Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Ökosex-Kolumne

Garagen zu solaren Wärmespeichern


Photovoltaik an oder auf Lärmschutzwänden ist ja an sich nichts Neues. Diese hier war aber eine eigens konzipierte PV-Lärmschutzwand, mit einem eleganten Knick im oberen Bereich. Sah recht gut aus und leuchtet in der Alpensonne in einem Tal, das mit dem Lärm des Verkehrs kämpft. Nicht nur der Autobahn. Auch die Bahnstrecke kreischt, wenn Güterzüge vorbeirauschen. Da bedeuten PV-Lärmschutzwände eben echten Doppelnutzen.

Was ich in den letzten Tagen der Entschleunigung ebenfalls gesehen habe: solare Heustadl und Carports in Südtirol. Der Solarcarport ist für mich das Symbol des Fortschritts im 21sten Jahrhundert an sich. Das hängt mit dem Erbe der unnachhaltigen Moderne zusammen. Von allen Gebäuden der Moderne sind nämlich Autogaragen mit Abstand die Dämlichsten. Viele Siedlungen in Deutschland sind durch grässliche Betonkisten entstellt. Warum? Damit unsere Autos nicht nass werden. Das ist alles andere als Mehrfachnutzen.

Wie jeder weiß, leben wir ja leider noch lange nicht in einer Öko-, sondern immer noch in einer Garagendiktatur. Der Gesetzgeber schreibt vor, wie viele Garagen pro Wohnung zu bauen sind. Da wäre eine klare gesetzliche Ansage eine Innovation: Garagen zu Solarports. Oder noch besser: Auto auf die Straße stellen und die Garage zum riesen Wasserspeicher umbauen für die saisonale Wärmespeicherung. Natürlich bei Bedarf auch zum Proberaum für die Rockband der Kinder des Autobesitzers. Man stelle sich vor, es gebe in Deutschland eine gesetzlich vorgeschriebene Proberaumbewirtschaftung. Was hätten wir für tolle Bands!


Ähnlich eindimensional war bisher die Verwendung der Autobahn. Soviel Fläche versiegelt, soviel Lärm, soviel tote Streifen am Rand und in den Auffahrten. Und eigentlich brummen darauf nur Motoren hin und her. Was könnte man damit nicht alles anstellen? Ich habe mal vor Jahren in einer Kolumne mit der deutschen A7, der Magistrale von Nord nach Süd, angedacht, was die Kombination Erneuerbare und Autobahn bedeuten könnte. Hermann Scheer hatte die Idee politisch vorgestellt und heute versucht die Hermann Scheer-Stiftung mit einer Projektplattform die Idee zu  kommunizieren.

Und tatsächlich sind neben Autobahnen oder an Schnellstraßen insbesondere in Bayern in den letzten Jahren einige große Photovoltaik-Freiflächenanlagen entstanden. An der A3 gibt es in der Aschaffenburger Gegend eine sogenannte „Einhausung“, also eine komplette Überbauung, auf die PV montiert wurde. In Rheinland-Pfalz stehen an der A 61 im Hunsrück ziemlich viele Windkraftanlagen. Zugegeben, das ist bisher alles sehr konventionell und spielt sich eher auf den Flächen neben und nicht so sehr direkt an der Autobahn ab.

Was fehlt, sind Ideen für die echte Energieautobahn, die auf der eigenen Fläche Autobahnenergie produziert. Module im Mittelstreifen, Energiepflanzenanbau auf den Grünstreifen daneben oder Energiespeicherung an der Autobahnraststätte. Solche Sachen eben. Im Internet habe ich auch die Idee einer kompletten PV-Überdachung gesehen, die könnte an Stellen mit Gefälle im Winter nebenbei Staus und Unfälle vermeiden. Klingt erst mal schräg und das soll es auch. Was es wohl braucht, sind Konzepte, die jeder erst für bekloppt hält.

