Gerade die kommenden Wochenenden arten für viele Menschen in reine Shopping-Exzesse aus. Jeder kennt die Bilder von mit Einkaufstüten bepackten Menschenmassen, die sich durch die Innenstädte schieben. Für viele heißt Weihnachten einfach nur Einkaufen bis zum Umfallen: Geben um noch mehr zu Bekommen. Ein Zustand, der den Aktivist und Künstler Ted Dave im Jahr 1992 auf die Idee brachte, in Vancouver den „Buy Nothing Day“ ins Leben zu rufen.
Die Stadt Vancouver darf zu Recht als eine Brut-Stätte der weltweiten Umwelt-Bewegung bezeichnet werden. Hier gründeten Friedensaktivsten 1971 die wohl berühmteste Umweltorganisation aller Zeiten: Greenpeace. Hier ist der Geburtsort des kapitalismuskritischen Magazins „Adbusters“ und im Jahr 1992 wurde hier der erste „Buy Nothing Day“ organisiert. Die in Deutschland als „Kauf-nix-Tag“ bekannte Aktion ruft zu einem 24-stündigen freiwilligen Konsumverzicht auf. Sie gehört zu den ersten und bedeutsamsten Kampagnen, um Wirtschaft und Unternehmen mit der Macht des Verbrauchers zu konfrontieren. Denn jeder einzelne Dollar, jeder Euro ist Einkaufsmacht: eine von Verbrauchern oft zu selten entfesselte und von Unternehmen häufig in Frage gestellte Kraft.
„Alles in der Wirtschaft ist darauf angelegt, heute, jetzt, hier, sofort etwas zu kaufen. Ich war davon völlig erschöpft und dachte, vielleicht ist es eine gute Idee, endlich einmal eine Shopping-Pause einzulegen“, sagte Initiator Ted Dave damals. Er beschloss, einen Tag im Jahr festzulegen, an dem Menschen nichts kaufen sollten. Ted Dave suchte sich dafür den letzten Samstag im November aus. In Nordamerika ist dies der Tag nach Thanksgiving (Ernte-Dank-Fest) und zugleich auch der Beginn der langen Einkaufswochenenden für Weihnachten. Er entwarf ein paar Poster, die er in Vancouver und Umgebung plakatierte – heute ist seine Aktion weltweit wichtig und bekannt.
Einen ganzen Tag lang ganz bewusst nichts zu kaufen: Was soll man damit schon erreichen? Verschiebt man damit nicht einfach nur seine Einkäufe um 24 Stunden und dann wird weiter wie bisher konsumiert? Zunächst einmal ist der „Kauf-nichts-Tag“ ein guter Anlass, das eigene Konsumverhalten bewusst zu hinterfragen – und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem es oft schwer ist, sich dem Konsumtrubel zu entziehen: kurz vor Weihnachten. Jeder, der einmal ausprobiert hat über 24 Stunden keinen Cent auszugeben – ob aus der Not oder aus freiem Willen heraus – der weiß, das in dieser Zeit viel passiert. Man stolpert über Automatismen und Gewohnheiten („kein Tag ohne Butterbreze“), erkennt Nötiges und Überflüssiges, denkt vielleicht über Hunger und Durst, über Haben und Sein nach.


Kommentare (61)
abonnieren
Kauft nur, was Ihr braucht.
Auch nicht schlecht.
Leider freuen sich viele Leute darüber, dass es verkaufsoffene Sonntage gibt. Ich kann mir schöneres vorstellen als einzukaufen an einem sonnigen Sonntag ;-) und überhaupt.
Früher war es für mich als Französin hier ganz furchtbar am Samstag Mittag vor geschlossenen Läden zu stehen. Dann habe ich mich umgestellt. Nun finde ich das doch angenehm, frisches Brot am Sonntag bekommen zu können. mehr weniger
dieses Jahr hab ich den Kauf-Nix-Tag total verpennt. Aber außer die taz und Lebensmittel hatte ich sowieso nichts gekauft. Ich habe schon vor Jahren diesem ganzen Konsumterror abgeschworen. Übrigens nicht nur zur Adventszeit, meistens auch das ganze Jahr. Mal sehn, ob ich mich noch mehr einschränken kann.
Grüße, Blätterwald mehr weniger
"Weihnachten wird unterm Baum entschieden!"
Dieses Statement ist der größte Schwachsinn, den es gibt.
Und ich frage mich:
WAS bitte entscheidet sich?
Wer die meisten Geschenke bekommt? Wer am großzügigsten war?
Wie die Stimmung ist (womöglich in Abhängigkeit der Geschenke und der Erwartungshaltung?)
Grrrhhhhh....grausig!!!
(Das nur am Rande und nicht ganz passend hierzu, aber es musste raus :-)) mehr weniger