„Der Konsument unterschätzt seine Macht“
33Mit „Wut allein reicht nicht!“ wird der Schauspieler und... mehr
besser: wissen - machen - kaufen
Werden Sie mit Ihrem Sohn über den Klimawandel reden? „Bevor ich ihm die Verantwortung dieses Wissens aufbürde, werde ich alles tun, damit er so leicht daran zu tragen hat wie möglich.“ Der Aufstieg zum Klima-Olymp auf dem Potsdamer Telegrafenberg führt über Kopfsteinpflaster. An roten und sandsteinfarbenen Klinkerbauten entlang. Wissenschaftler in Gruppen oder allein kreuzen den Weg zu Hans Joachim Schellnhuber, dem Jupiter hier oben, Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Am Ende des langen Flures steht eine riesige Weltkugel, eine Doppeltür führt in das Büro des Chefs.
Graues Jackett, weißes Hemd, ein herzlicher Willkommensgruß. Der bayerische Akzent verrät seine Herkunft. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass in seinem Büro schon Albert Einstein geforscht habe, der ihn im Übrigen stark beeinflusst hat. Doch Schellnhubers verschmitztes Lächeln verfliegt, sobald er auf den Klimawandel zu sprechen kommt: „Der Emissionskredit, den die Natur uns noch einräumt, bis sich die gefährlichsten Folgen des Klimawandels nicht mehr vermeiden lassen, ist schon fast überzogen“, sagt er. „Es handelt sich also um einen faulen Kredit, so wie gerade in der Finanzkrise: Wir handeln mit einem CO2-Budget, das es kaum noch gibt.“
Auf dem Schreibtisch stapeln sich kreuz und quer rote Mappen, in die der Wissenschaftler Papierbündel gesteckt hat. Der Anblick bringt einem Schellnhubers ursprüngliche Domäne in den Sinn, die Chaosforschung. Er lächelt und erzählt, dass er nie vorgehabt habe, sich als Wissenschaftler mit Klimapolitik zu befassen. Ihm erschien das Thema Klimawandel nur komplex und chaotisch genug, um die Erkenntnisse, die er in der Chaosforschung gewonnen hatte, an seinem Beispiel durchzudeklinieren.
Ein weniger intellektueller Grund, warum Schellnhuber das Klima am Herzen liegt, ist seine Liebe zur Natur. Er wurde in eine kleinbäuerliche Familie hineingeboren. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr wuchs er im Landwirtschaftsbetrieb seiner Eltern auf. Damals hatten sie noch nicht einmal einen Traktor auf dem Hof, erzählt er. Dafür gab es viele Tiere – als kleiner Junge ritt er noch auf dem Ochsen aufs Feld hinaus. Als dann Anfang der 60er Jahre die ersten Kunstdüngersilos gebaut, Maschinen angeschafft und die Landwirtschaft immer weiter industrialisiert wurde, habe er das damals als Verlust empfunden, sagt er, obwohl der Wohlstand dadurch stieg.
Kommentare (5)
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inaktiver User 59103
schrieb am 02.08.2010 um 17:11 ¶inaktiver User 54335
schrieb am 09.12.2009 um 13:46 ¶Kommentar schreiben
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