„Der Konsument unterschätzt seine Macht“
33Mit „Wut allein reicht nicht!“ wird der Schauspieler und... mehr
besser: wissen - machen - kaufen
Es ist nicht leicht, Harald Welzer zu porträtieren. Weil er sich so ziert, sobald es um ihn selber geht. Spürbar angeekelt von einer Medienöffentlichkeit, in der sich Viele viel zu wichtig nehmen. Selbst den harmlosen Hinweis auf seine Kunstliebe, den sich Autoren in Porträts über ihn erlauben, findet Welzer „nervig“. „Kunst ist wie Sex,“ sagt er, „ein Seinsbereich, in dem Worte und Erklärungen nur hinderlich sind“. Eine intime Angelegenheit.
Man kann sein Desinteresse an der persönlichen Existenz, wie er sagt, verstehen, wenn man mit Welzers Augen auf die Welt schaut, die sich weiter dreht, als wäre nichts gewesen. Als wäre die Wirtschaftskrise eine reparable Störung in einem sonst intakten System. Als wäre die kontinuierlich steigende Klimaerwärmung mit ihren abzusehenden Folgen ein zu verkraftendes Ärgernis, solange der HSV gewinnt, die Autobahn Tempo 300 erlaubt, die Handtaschen bei H & M billig bleiben und die Wirtschaft wieder wächst. Weniger die Klimakatastrophe macht dem Sozialpsychologen Sorgen, denn mehr die Menschen und ihre „Apokalypseblindheit“. „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“, lautet der Titel des Buches , das Welzer zusammen mit dem Politikwissenschaftler Claus Leggewie geschrieben hat. Mit etwas Humor könnte man es als ökopolitischen Selbsthilfe-Ratgeber bezeichnen.
Ein typischer Welzer-Wälzer ist es allemal. Der Perspektive eines Autors entsprungen, der sich schwer zuordnen lässt, weder zu den politischen Recherche-Schreibern noch zu den publizierenden Wissenschaftlern. „Wissenschaft als reiner Selbstzweck hat mich nie interessiert,“ sagt Welzer, der Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke lehrt und am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen das „Zentrum zur Gedächtnisforschung“ leitet. Er forsche, um Fragen zu beantworten. Brisante und aktuelle Fragen. Letztendlich, sagt er, betreibe er ein Laboratorium der Gegenwart und der Zukunft.
Auch wenn er sich in den vergangenen Jahren mit der Vergangenheit beschäftigte, mit den Nazitätern im Dritten Reich. Sein Fazit betrifft die Gegenwart. So schockierte Welzer die Talk-Runde des ZDF-„nachtstudio“ mit der These, dass die tiefer liegenden Ursachen, die während des Zweiten Weltkrieges zum Genozid führten, heute keineswegs gebannt seien. In Zukunft würden sie sich noch virulenter auswirken als je zuvor. Das ist das Thema der „Klimakriege“, Welzers vorletztem Buch. In dem er die Klima bedingten Konflikte einer „Mad-Max“-Welt beschreibt, hervorgerufen durch den Run auf die Ressourcen, Flüchtlingsbewegungen und globale Macht- und Wohlstandsverschiebungen. Umso mehr tangiert Welzer die Apathie der gegenwärtigen Gesellschaft, die der Katastrophe unbekümmert entgegen sieht. Das ist das Thema des Buches.
>> Video: Harald Welzer auf der Utopia-Konferenz 2009 (auf Seite 3) <<
Auf der Utopia Konferenz 2010 wird Harald Welzer über die großen Hebel für eine nachhaltige Entwicklung sprechen.
Kommentare (47)
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JBM
schrieb am 24.09.2010 um 12:28 ¶Lady_Marian
schrieb am 23.09.2010 um 21:57 ¶Kommentar schreiben
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