Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Kolumne ÖKOSEX

Oma‘s I-Pad ist längst Steinzeit


Aktuelles Beispiel: Mein Sohn meinte gestern, wir sollten noch ein bisschen warten, dann käme das I-Pad der dritten Generation auf den Markt. Das von Oma sei schon völlig veraltet. Oma hatte es in der I-Pad Steinzeit, also letzten April gekauft. Die Informiertheit meines Sohnes in Echtzeit zeigt vor allem, wie selbstverständlich die Medien für bestimmte Unternehmen das Mehr-Marketing übernehmen. Ich wusste bis vor ein paar Tagen nicht, dass es in Las Vegas eine unglaublich wichtige "Consumer"-Messe gibt. Plötzlich lese und höre ich überall vom neuen Tablet-Jahrgang. Kartoffel- oder Wein-Ernten interessieren niemanden mehr. In Sachen "Fernseher" wurde beispielsweise im Deutschlandfunk vermutet, dass "wir" vielleicht bald unsere gerade gekauften Flat-Screens wieder entsorgen müssten. Die fürchterliche Nachricht: viele von denen seien nicht internetfähig. Das gehe aber bald gar nicht mehr. Die neue Fernsehergeneration müsse nämlich auf jeden Fall direkt Zugriff haben auf Google-TV.

 

Ich hab schon öfter mal angeregt, dass Asoziale wie ich, die noch einen alten Röhrenfernseher besitzen, drei Punkte in der Konsumverweigerungsdatei in Flensburg erhalten sollten. Mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, gehören dagegen Leute, die ihre nagelneuen Flachfernseher gleich wieder verschrotten und einen Flach-Pad-TV kaufen.

 

Seien wir ehrlich: in der jetzigen Wachstumslogik wäre die Vernichtung von neuen Geräten - also Werten und Ressourcen - ein mutiges Zeichen gegen die Wirtschaftskrise. Genau das haben viele Ökosex-Freunde ausgesprochen: weniger konsumieren und produzieren geht ja gar nicht, weil es im jetzigen System nicht vorgesehen ist. Weil es Umsatzrückgang bedeutet, Krise, die Schließung von Betrieben und Läden, wie wir in Griechenland sehen, wo ganz banal das Geld ausgeht. Weniger Wachstum bedeutet eben erst mal auch mehr Ungerechtigkeit im Konsumparadies und tatsächlich Armut für Teile der Gesellschaft. In Griechenland, in Portugal und in Spanien schrumpft gerade die Wirtschaft. Den Griechen, die bereits an Gehalt, Rente oder Vermögen verloren haben, müssen wir wahrscheinlich nicht mit der Idee vom freiwilligen I-Pad Verzicht kommen. Ich habe eine griechische Kollegin, die das aus erster Hand erzählen kann. Wenn Leute ihre Miete, ihre Hauskredite, Strom und Wasser nicht mehr zahlen können, dann wird es schwierig über wirklich nachhaltiges Wirtschaften zu reden.

 

Genau deshalb sollten wir das in Deutschland auf jeden Fall tun. Weil hier viele Leute eben noch Spielräume haben und gerade erleben, wie dünn das Eis unseres angeblich guten Konsumentenlebens ist. Und wie schräg zum Teil die gesellschaftlichen Ausreden in Sachen "Weiter so". Wir erinnern uns: bis vor wenigen Monaten hatte die derzeitige Regierung die Risiken der Atomenergie zur lebenserhaltenen Notwendigkeit unserer paradiesischen Konsuminsel erklärt. Das hat sich geändert. Anderes jedoch noch nicht: jeder nicht ausgegebene Euro, liegt ja erst mal auf der Bank. Und die meisten Banken handeln wieder fröhlich mit finanz-radioaktiven Sondermüll. Im Namen unseres Wohlstands, versteht sich.


Alt ist das neue Neu

Wer auf Gebrauchtes setzt, verwertet "Überflüssiges" und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Umwelt, Klima und Ressourcen.