Es gibt einen belgischen Professor, der den Ansatz der konsequenten Verwendung vorhandener Infrastruktur propagiert. Kleine Windturbinen in vorhandenen Strommasten und so was. Die Strommasten stehen tatsächlich nur so in der Gegend rum. Genauso wie die vielen Straßenlaternen. Insbesondere in Belgien, womit wir wieder bei der Autobahn wären. Belgien sollte uns in diesen Dingen Hoffnung machen. Da kam einer vor 50 Jahren mit der schrägen Idee, die ganzen Autobahnen zu beleuchten und dafür Hundertausende von Masten aufzustellen. Und? Die Belgier haben das damals tatsächlich gemacht. Wegen des Doppelnutzens nämlich. Vordergründig ging es natürlich um Verkehrssicherheit, aber nebenbei konnten sie auch noch ihren nächtlichen Atomstrom
versenken . . .

Stand: 07.05.2012 von

Kommentare (4)   abonnieren

  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 07.05.2012 um 15:39
    "Der Solarcarport ist für mich das Symbol des Fortschritts im 21sten Jahrhundert an sich."
    Oh, trostreiche Kunde.
    Endlich ein Gleichgesinnter!!
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 08.05.2012 um 09:36
    Der "Solar-Carport" sollte aber eigentlich das bleiben, was er ist, Aufstellplatz für eine Solar-Strom-Anlage (bzw. der PV-Generator), weil leichte Solarmodule und Leitung dort dicht und einfach verlegt werden können und kaum Verluste auftreten.

    http://www.oeko-energie.de/produkte/solarstrom-photovoltaik/pv-montagegestelle/index.php#6568379d030a21407

    Reden wir von Solar-Wärme, dann wird es mit Solar-Kollektoren schon erheblich schwieriger (und schwerer) und die lange Verrohrung hätte im Freien einige Verluste.

    Ein Solar-Wärme-Speicher hat in einer typischen, ungedämmten Garage nichts verloren. Viel zu groß sind die Verluste - gerade dann, wenn es darauf ankommt: im Winter-Halbjahr. Vor einigen Wochen musste ich tatsächlich sehen, dass bei einem Neubau (mit Keller), der Speicher in die Garage kam! Ich musste fast weinen...

    Der Speicher gehört in einen gedämmten Raum IM Haus - dann bleiben seine Verluste in der Regel in der Gebäudehülle. Aber UNTER jeden Neubau könnte man so etwas packen.

    Und in der Garage proben (habe ich vor 30 Jahren gemacht) ist kein Spaß für die Nachbarn - wenn`s richtig rund geht...

    Meine Garage ist die Stütze für meine Terrasse, auf der eine Solarstromanlage steht und komplett eingewachsen...

    http://www.utopia.de/blog/oeko-energie/nuetzliches-und-oekologisches-verbinden-sonnenschutz-mit
  • Bedenklichen Inhalt melden
    til
    schrieb am 10.05.2012 um 13:52
    Naja ... ist ja alles nicht ganz ernst gemein, aber der Vorschlag, sein Auto trotz vorhandener Garage auf der Straße zu parken, wird ja leider schon heute zur Genüge umgesetzt. Und die Anwohner in Wohnungen, die noch ohne Garagenpflicht gebaut wurden, fahren stundenlang auf der Suche nach einem freien Parkplatz um den Block ... Die CO2-Bilanzen von zu Wärmespeichern umfunktionierten Carports dürften sich durch diesen Umstand dramatisch verschlechtern. Im Zuge einer über kurz oder lang wohl kommenden Elektrifizierung von Autos dürften Garagen dann mit Photovoltaik statt Solarthermie auf dem Dach ja auch einen sehr viel naheliegenderen Zweck bekommen.

    Schon klar, alles nur Spaß, aber manchmal wünsche ich mir eben auch humoristische Kommentare ein bisschen komplexer in ihrer Sicht auf die Welt.
  • kommentieren
    Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 15.05.2012 um 15:53
    Ich fände es viel fairer, Pflicht-Fahrradgaragen einzuführen, statt Pflicht-Autogaragen. Räder sind gegen Wetter viel empfindlicher - zudem braucht man für die gleiche Anzahl Räder viel weniger Garagenfläche - und damit wird weniger Fläche versiegelt. Die meisten Gebiete mit Parkplatznot haben übrigens ein gutes ÖPNV-Angebot..
Kommentar schreiben
(5000/5000)

Mehr zu Ökosex