm: von Stand-by über die alten Gefriertruhen bis zu den Sparleuchten. Ich frage mich dann immer: ist das nicht alles längst bekannt? Gibt es wirklich noch jemand, der keine Steckerleiste hat? Ja, anscheinend schon. Der Trend im Privathaushalt geht ja sogar zum Mehrverbrauch, was mich nicht wundert.
Schwer im Kommen ist beispielsweise der noch breitere, noch flachere Flachfernseher. Ich kann gar nicht so schnell gucken, wie meine Bekannten ihren Technikpark erweitern. Oder all die neuen Router, die wiederum 24 Stunden durchlaufen und ihnen die Haare vom Kopf fressen. So sieht die private Energiewende aus. Viele Leute wissen tatsächlich immer noch nicht, dass ihre alte Heizungspumpe viel mehr verbrät als alle Lampen zusammen. Deshalb sind die Stromsparberater immer noch so wichtig.
Die haben allerdings ein kleines Problem: Stromsparen bedeutet zwar intelligente Technik halbwegs intelligent anwenden, fühlt sich allerdings für viele anders an. In München verriet mir der Experte, dass Sachen wie Plusenergiehaus, Photovoltaik oder Heizungsanlagen-Tuning besser ankommen. Wesentlich spannender. Beim Stromsparen ist zwar mit wenig Aufwand viel zu holen, aber darum geht es nicht. Auch wenn das Leben schrecklich teuer ist, den Strom werfen die Meisten immer noch lachend zum Fenster raus. Die Psyche ist unergründlich. Meine Theorie: Stromsparen hat ein ähnliches Image wie Darmkrebsvorsorge. Oder Sandalen mit Strümpfen. Zischt irgendwie nicht.
Beispiel: Ein Freund von mir verbraucht bisher 6000 kWh im Vierpersonenhaushalt. Das ist schon heftig viel. Bisher hat ihn Sparen nicht wirklich interessiert, Sparlampen eher abgeschreckt. Jetzt wurde er aber vom Gedanken an einen „Smartmeter“, einen intelligenten Stromzähler angefixt. Typisch iPhone-Generation. Den hat er sich trotz Zusatzkosten bestellt. Er will nämlich die Verbräuche online unterwegs auf Handy, Laptop oder iPad beobachten. Dann kann er sich schöne Kurventabellen der Monatsverbräuche ausdrucken. Typisch Ingenieur. Ich glaube sogar, das könnte klappen. Endlich zeigt er Emotionen. Deshalb habe ich ihm auch von meinen Modulen vorgeschwärmt. Jetzt will er sogar in die Stromproduktion einsteigen.
Das ist nun meine altbekannte Antwort auf das Stromsparfiasko. Mit Eigenstrom verbinden. Wer Strom selber macht, nutzt ihn hoffentlich sorgfältiger. Als ich in München für die Eigenstromproduktion warb, kam natürlich gleich wieder das Gegenargument „Mietwohnung“. Nein, das ist nicht mehr stichhaltig, da es ja bekanntlich genügend Energiegenossenschaften und Bürgerkraftwerke gibt. Jeder Mieter kann da seinen Strom mit bescheidenen Beiträgen selber machen. Zwar nicht auf dem eigenen Dach, aber zum Sparen kann das dennoch motivieren. Das Ziel: nur so viel Strom verbrauchen, wie man selbst produziert. Das ist doch anders als besockte Sandalen.


Kommentare (4)
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Wird Zeit das die Kilowattstunde 50 Cents kostet und jeder der mehr als 10 kWh an einem Tag verbraucht hat, wie bei einem Daten-Tarif im "Fairuse-Prinzip", gedrosselt wird. Vielleicht würde dann ein Umdenken einsetzen!?
Und irgendwie muss kurzfristig eine Belohnung her, wenn man es schafft (möglichst ohne gleich beim Nachbarn zu kochen), seine Verbräuche zu senken. Vielleicht könnte ja Utopia einen Energiesparwettbewerb ausloben, der zur Abwechslung mal zu weniger statt anderem Konsum anregt!
Sonnige Grüße
Stephan
PS: Wer es genau wissen will, kann sich mal hier versuchen:
http://www.co2online.de/kampagnen-und-projekte/energiespar-ratgeber/energiesparkonto/index.html
Das ist allerdings nur was für Freaks!
Im Keller rauschen nur noch Heizungspumpen aus der 9W-Klasse. Der Fernseher mit Zubehör wird an der Steckdosenleiste abgeschaltet, die Computer genauso. Nur der Router läuft immer. Aber da ist's wenigstens die Fritzbox mit Energiesparmodus. Wir brauchen inklusive Haustechnik unter 3000kWh/a - allerdings nur zu zweit bei wenig kochen. Tendenz stetig fallend. Ach ja, wir produzieren knapp das Doppelte unseres Eigenverbrauchs selbst (5500 kWh/a).
Außerdem wurde unsere 30 Jahre alte Butze nach KfW 130 saniert, mal sehn, was wir im nächsten Winter an Öl brauchen. Wann gibt es endlich ein BHKW im Bereich <5kW thermisch zu kaufen??
Ich finds Klasse, Energieeffizienz würde ich zur Zeit als mein größtes Hobby bezeichnen. Und das teile ich gern auch allen Freunden, Kollegen und allen anderen mit, ob sie's hören wollen oder nicht. Wer's nicht hören will, wird spätestens hellhörig, wenns um die Kosten geht. Mal eben die Öl- und Strompreissteigerungen der letzten 30 Jahren hochrechnen und Zuhörer sind mir sicher.
Und ob andere das uncool oder unsexy finden ist mir egal. Ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin.