"India-Fling” in München
2Die bayerische Landeshauptstadt hat nicht nur ein neues Eco-Fashion-... mehr
besser: wissen - machen - kaufen
Vor Brigitte von Puttkamers Glore-Shop reicht ein kurzer Blick in die liebevoll dekorierte Auslage, um die Winterkälte schon vor der Türschwelle hinter sich zu lassen. Glore, im Münchner Glockenbach-Viertel gelegen, ist mehr als schicke Organic-Fashion – der kleine Laden ist eine Herzensangelegenheit. Brigitte von Puttkamer führt unter dem Motto „globally responsible fashion“ seit April 2008 ausschließlich Mode, die umweltgerecht und unter fairen sozialen Bedingungen hergestellt wird. Im Interview mit Utopia verrät die studierte Modedesignerin, warum sie der konventionellen Modewelt den Rücken kehrte - und weshalb sie es lohnenswert findet, Eco-Fashion zu tragen.
Utopia: Öko und Mode klingt erstmal nach Gegensatz – wie passt das zusammen?
Brigitte von Puttkamer: Na wunderbar. Klar, im herkömmlichen Sinn hat man Ökomode eher mit Verzicht verbunden. Das neue an Eco-Fashion ist aber, Mode bewusster zu konsumieren. Sich in gut designte Ökomode zu kleiden, die gleichzeitig fair produziert ist - und mit der man sich auch in der eigenen Haut wohler fühlt.
Was kommt bei Glore ins Regal?
„Globally responsible fashion“ vereint drei Kriterien - die bei uns keinesfalls nur ein Trend sind: Erstens muss die Mode, die wir in unserem Sortiment führen, so umweltfreundlich und zweitens so fair wie möglich produziert worden sein. Also unter Einhaltung ökologischer und sozialer Standards. Drittens verkaufen wir, was wirklich „fashion“ – also modisch und stylisch ist. Die Auswahl reicht von T-Shirts über Sneakers und Hoodies bis zu Babymode, Schmuck und Cashmere-Schals.
Wieviele Labels haben Sie denn bei Glore im Angebot?
So um die 40. Diese setzen bei der Produktion zum Teil unterschiedliche Schwerpunkte: Marken wie Slowmo aus Berlin, die ausschließlich kontrolliert biologisch in Deutschland produzieren lassen. Luxusbaba oder Ashley Watson, die ihre Designerstücke aus recyceltem Material fertigen. Und Labels wie Kuyichi, die gezielt weltweit mit zertifizierten Unternehmen arbeiten, um in Entwicklungs- und Schwellenländern für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen.
Wer kauft bei Ihnen grüne Mode?
Der Hauptteil der Kunden ist zwischen Ende zwanzig und Ende dreißig, aber auch immer mehr Schüler und Junggebliebene fragen nach Greenfashion. Günstig, dass Glore im Münchner Szeneviertel „Glockenbach“ liegt, hier spielt Mode und Lifestyle eine große Rolle. Der eine Teil kommt gezielt bei Glore vorbei, der andere Teil eher zufällig: Viele Leute wissen gar nicht, wie groß mittlerweile die Auswahl an coolen Öko- Labels ist: weltweit über 400 Labels. Da gibt es immer noch große Aha-Effekte.
Vielen ist Öko-Mode einfach doch noch zu teuer. Was sagen Sie, um Ihre Besucher zu überzeugen?
Man muß nur mal unsere Mode mit konventioneller Markenware vergleichen, die übrigens nicht unbedingt günstiger ist. Auch in der Eco Fashion gibt es Preise "von bis". Uns ist wichtig, dass die Qualität stimmt, damit das Produkt auch eine lange Lebensdauer hat. Natürlich ist jegliche Art von Produktion umweltschädlich - trotzdem ist beispielsweise Biobaumwolle weitaus ökologischer als konventionelle. Und wer Allergiker ist oder Kleidung für sein Baby sucht: Hochwertige Stoffe ohne Pestizide sind wesentlich besser für empfindliche Haut und Gesundheit.
Wann haben Sie denn Ihr eigenes Öko-Glaubensbekenntnis abgelegt?
Das hat schon in meiner Kindheit angefangen. Mit zwölf habe ich aufgehört, Fleisch zu essen, nachdem ich Berichte über Tiertransporte und Schlachthöfe gesehen hatte. Später, als junge Modedesignerin habe ich mitbekommen, unter welchen Bedingungen konventionelle Mode in Asien produziert wird. Ich habe Lieferungen in der Hand gehabt, die nach Chemikalien gestunken haben. Mir wurde klar, dass ich Mode anders machen muss. Anfänglich habe ich noch gezögert. Doch als der Eco-Fashion-Hype durch die Medien ging, hab ich mir gedacht: „Wenn du es jetzt nicht machst, dann machen es andere.“
In Zeiten der Wirtschaftskrise ist Sparen angesagt. Wie sieht es mit grüner Mode aus, kriegen Sie die Krise zu spüren?
Ich kann keine genaue Entwicklung ausmachen. Meinen Laden gibt es ja erst seit April 2008. Bis Ende Dezember war aber definitiv keine Krise spürbar. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass der grüne Modebereich nicht so sehr betroffen sein wird wie der konventionelle - weil Menschen gerade in schweren Zeiten zu alten Werten zurückkehren.
Ihr ökorrekter Mode-Tipp für den Frühling?
Die Basic-Longsleeves von Stewart & Brown, die liegen garantiert länger als nur einen Frühling im Trend - und sind in tollen Farben zu haben: von Neongelb über alle möglichen Beerentöne bis Petrol und Lila.
Werfen Sie einen Blick in Brigitte von Puttkamers Glore Shop. Hier können Sie die Bildstrecke starten.
Glore gibt's übrigens auch in Nürnberg. Neben den Concept-Stores vor Ort kann auch online bei Glore eingekauft werden unter www.glore.de. Alle Warensendungen werden CO2-neutral verschickt.
Die Läden:
Nürnberg
Karl-Grillenberger Str. 24
90402 Nürnberg
Telefon: 0911-891 5955
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11-19:30h, Samstag 11-19h
München
Baader Str. 55
80469 München
Telefon: 089-189 12 825
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11-19h, Samstag 11-18h
Berlin
Belleville Store
Rosa-Luxemburg Str. 27
10178 Berlin
Telefon: 030-2462 8371
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 12-20h
Fotos: Kathrin Bach
Kommentare (8)
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Oliver_L
schrieb am 10.02.2009 um 16:15 ¶sophiedez
schrieb am 06.02.2009 um 13:19 ¶Kommentar schreiben
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