Kernkraftwerke sind Klimaschützer! Das ist Ihnen entgangen? Ich gebe zu: Auch ich hatte diese Wissenslücke kürzlich noch, wäre der Deutsche Atomforum e.V. nicht so freundlich gewesen, in den letzten Wochen Informationskampagnen auf Plakaten und in wichtigen Tageszeitungen zu schalten. Für den unwissenden Bürger. Eine Kampagne, die einem intellektuellen Hütchenspiel gleicht.
Bei mir war es in der Süddeutschen Zeitung: Großformatig prangte mir das Kernkraftwerk Brunsbüttel als „Klimaschützer der Woche - CO2-Ausstoß=Null“ entgegen. Hinter glücklich grasenden Schafen und unter gesunden Wolken am Himmel schützt der liebliche Meiler uns vor „Global Warming“ - so die Kernaussage der Anzeige. Es gab noch weitere Motive: Kernkraftwerk und Windkrafträder auf gleicher Wiese mit dem Titel „Klimaschützer unter sich“.
Die verantwortliche Werbeagentur scheint jedoch nicht nur mäßige Berater, sondern gleichermaßen kompetente Grafiker zu haben: Die durch Photoshop zu innerer Nähe mit dem Kernkraftwerk in Brockdorf verdammten Windkrafträder zeigen auffällig andere Sonnenschatten als der Meiler selbst. Mit den Details hat man es nicht so – hier einen Schatten vergessen, dort ein paar Emissionswerte unter den Tisch fallen lassen.
Ein übler Wolf mit mäßig passendem Schafsfell
Und zeitgleich wurde die Webadresse Klimaschuetzer.de kommuniziert. Ich dachte noch, es sei eine sarkastische Greenpeace-Kampagne, doch die Denic-Abfrage bestätigt: Klimaschuetzer.de gehört tatsächlich der Inforum GmbH (eine 100 Prozent Tochter des Deutschen Atomforums e.V.). Ein übler Wolf trägt ein nur mäßig passendes Schafsfell - es wirkt fast schon wie eine Selbstpersiflage, doch die Atomindustrie meint es ernst: Sie nutzt ihre finanzielle Potenz nicht nur für offensichtlich erfolgreiche Lobbyarbeit. Sie hat auch noch Geld übrig, um ihre Kritiker zu verhöhnen. Es würde nicht verwundern, gäbe es noch ein Motiv von Kindern im Sandkasten vor einem Atommeiler. Bildunterschrift: Zukunftsmacher unter sich! Es ist nicht das erste Mal, dass eine Kampagne des Deutschen Atomforum e.V. ihr Ziel verfehlt: Bereits im Juni gab es eine Unterlassungserklärung gegenüber dem Deutschen Fussball-Bund zu unterzeichnen. Die Deutsche Nationalmannschaft zur Bewerbung von Atomkraft zu nutzen schien aus Sicht des DFB keine gute Idee. Wie schafft ein so mächtiges Konsortium es, innerhalb nur weniger Monate mehrfach den Ton nicht zu treffen? Liegt es an dem fehlenden Feingefühl der Kommunikationsverantwortlichen im Haus oder ist es die Werbeagentur, die vielleicht ihr Budget schon erhalten hat und so nochmal ungebremst den großen Sprung ins Fettnäpfchen tun durfte?



Kommentare (67)
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also das Thema ist ja nicht erst seid gestern aktuell. Un dich denke, es sind inzwischen genug vernünftige Menschen erwacht, daß Thema noch lange aktuell zu (gegenzu)halten.
http://www.utopia.de/blog/beitrag/wieso-reden-wir-hier-uber
Molzen
http://greenpeace-magazin.de/index.php?id=5072&tx_ttnews[pointer]=1&tx_ttnews[tt_news]=88560&tx_ttnews[backPid]=5069&cHash=af370b0dff
Dort sieht man auch das Inserat der Atomlobby. mehr weniger