Herr Lantschner, was ist ein Klimahaus?
Ein Klimahaus ist ein Synonym für energiesparendes, energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Es ist gleichzeitig ein zertifizierter Standard für einen Hausbau, der das Ziel hat, den Energieverbrauch zu reduzieren und den Restenergiebedarf durch regenerative Energien zu ersetzen.
Warum sollen wir Klimahäuser bauen?
Es sprechen drei Punkte für ein Klimahaus. Erstens: Die Energiekosten werden gesenkt, in Zeiten steigender Ölpreise ein starkes Argument. 70 bis 90 Prozent der Energiekosten können durch ein Klimahaus eingespart werden. Zweitens: Der Wohnkomfort steigt, da man in einem angenehmeren, besser isolierten Raumklima lebt. Und letztlich leistet man durch den Hausbau einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz, da durch die Energieeinsparung auch CO2 eingespart wird.
Woher genau kommen die 70 bis 90 Prozent Energieeinsparung?
Viele Häuser verlieren viel Wärme, da ein Mindestwärmeschutz nicht eingehalten wird. Wichtig sind in diesem Fall folgende Dinge: hohe Wärmedämmung der Gebäudehülle, Wärmeschutzfenster sowie die Lüftung optimieren. Wenn man bedenkt, dass ein mittelgroßes Einfamilienhaus während eines einmaligen Lüftens aller Zimmer einen halben Liter Heizöl verbraucht, wird einem die Bedeutung einer effizienten Komfortlüftung deutlich bewusst.
Energieeffizientes Bauen ist heute sehr in Mode. Was hat sich im Rückblick auf die letzten Jahre geändert?
Energieeffizientes Bauen ist eine Mode, die wir zum Gesetz erheben müssen! 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfs in Deutschland fließt in Gebäude. Damit liegen die Gebäude noch vor der Industrie und vor dem Transportwesen. Man hat in der Vergangenheit, als Heizöl noch nichts kostete, entsprechend schlecht gebaut. Heute geht der Trend zum Nullenergiehaus. Nur zum Vergleich: Vor zwanzig Jahren verbrauchte man 25 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Heute sind es bei einem Klimahaus A nur drei Liter.
Was kommt in diesem Jahr?
Es wird eine Vielfalt an neuen Baumaterialien geben. Außerdem geht der Trend zu schlüsselfertigen Lösungen. Alles wird kundenfreundlicher, immer mehr Firmen bieten von der Planung bis zum Bau alles in einer Lösung an.
Und wovon kann man aus der Erfahrung der letzten Jahre abraten?
Do it yourself funktioniert nicht! Mal eben in den Baumarkt fahren und Dämmplatten kaufen – davon möchte ich abraten. Professionalität zahlt sich in diesem Bereich einfach aus. Was ich zudem falsch gedacht finde, ist der Trend, seinen Energiebedarf primär durch alternative Brennstoffe zu ersetzen. Denkt man an Palmöl, hat man zwar einen alternativen Kraftstoff, dessen Herkunft jedoch weder regenerativ noch nachhaltig ist. Primär müssen wir überlegen: Wie lässt sich mein Energiebedarf senken? Erst dann kann ich mir Gedanken machen, wie ich den Restenergiebedarf durch regenerative Energien ersetze.
Herr Lantschner, vielen Dank für das Gespräch.
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Foto: privat
Norbert Lantschner ist Direktor des Unternehmensberatung Klimahaus Agentur in Bozen.
www.klimahausagentur.it.
Die Messe Klimahouse findet vom 17. bis 20. Januar in Bozen statt. www.klimahouse.it


Kommentare (4)
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hat man aber zugriff auf zuverlässige professionelle informationen, steht bei entsprechendem talent und mentaler einstellung der ausführung von anstehenden arbeiten nichts im weg. im gegenteil,- es ist immer noch vergleichsweise schwierig, bauunternehmer und handwerker zu finden, die gewünschte optionen ausserhalb ihres angebotes auch ausführen oder die entsprechende alternativen auch kommunizieren.
ich stimme Jeff zu, daß man sich sehr gut informieren kann und muß, wenn man selber Hand an ein Haus legen will. Erfahrungen bei anderen erfragen ist ein wichtiger Faktor, aber eigene Erfahrung in Form von Praxis ist ebenso wichtig. Und bei all den Möglichkeiten muß man irgendwann eine Entscheidung treffen und durchziehen.
Als ich vor ca. 15 Jahren in einer Tischlerei ökologisch Bauen kennenlernte, wußten auch die Mitarbeiter dort noch nicht viel über Winddichtigkeit und gute Dämmung. Das dürfte sich inzwischen geändert haben. Ich jedenfalls habe an diversen Bauten meine Erfahrungen gesammelt und bin mit dem Resultat meiner letzten Dachdämmaktion sehr zufrieden.
Wohlige Wärme umgibt mich seit letztem Winter in der Heizperiode und angenehme Kühle im heißen Sommer!
Grüße von Marion
Wo ist denn der Baustandard eines "Klimahauses" zertifiziert und festgelegt?
Doch wohl nicht in Deutschland?
Da man unter einer Zertifikation ein Mittel zur Sicherstellung von Qualitäts- und/oder Nachhaltigkeitsstandards versteht, sollte sie für eine Region festgelegt und gesetzlich abgesichert sein.
Damit der Standard dann bei Nichteinhaltung auch einklagbar ist!
Was sind die genauen Anforderungen bezüglich Dämmstandard und Energiebedarf eines "Klimahauses"?
Wenn man in Deutschland mit einem Energieberater spricht, dann gibt es nur zertifizierte Wärmedämmstandards.
Energieeffizienzhaus 55 ode 70
Passivhaus
Und diese Standards sind industrieweit anerkannt und zertifiziert.
Vielleicht sollte man bei der Recherche mal mit einem deutschen Energieberater sprechen um zu überprüfen, ob italienische Zertifizierungen auch hier gelten ...