Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Problematische Mobiltelefone

Handys –Krieg und Verwüstung in der Hosentasche

Wer denkt beim unbedarften Telefonat schon an schwarze Seen voller radioaktivem Gift und ermordete Menschen? Doch unser Hunger nach immer schnelleren, aufregenderen Handys führt in anderen Teilen der Welt zu massiver Umweltzerstörung und blutigen Konflikten um kostbare Rohstoffe. Dabei ginge es eigentlich auch anders.


„Ein apokalyptischer Anblick“ – Verwüstete Umwelt für Mobiltelefone

Ein Handy ist ein wahrhaftiges Kostbarkeiten-Kabinett. Magnete in Lautsprechern, LCD-Bildschirme und Vibrations-Effekte benötigen kostbare Elemente aus sogenannten „seltenen Erden“. Der Abbau dieser Erden ist jedoch ein einziges Umwelt-Desaster. Die Stoffe werden durch chemische Bäder und Einschmelzen der abgebauten Gesteinsmischung gewonnen. Zurück bleibt eine hoch toxische, radioaktive Schlacke. Im chinesischen Baotou, am Rande der Wüste Gobi, wird etwa die Hälfte aller weltweit verfügbaren seltenen Erden gewonnen. Die industriellen Abwässer der Raffinerien werden in einen künstlichen, von der Öffentlichkeit abgeschirmten, See geleitet. Augenzeugen beschreiben ihn als apokalyptischen Anblick; die Dämpfe lassen sofort die Augen tränen und erzeugen Hustenreiz. Der See liegt nur wenige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Die Menschen dort tragen permanent Schutzmasken. Fehlgeburten und Missbildungen treten überdurchschnittlich häufig auf. Durch undichte Stellen sickert die radioaktive Giftbrühe langsam in Richtung Gelber Fluß, der das Trinkwasser für einen großen Teil Nordchinas liefert.

Doch nicht nur am Anfang eines Handylebens wird die Natur verpestet. Wiederum ist es eine chinesische Stadt, Guiyu, die zum Sinnbild des elektronischen Umwelt-Alptraums geworden ist. Auf der größten chinesischen Deponie für Elektro-Schrott verbrennen Menschen über Kohlefeuern Kabel und Platinen, um an die wertvollen Metalle im Inneren zu gelangen. Die Gewässer dort sind schwarz und säurehaltig, Kinder leiden an Bleivergiftung und chemische Dämpfe wabern durch die Luft. Weltweit werden nur unter 20 Prozent des Elektro-Schrotts recycelt. Die immer kürzere Lebensdauer von Handys - im Durchschnitt unter 2 Jahre - und sonstigen Technik-Moden verschlimmert die Situation.

„Wir finanzieren Massaker und Vergewaltigungen“ – Der blutige Handel mit kostbaren Metallen

Vor einiger Zeit machten die erschreckenden Zustände in chinesischen Elektronik-Fabriken Schlagzeilen. Bei einem der größten Zulieferer für Apple & Co. hatten sich Arbeiter aus Verzweiflung über ihre ausweglose Situation umgebracht. Doch nicht erst in den Produktionsstätten spielen sich tragische menschliche Schicksale ab. Geht man nämlich in der Produktionskette eines Handys vom Zusammenbau in China ein paar Schritte zurück, landet man im tiefsten Dschungel Afrikas.

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo finden sich große Vorkommen von Koltan und Kassiterit, beides begehrte Metalle für elektronische Geräte. Abtrünnige Militärs und Rebellengruppen führen einen grauenhaften Krieg um die Vorherrschaft über die Minen. Nach Schätzungen sind dort bereits 300.000 Frauen vergewaltigt worden, etwa fünf Millionen Menschen sind gestorben – der blutigste Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg. 

