Umweltaspekt liegt im Dunkeln

Von Volker Eidems

Die Marke mit der Tatze zählt zu den deutschen Marktführern für Outdoor-Bekleidung. 1981 gegründet gelingt ihr seit Jahren ein zweistelliger Wachstumskurs. Geschäftsführer und Firmenmitinhaber Manfred Hell testet seine Produkte auch noch immer selbst, und betont gerne, dass Umweltschutz für Naturburschen eine Selbstverständlichkeit ist. Doch auch wenn sich die Träger von Wetter- und Wanderbekleidung naturverbunden fühlen, gibt es im Outdoorbereich insgesamt die gleichen Probleme wie in der übrigen Modebranche: Produktionsstandorte in Asien, gesundheitsgefährdende Farben und Materialien.

Bildergalerie

Unternehmen auf dem Prüfstand

Für Outdoorprodukte kommt außerdem hinzu, dass nur selten nachwachsende Rohstoffe verwendet werden, weil Hightechmaterialien günstigere Eigenschaften aufweisen. Für Jack Wolfskin etwa erklärt Ingola Metz aus der Presseabteilung des Unternehmens: „Insgesamt enthalten aus der Kollektion fast 25 Prozent unserer Modelle nachwachsende Rohstoffe“. Wie hoch der Anteil an Naturfasern insgesamt ist, konnte bis Redaktionsschluss vom Unternehmen selbst nicht ermittelt werden. So hält die atmungsaktive Regenjacke zwar länger dicht, stellt am Ende ihres Produktlebens aber ein Entsorgungsproblem dar – es sei denn, sie wird recycelt.

Öffentliche Information? Soll kommen

Jack Wolfskin produziert nach eigenen Angaben vorwiegend in Südostasien, ein hauseigener „Code of Conduct“ soll Umwelt- und Sozialstandards sicherstellen, etwa Kinderarbeit verhindern. „Seit über einem Jahr arbeiten wir mit einem externen Auditierungsteam zusammen, das vor Ort unterwegs ist“, erklärt Ingola Metz von Jack Wolfskin. 2004 war das Unternehmen in die Kritik geraten, als es den neu eingeführten „ethiktest“ der Stiftung Warentest nicht beantwortet hatte. Das damalige Kommunikations-Team ist nicht mehr tätig, doch auch heute noch sind die öffentlich bereitgestellten Informationen dürftig: Weder der „Code of Conduct“ noch das „Green Book“ – die Produktionsanweisungen für die Zulieferer – oder die „Allgemeinen Bemerkungen zum Umwelt- und Naturschutzengagement“ sind auf der Website abrufbar, auf einen Nachhaltigkeitsbericht verzichtet das Unternehmen ganz. „Wir wollen uns dem Greenwashing-Trend nicht anschließen“, erläutert Frau Metz, „Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht hervorzuheben, was wir alles Tolles finanzieren.“

Trotzdem: Die oben genannten Informationen werden im Zuge des aktuellen online-Relaunches in Kürze online gestellt, so Metz. Das Engagement für Ökoprojekte wie den Naturpark Hohes Venn oder die Klimaprojekte von Arved Fuchs, oder soziale wie Rebound, ein Resozialisierungsprojekt für Kindersoldaten, sind dagegen bereits heute auf der Website verfügbar.

Im Mittelfeld der Branche

Im Vorfeld der Outdoor 2009, die Mitte Juli in Friedrichshafen stattfand, hat die Kampagne für saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign/CCC) einen Fragebogen zum Thema „Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben“ an 15 große Outdoorhersteller versendet. Zum Ergebnis heißt es in einer Pressemitteilung: „Die CCC kann keiner der untersuchten Firmen ein Unbedenklichkeitszeugnis ausstellen.“ Jack Wolfskin schneidet im Verhältnis jedoch recht gut ab, erhält insbesondere ein gutes Zeugnis für die Bereitstellung der gesuchten Hintergrundinformationen. So verwundert der abschließende Kommentar der CCC ein wenig: „JW legt bisher nicht ausreichend Engagement im Bereich Kodexumsetzung, Monitoring und Verifizierung an den Tag. Ein größerer Einsatz ist hier dringend nötig. [...]“ Ingola Metz kritisiert die Kurzstudie denn auch, da die Befragung allgemeine Nachhaltigkeitsaspekte betraf, das Ergebnis jedoch nur auf den Aspekt Arbeitsbedingungen fokussiert. Bei Jack Wolfskin würden jedoch die drei Säulen der Nachhaltigkeit, Ökologie, Ökonomie und Soziales stets zusammengedacht, stellt Metz klar.

Umfrage

Wie nachhaltig ist für Sie das Unternehmen Jack Wolfskin?

Seite: 1 2

Kommentare (25)   abonnieren

alle Kommentare (25)
  • tata
    schrieb am 29.10.2009 um 09:49
    Welche Alternative gibt es denn? Gibt es einen ökologischen Hersteller von Outdoor-Begleitung?
  • lazylava
    schrieb am 22.10.2009 um 10:59
    Der lange PDF Bericht ist auch interessant. Dauert zwar ein bisschen, bis man es durch hat, und Schlüsse daraus ziehen kann, aber ist recht aufschlussreich.

    Besonders deutsche Firmen scheinen ja sehr verschlossen zu sein. JW ist da voll mit dabei - und die Abhmahn-Geschichte ist erbärmlich...
alle Kommentare (25)

Kommentar schreiben

(5000/5000)

Mehr zu Unternehmen

Mehr zu Auf dem Prüfstand