Grüne Pioniere - Armin Vielhaber im Interview

"Noch einmal nach Afghanistan!"


In der Reihe "Grüne Pioniere" präsentiert Utopia in loser Folge Persönlichkeiten, die nicht erst seit gestern mit einer (Geschäfts-)Idee das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz konsequent verfolgen. Zum Auftakt haben wir mit einem Pionier für nachhaltige Reisen gesprochen: Armin Vielhaber. Wenn Sie uns einen Tipp geben möchten, wer ein "Pionier" ist im Zusammenhang mit strategischem Konsum, den oder die wir auch vorstellen sollten, dann schreiben Sie uns unter Betreff "Pionier" an redaktion (at) utopia.de

Utopia: Wann sind Sie selbst das erste Mal mit einer fremden Kultur in Berührung gekommen?

Armin Vielhaber: Mit 21 hab ich den großen Sprung gewagt und mich in München mit dem Rucksack an die Autobahn gestellt: Per Anhalter und mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis nach Japan, über die Türkei, Iran, Afghanistan, Indien – als Nicht-Hippie auf dem Hippie-Trail. Zurück über die UdSSR mit dem Schiff und der Transsib bis Ostberlin. Sechs Monate war ich unterwegs, das war 1965/66.

Was ist Ihnen davon besonders im Gedächtnis geblieben?

A. V.: Afghanistan: die Landschaft, die archaische Kultur, die interessanten Menschen. Dabei wusste ich vorher kaum etwas über dieses Land.

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Wie ging es weiter?

A. V.: Auf meiner Suche nach weiteren Informationen bin ich auf den Studienkreis für Tourismus e.V. gestoßen, der sich mit internationaler Verständigung beschäftigte. 1971 war ich noch einmal in Afghanistan, um eine Studie für meine Diplomarbeit durchzuführen – damals zählte das Land 100.000 ausländische Touristen pro Jahr. Danach wurde ich Leiter des neu gegründeten Referats Ferntourismus beim Studienkreis und 1974 brachten wir, im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, das erste Sympathiemagazin heraus: „Kenya verstehen“

Damit liefen Sie damals gegen den tourismuskritischen Zeitgeist.

A. V.: In den 60er Jahren hatte man die aufkommende Reiselust in ferne Länder sehr euphorisch gesehen, weil sie Devisen, Arbeitsplätze und Völkerverständigung bringen würde. Aber in den 70ern begann man vor allem den Dritte-Welt-Tourismus zu hinterfragen.

Diese Diskussion wird auch heute noch geführt. Ist Aufklärung die richtige Antwort auf diese Kritik?

A. V.: „Sympathie-Magazine“ verstehen Reisen als Chance, das Fremde besser zu verstehen und mit neuen Einsichten zurück zu kommen. Das vermitteln sie dem Leser, ohne pädagogischen Zeigefinger. Wir berichten mit Zuneigung aber auch kritischer Distanz von Alltag und Lebensweisen, Kunst und Wirtschaft, Geschichte und Politik des Gastlandes und stellen dabei immer die Menschen in den Mittelpunkt. Seit 1974 haben wir eine Gesamtauflage von rund 7,5 Millionen Heften.

Durch das Internet ist die Welt näher zusammen gerückt. Trotzdem ist das Interesse am Sympathie-Magazine auch nach 35 Jahren noch groß.

A. V.: Das Internet hat sicher seine guten Seiten. Aber was fangen Sie mit 100.000 Google-Treffern an? Unsere Leser bekommen in kompakter Form glaubwürdige und ausgewogene Informationen, denn wir arbeiten mit sachkundigen, deutschen und einheimischen Autoren zusammen. Das Heft können Sie sogar noch auf der Anreise lesen, danach wissen Sie schon besser, wie das Land tickt.

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    Dude
    schrieb am 31.05.2010 um 15:31
    Eine sehr wichtige Aussage von Armin Vielhaber ist: "Am besten lässt man die Messlatte „besser/schlechter als bei uns“ zuhause." Es ist für die meisten Menschen sicherlich sehr schwer sich auf eine fremde Kultur einzulassen, ohne die eigene im Hinterkopf zu haben. Aber ich glaube das gerade hier...
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    muab-renielk
    schrieb am 31.05.2010 um 14:36
    LWP für die bisherigen Kommentare, v.a. von Pirat-der-Freiheit und ganz besonders auch von Nschotschi
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