Stand: 17.01.2012 von

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    schrieb am 22.01.2012 um 19:16
    "Ich hab schon öfter mal angeregt, dass Asoziale wie ich, die noch einen alten Röhrenfernseher besitzen, drei Punkte in der Konsumverweigerungsdatei in Flensburg erhalten sollten."

    Daaanke sher nett xD
    Aber was soll ich machen die Kiste will nicht kaputtgehen, Geldwert hat nimmer und solange er läuft kann man getrost die Übergangsentwicklungen überspringen bis zum "also-DAS-lohnt-sich-jetzt-aber-echt-zu-kaufen-Gerät" so wie bald nach 4-Jahren ein neues Handy ja ist nicht viel aber vor 4J war ich noch in der Matrix ;)

    So eine Konsumverweigerungsdatei finde ich gar nicht so abwegig. Die weniger krassen Wachstumsbeschleunigungsideen gehen der Regierung sicher bald aus. Die Idee der gesetzlichen Maximallebensdauer von Konsumgütern wollte in den 1930ern, als die KK in den USA anfing, wirklich mal ein US-Ökonom durchsetzen und zwar um die Wirtschaft nach '29 wieder in Gang zu bringen und danach permanent hochtourig laufen zu assen.
    http://www.youtube.com/watch?v=WD2GZUfULv4 arte dokufilm über planned obsolescence

    Und ich habs zwar nicht so erwähnt aber meine Eltern haben tatsächlich 3 Grills! =/ Kohle Gas und Elektro (nein nicht wegen freier Auswahl. Einfach immer wieder was noch besseres zu haben ist wohl, wie das religiöse Streben nach Erleuchtung - wahre Lebensqualität durch irgendwann erreichte Perfektion der einzelnen Besitztümer. Das verstehe ich aber noch nicht dafür bin ich mit noch zu jung. hmmm aha OK mehr weniger
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    schrieb am 19.01.2012 um 19:20
    Man hat bei seiner Kaufentscheidung auch etwas Einfluss darauf wie lange ein Gerät vorhält. Gerade Apple z.B. verzichtet in allen seinen Geräten konsequent auf erweiterbare Speicher mittels Micro SD-Karten. Da sie ja alle vier Monate ein neues Lifestyle Produkte mit brandneuen Features (wie z.B. doppelt so großem Speicher) verkaufen möchten klappt das ja auch prima.

    Viele andere Hersteller bauen Slots für Speicherkarten in ihre Geräte und sie sind somit einfach, kostengünstig und umweltfreundlich erweiterbar. Zumindest was die Speicherkapazität angeht.

    Wenn der Hersteller dann noch regelmäßige Firmwareupdates veröffentlicht, ist der Umwelt und den Käufer schon mal ein großer Dienst erwiesen worden. mehr weniger
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    schrieb am 19.01.2012 um 18:14
    Hallo,
    auch wir sind solche Menschen, die Schuld an dem geringeren Wirtschaftswachstum sind. Der Rechner meines Mannes ist von 2002, sein Laptop von 2003, mein Mac Mini von 2007. Vor zwei Jahren habe ich etwas für das Wachstum getan und ein Handy für 1 Euro gekauft, da bei meinem aus dem Jahre 1997 der Accu kaputt war. Und im letzten Jahr gab unser Fernseher aus dem Jahre 1994 seinen Geist auf, und wir waren gezwungen, den durch ein sehr sparsames LED-Gerät zu ersetzen. Nun hoffe ich, dass wir nicht so bald wieder etwas für das Bruttosozialprodukt tun müssen, unser Polo ist auch schon 11 Jahre alt.... mehr weniger
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    schrieb am 19.01.2012 um 14:57
    Ich bin auch so ne Verweigerin, ich müsste viele Punkte haben!
    Fühl mich schon ganz schuldig der Wirtschaft und unseren Bruttosozialprodukt gegenüber.
    Wahrscheinlich kostet mein Verhalten eine Menge Arbeitsplätze....
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    schrieb am 19.01.2012 um 13:58
    Nun... woher sonst soll das stetige Wirtschaftswachstum kommen? **achtung Sarkasmus**
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