Vom Verkauf der Mineralien finanzieren die Banden ihre Waffenkäufe. In seinem Enthüllungs-Film „Blood in the Mobile“ zeigt der Journalist Frank Poulsen, dass Hersteller wie Nokia von diesem Problem bereits seit 2001 wissen, bisher aber keine nennenswerten Maßnahmen dagegen unternommen haben. Solange die großen Technik-Konzerne sich also blind stellen und die Herkunft ihrer Rohstoffe nicht nachverfolgen, solange unterstützt jedes neue Mobiltelefon einen verheerenden und unnötigen Krieg in einem der ärmsten Länder der Welt.

So wird man trotz Handy nicht zum Umweltzerstörer und Warlord

Man kann diese dramatischen Zustände als Verbraucher leider nicht von heute auf morgen ändern. Doch auch jetzt schon gibt es einfache Maßnahmen, die jeder von uns umsetzen kann.

  • Gebraucht kaufen
    Die Rechnung ist einfach: Wenn Sie Ihr Handy nicht direkt beim Produzenten kaufen, dann kann dieser auch nicht mit Ihrem Geld den Bau weiterer Handys und damit neue Umwelt-Vebrechen und Menschenrechts-Verletzungen finanzieren. Außerdem benützen Sie einen Gegenstand weiter, der sonst vielleicht unnötigerweise im Müll gelandet wäre.
     
  • Länger nutzen
    Alle zwei Jahre ein neues Handy zu kaufen, nur weil es die Vertragsverlängerung beim Anbieter oder ein moderneres Modell attraktiv machen, ist purer und sinnloser Luxus. Kaufen Sie Ihr Handy mit Blick auf eine lange Nutzungsdauer, nicht aufgrund eines Trends oder Schnäppchens.
     
  • Transparenz einfordern
    Der Druck auf Elektronik-Hersteller, eine transparentere Produktionskette aufzubauen, wächst. Sie selbst können diesen Druck verstärken, etwa durch öffentliche Nachfragen auf der Facebook-Pinnwand oder im Handy-Laden. Mit dem Fairphone befindet sich momentan außerdem das erste Smartphone in Planung, dessen konkreter Ansatz die soziale und ökologische Nachhaltigkeit ist. Wenn Sie also unbedingt einen Neukauf tätigen wollen, dann sollten Sie mit Ihrem Geld Initiativen wie diese unterstützen.

Schritte nach Utopia

Gehen Sie mit!


Lesern, die tiefer in die Materie einsteigen möchten, sei die Broschüre vom Südwind Institut an's Herz gelegt: Von der Mine bis zum Konsumenten.

 

