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Im Interview

"Klimaschutz wird für Unternehmen zur Existenzfrage"


Herr Gege, wir freuen uns, dass Sie das Utopia-Vertrauensbarometer unterstützen. Im letzten Jahr hat B.A.U.M. die 30 führenden Dax-Unternehmen hinsichtlich Ihrer Klimaschutzstrategien in einer Studie unter die Lupe genommen. Welche Unternehmen sind denn Ihrer Erfahrung nach auf dem richtigen Weg?
Prof. Maximilian Gege: Die Henkel AG und die Deutsche Telekom haben in unserer Studie am besten abgeschnitten. Aber auch die Bayer AG, Volkswagen, der Otto-Versand, die HVB-Group Karstadt und Siemens sind sehr effizient, was Ressourcenschutz und Energienutzung angeht.

Was machen diese Unternehmen denn besser als andere?
In der Regel verfügen Sie über ein erstklassiges Nachhaltigkeitsmanagement, das Umweltfragen, soziale Aspekte und die betriebswirtschaftlichen Belange des Unternehmens so optimiert und aufeinander abstimmt, dass für alle Bereiche positive Effekte für das Unternehmen entstehen. Nachhaltigkeitsmanagement ist ja kein Selbstzweck. Zum einen reagiert das Unternehmen auf den zunehmenden gesellschaftlichen Druck, Maßnahmen für den Klimaschutz zu treffen. Aber es gibt auch einen unmittelbaren betriebswirtschaftlichen Hintergrund, weshalb Unternehmen ihr Ressourcenmanagement optimieren: Energie ist teuer, und je früher und effizienter ein Unternehmen diese Fragen angeht, desto größer ist der Vorteil im Wettbewerb.

Gibt es Unternehmen, die in dieser Frage zurück liegen?
Wir versuchen schon sehr lange, die großen Energiekonzerne mit einer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie zu konfrontieren und neue Geschäftsfelder aufzuzeigen. Hier wird der Innovationsdruck unterschätzt, stattdessen in Energiegewinnung investiert, die spätestens in 40 Jahren ihrer Grundlage beraubt sein wird. Die Energiekonzerne gehen davon aus, dass der Energiebedarf weiter steigen wird – das ist ein Trugschluss. Je mehr Einsparpotenziale genutzt werden, desto weniger Energie wird tatsächlich noch gebraucht. Denken Sie hier nicht nur an die Unternehmen, die in Sachen Beleuchtung, Druckluft, Hardwarebenutzung und Messtechnik zukünftig noch sehr viel weniger Energie brauchen werden. Denken Sie auch an die knapp 40 Millionen deutschen Privathaushalte. Wenn die ihre Einsparpotenziale – Stichworte Energiesparlampen, energiesparende Geräte, energetische Sanierung – noch stärker nutzen, hat die Energiewirtschaft sehr bald ein dickes Problem, wenn sie weitermacht wie bisher.

Utopia stieß mit den Fragen nach Klimaschutzstrategien bei nicht wenigen Unternehmen auf Skepsis und Ablehnung. Wie sah es bei Ihrer Studie mit der Kooperationsbereitschaft seitens der Unternehmen aus?
Unterschiedlich. Wer seine Hausaufgaben macht, der ist natürlich gerne bereit, sein Heftchen zu öffnen. Unternehmen wie die Hypo Real Estate oder die Deutsche Börse haben argumentiert, sie seien ja keine produzierenden Unternehmen und hätten ergo auch keine großen Einsparpotenziale. Aber auch die Mitarbeiter der Deutschen Börse machen Geschäftsreisen, brauchen ein Büro und nutzen dort die elektronische Infrastruktur.

Große Konzerne realisieren ihr Nachhaltigkeitsmanagement in der Regel intern – wie sieht es aus beim Mittelstand, der sich einen großen Aufwand vielleicht nicht leisten kann?
Machen Sie nicht den Fehler, Klimaschutz mit Kosten zu verwechseln, das Gegenteil ist der Fall. Auch eine hohe Investition in eine umweltfreundlichere Betriebsanlage wird sich schnell amortisieren. Den größten Hebel haben auch kleinere Betriebe bei den Energiekosten; das Problem ist, dass hier keine Transparenz herrscht. Hier kann ein externer, temporär beauftragter Energieberater eine Menge bewirken. B.A.U.M. hat bereits über 1000 Betriebe dabei unterstützt, Einsparpotenziale zu nutzen, und wir können nur allen Unternehmern raten, dieses Angebot zu nutzen. Auch der Staat hat ein Subventionsprogramm entwickelt – Klimaschutz wird in den nächsten Jahren für Unternehmen immer mehr eine Existenzfrage.

Das zur Pflicht der Unternehmen – was erwarten Sie von uns Konsumenten?
Auch die 38 Millionen Privathaushalte sehe ich in der Pflicht, Energiesparmöglichkeiten zu nutzen – und sie müssen ihre Macht, die sie als Nachfrager gegenüber den Unternehmen haben, noch viel mehr ausspielen. Das ist ja auch die Idee von Utopia, und das können wir von B.A.U.M. nur unterstützen.

Prof. Dr. Maximilian Gege ist Geschäftsführer des Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.). Der Verein unterstützt seine Mitgliedsunternehmen, eine nachhaltige und umweltorientierte Unternehmenskultur zu verankern. B.A.U.M. gehören die führenden deutschen Unternehmen, aber auch viele mittelständische Betriebe an.

Zum Utopia-Vertrauensbarometer

Stand: 08.02.2008 von

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    schrieb am 12.02.2008 um 13:03
    Nachhaltigkeitsmanagement dürfte bei den meisten Unternehmen eine unbekannte Vokabel sein. Ich bezweifle zudem, dass eine Firma aus eigenem Antrieb heraus aktiv wird, auch wenn Berechnungen aufzeigen können dass die eine oder andere Investition in kürzester Zeit amortisiert ist. Noch leben wir nicht in einer Zeit, in der Energieeinsparung und Nachhaltigkeit der Top Werbeslogan für ein Produkt oder Unternehmen ist. Noch ist das alles meist Zwang und wird Zähne knirschend umgesetzt. Und wenn die Konjunktur nur ein bisschen hustet, setzen alle sofort wieder den Rotstift an, und hier kürzen sich Gehälter und Ausgaben für Nachhaltigkeitsprojekte am einfachsten.

    Das Umdenken hat begonnen. Hoffen wir dass insbesondere die Großen der Branche bald den Klimaschutz auf ihre Fahnen schreiben.
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    schrieb am 11.02.2008 um 13:51
    Wenn man Gege so hört, ist das honorig und unterstützenswert. Andererseits will er aber auch niemand wehtun. Und ist deshalb nicht so klar, wie er sein müsste, um mehr zu bewegen. Wenn Utopia sein Interview mit "Klimaschutz wird für Unternehmen zur Existenzfrage" übertitelt, dann wird halt der nötigen Klarheit etwas nachgeholfen. Wenn Gege könnte wie er sollte, würde er wahrscheinlich sagen:
    1. Unternehmen müssen Geld verdienen
    2. Wenn Unternehmen mit der Übernahme gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung Geld verdienen können, dann werden sie diese Verantwortung übernehmen
    3. wir Konsumenten sind mitverantwortlich, wie Unternehmen ihr Geld verdienen
    4. erst wenn Energie so teuer wird, dass es relevant für Unternehmensgewinn als auch den persönlichen Geldbeutel wird, ändert mehr weniger
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