Moderiese mit Sinn für Verantwortung?
797 Prozent der Deutschen kennen C&A, 52 Prozent haben 2009 mindestens... mehr
besser: wissen - machen - kaufen
Von Volker Eidems

Ikea wurde 1943 in Schweden gegründet und ist mittlerweile in 36 Ländern vertreten. Hierzulande gibt es derzeit 43 Filialen - alle im gleichen Blau-Gelb, alle auf der grünen Wiese, in Industriegebieten oder noch weiter außerhalb. Deutschland führt als umsatzstärkster Markt mit 3,3 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr, die Besucher- und Kundenzahlen gingen im gleichen Zeitraum aber leicht zurück. Dennoch wächst das Unternehmen weiter, seit 2007 kamen vier neue Standorte hinzu, für Juni ist eine Neueröffnung in Würzburg geplant.
Expansion mit klarer Strategie
Die Unternehmensphilosophie von Ikea lautet Massenmarkt, über günstige Preise und wenig ausgefallenes, aber dennoch modernes Design wird eine große Käufergruppe angesprochen. Durch hohe Verkaufszahlen werden die Produktionskosten gering gehalten, zumal Zulieferer in China und Polen mehr als ein Drittel der Produkte fertigen. Durch eine ganze Reihe von Verhaltenskodizes bemüht sich das Unternehmen die Lieferanten zu beeinflussen, etwa Kinderarbeit oder illegalen Holzeinschlag zu verhindern, leider sind viele dieser Dokumente nur auf englisch verfügbar. Skandale um Ikea sind selten, der Konzern rühmt sich auch damit, die Grenzwerte für Schadstoffe jeweils von den Absatzländern zu übernehmen, in denen sie am strengsten sind: Für ein global tätiges Unternehmen, das weltweit die gleichen Produkte verkauft, wäre es wohl auch ein ziemlich großer Aufwand, Billy-Regale schadstoffarm für den deutschen Markt, aber höher belastet zum Beispiel für den russischen herzustellen.
"Zu wenig Holz am Markt" - das FSC-Siegel
In Projekten mit dem WWF engagiert sich Ikea für nachhaltig bewirtschaftete Wälder, längerfristig sollen alle verarbeiteten Hölzer das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) tragen. Anfang 2008 jedoch geriet der Konzern in die Kritik, weil er seine selbst gesetzte Quote von 30 Prozent-FSC-Holz nicht erreichen konnte, der Anteil sogar rückläufig sei, wie Greenpeace ermittelte. Da die Zertifizierung langsamer ablaufe als erwartet, seien nicht genug FSC-Rohstoffe auf dem Markt, lautete damals die Begründung des Konzerns. Von einer Verantwortung durch das eigene Wachstum war nicht die Rede. Auch heute und damit ein Jahr später kann Ikea seine Ziele nicht erreichen: Man halte nichts davon, jetzt die geringen FSC-Vorräte am Markt für hohe Preise aufzukaufen, habe vielmehr die langfristige Perspektive vor Augen und fördere die Zertifizierung von Waldflächen, teilt Kai Hartmann vom Ikea-Konzern mit. Dieses Argument lässt Elmar Seizinger von der FSC-Arbeitsgruppe Deutschland nicht gelten: "Der FSC versteht sich als nachfrageorientiertes Instrument. Wenn große Firmen ernsthaft mit dem Siegel arbeiten würden
und von ihren Lieferanten FSC-Holz forderten, dann wäre eine Zertifizierung in kurzer Zeit kein Problem."
Fehlende Kennzeichnung und "unentbehrliche Pestizide"
In Deutschland sind derzeit nur knapp fünf Prozent der Waldflächen zertifiziert, weltweit sind es 113 Millionen Hektar, rund sieben Prozent. "Die Endkundenhändler argumentieren, dass für sie unter Umständen
entstehende Mehrkosten für Holz aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft
nicht an den Endkunden weiter gegeben werden können. Eine aktive Bewerbung von FSC-Produkten findet aber auch nur selten statt", sagt Seizinger, auch Ikea wirbt bisher nicht mit dem Siegel: "Wir können die Produkte nicht immer mit einem entsprechenden FSC-Siegel versehen, da in manchen neben FSC- auch herkömmliche Hölzer verwendet werden." Das klingt nach vermeidbarer Intransparenz. Der aktuelle Katalog enthält allein die Gartenmöbelserien "Kvarnö" und "Idbyn", die aus zertifiziertem Eukalyptus produziert werden und dementsprechend gekennzeichnet sind.
Kommentare (22)
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lukita
schrieb am 27.12.2010 um 21:58 ¶Mirandifu18
schrieb am 13.05.2010 um 19:49 ¶Kommentar schreiben
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