Thema: Green IT, Stand: 12.02.2013 von

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    schrieb am 18.02.2013 um 11:31
    Die elektronischen Geräte sind allgegenwärtig, sie verändern unsere Welt zum Guten wie zum Schlechten. Verweigerung alleine löst das Problem nicht. Was also können wir tun? Nachhaltige Konzepte in der Produktion einfordern und Hersteller unterstützen, die diese nachhaltigen Konzepte umsetzen oder gleich auf die Community setzen und gemeinsam daran arbeiten, die Produktion zu verändern. Die wichtigsten Ansätze sind dabei:
    1. Recyclingfähigkeit der Geräte und ihrer Komponenten
    2. Offene Systeme, die sich den veränderten Anforderungen durch modularen Aufbau anpassen
    3. Schlanke OpenSource Betriebssysteme und Programme einsetzen, die auf den Widget/Gadget-Schnickschnack verzichten, wenn nötig.
    4. Prüfen, wo man seine Informationen im Internet bezieht und mit welchem Aufwand diese bereitgestellt werden.
    Und wie das Fairphone und auch die vielen Opensouce/Openhardware-Ansätze beschreiben, dibt es durchaus Chancen, daß wir als Verbraucher die Richtung vorgeben. Ich glaube, daß es sehr wichtig ist, daß in einer breiten Öffentlichkeit die Probleme, aber auch mögliche Wege aus dem Dilemma durch Aufklärung, Vernetzung und Organisation diskutiert werden. Nur dadurch läßt sich etwas verändern, der soziale Druck auf die Hersteller muß so steigen, daß sie keine Alternative haben. Und ein guter Weg ist, wenn die Community an der alternativen Beschaffung von Komponenten und an der alternativen Produktion arbeitet und sie umsetzt. Ich denke hier sind kreative Ideen gefragt. mehr weniger
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    schrieb am 17.02.2013 um 21:37
    Ein einziges Desaster und es geht wie so immer - um bedrucktes Papier - Gott-Ersatz->Geld!
    Der Wahnsinn nimmt kein Ende. Jeder kann sich hierzulande informieren, sein Leben demenstsprechend ändern. Es wird viel gemotzt, die Schuldigen gesucht/gefunden. Alles Schlechte auf andere projiziert. Kaum jemand macht das notwenidge und fängt bei sich selbst an, analysiert den eigenen Beitrag zu diesen Vorkommnissen. Es ist so- der Verbraucher (sein Konsumverhalten!) bestimmt was auf dem Markt ist! Handy´s sind in der Herrstellung, in der Entsorgung aber auch während der Nutzung brandgefährlich für Umwelt und Organismen. Ein Milliardenmarkt der hohe Zugewinne verspricht und wie damals, als die PC`s den Markt eroberten, ein sich ständig erneuerndes Segment, dass Käufer dazu animiert das topaktuellste und technisch neueste Gerät zu besitzen. Die Technik hat es aber in sich und ist gefährlich! Siehe hier:

    http://www.mobilfunk-macht-krank.eu/

    da steckt viel drin und die Langzeitfolgen baden unsere Kinder und Kindeskinder aus. Die jetzigen Profiteure reiben sich die Hände!

    Wir haben nur einen Planeten und der "moderne" Mensch der sich alleine wähnt im Universum, hat diesen Planeten in weniger als ca. 300 (Industriezeitalter ab 1850) zum ernsthaft Erkrankten gemacht. Machen wir so weiter ist er bald Todkrank ....und für alle lebensbedrohlich. Jetzt leiden "nur" die Ausgebeuteten weit weg von unserer Haustür. Aber sie werden näher rücken und irgendwann bekommen wir die Quittung für unsere Gier und unverantwortliche Wegwerfmentalität. Ursache=Wirkung! Früher oder später fällt unser Handeln auf uns zurück. Gerechtigkeit braucht manchmal länger, aber sie bleibt nie aus. mehr weniger
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    schrieb am 15.02.2013 um 22:42
    durch den kauf eines gebrauchten handys unterstützen wir die Quellen genauso wie durch den Kauf eines neuen Handys, da es dadurch für den trendsüchtigen um so interessanter wird, sich ein neues zu kaufen
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    schrieb am 14.02.2013 um 23:02
    Ein Wahnsinn was da so alles passiert.
    Ist es sichergestellt, dass man zum Recycling übergebene Handys auch in der richtigen Entsorgungslinie landen ? Wie kann es sonst vorkommen, dass lt. Bericht aus einer ganz unqualifizierten Edelmetallgewinnung wieder die Umwelt so belastet wird. Werden da Handys aus Europa nach China transportiert ?
    Die Wirtschaftstreibenden, die so gewonnene Edelmetalle übernehmen, gehören ehest zur Verantwortung gezogen. Alle an solchen Umweltbelastungen Beteiligten, sind ohne Gasmaske und ohne Schutzkleidung im verseuchten Gebiet anzusiedenl um die Umweltschäden wieder zu entfernen. mehr weniger
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    schrieb am 14.02.2013 um 19:22
    Ich finde das mit dem farlphone super. und werde es sicherlich untersützen, sobald ich ein Neues Handy brauche, weil das Alte nicht mehr geht. fair... ware eine gute Sache für alle Elektrogeräte. Ich bin dabei.
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