Max Deml über ethische Investments


Herr Deml, sind ethisch-ökologische Geldanlagen immer noch ein Nischenangebot auf dem Kapitalmarkt?

In den USA wird inzwischen jeder zehnte Dollar nach zumindest einem ethisch-ökologischen Kriterium – z.B. „keine Rüstungsproduktion“ – angelegt, im deutschsprachigen Raum handelt es sich meist noch um Marktanteile von weniger als zwei Prozent, im Investmentfondsbereich knapp ein Prozent. Es gibt aber auch Bereiche, z.B. bei den Mitarbeitervorsorgekassen in Österreich, in denen sich mehr als die Hälfte der Anbieter für „ethisches“ Investment entschieden haben.

Wie hat sich das Angebot in den letzten Jahren entwickelt?

Auch wenn das Gesamtvolumen prozentuell noch relativ klein ist, weist diese Art des Investieren weitaus höhere Wachstumsraten als „konventionelle“ Anlagen auf: erst vor einigen Jahren hat das Volumen der Ethik- und Umweltinvestmentfonds in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg die Milliardengrenze überschritten, heute sind es bereits an die 25 Milliarden Euro.

Was für Menschen sind das, die ethische und ökologische Maßstäbe an ihre Rendite anlegen? Sind das alles Weltverbesserer?

Es gibt – zwischen „blassgrün“ und „dunkelgrün“ – sehr viele Schattierungen sowohl bei den Kriterien diverser Angebote als auch bei den Anlegern. Die Pionierzeit – vor rund 20 Jahren mit der Gründung der Ökobank und den ersten Windparks – ist in Deutschland vorbei. Das Thema wurde nicht zuletzt durch die Klimawandeldebatten zum Mainstream, zu dem fast alle Großbanken eigene Produkte auf den Markt gebracht haben

Wie sicher sind die Anlagen gegenüber konventionellen Fonds, welche Erfahrungswerte gibt es?
Verschiedene Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass „grüne“ Anleger weder eine niedrigere Rendite noch ein höheres Risiko als bei vergleichbaren konventionellen Anlagen in Kauf nehmen müssen.

Welchen Effekt hat eine verstärkte Nachfrage nach grünen Geldanlagen für die Finanzwelt und den Kapitalmarkt?

Die zusätzliche „grüne“ Nachfrage hat relativ wenig Auswirkung auf die Kurse von großen börsennotierten Gesellschaften, kann aber entscheidend sein, damit geschlossene Fonds (z.B. im Biomassebereich) oder junge Unternehmen anderer Branchen, die Aktien ausgaben, überhaupt die nötige Finanzierung finden. Aber auch bei großen Unternehmen lässt sich teilweise ein „pädagogischer“ Effekt feststellen, wenn Investoren oder Research-Agenturen verstärkt danach fragen, wie z.B. das Umweltmanagement eines Unternehmens aussieht.

Können dadurch auch politisch und gesellschaftlich Prozesse in Gang kommen?
Das alte Sprichwort „Geld regiert die Welt!“ kann man auch positiv sehen: der Anstieg des Windstromanteils in Deutschland von null auf fast sieben Prozent innerhalb von weniger als 20 Jahren wäre nicht möglich gewesen ohne die vielen Tausend Kleinanleger, die in diesen Sektor Milliarden Euro investiert haben. Im Solarbereich erleben wir gerade etwas Ähnliches: Aus dem lange Zeit belächelten Nischenthema könnte in wenigen Jahren ein Stromanteil von über fünf Prozent resultieren. Den „Grünen Geldmarkt“ sehe ich weiterhin dynamisch wachsen. Es wird wohl in Zukunft dazu kommen, dass es nicht ungewöhnlich ist, auch bei „normalen“ Geldanlagen nachzufragen, inwieweit dabei ethisch-ökologische Kriterien zutreffen oder nicht.

Utopist Max Deml gibt den Informationsdienst Öko-Invest heraus und hat ökologische Aktien-Indices wie den „nx-25“ oder den Solaraktienindex „PPVX“ kreiert. Mittlerweile fanden dadurch Milliarden Euro den Weg in den grünen Kapitalmarkt. Max Deml lebt mit seiner Familie in Wien.


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