Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Ausstellung „Annual Reports“ – Nachhaltigkeitsberichte

"Grüne Illusionskünstler werden enttarnt"


Nachhaltigkeitsmanagement ist kein Modetrend, so das Ergebnis einer Studie. Nach Angaben von 62 Prozent der befragten Unternehmen wurde das Budget auch während der Krise nicht reduziert. Bei jedem dritten Betrieb ist die Bedeutung von Nachhaltigkeit sogar gestiegen. Das Corporate Sustainability Barometer der Leuphana Universität Lüneburg und des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers weißt auf, dass viele Firmen ihre Nachhaltigkeitsinitiativen jedoch nicht zum Wettbewerbsvorteil nutzen. Die Vermarktung von ökologisch und sozial vorteilhaften Produkten kommt laut der Studie zu kurz. Die 112 befragten, deutschen Unternehmen integrieren ihr Rechnungswesen und ihre Finanz- und Controlling-Abteilungen meistens nicht in ihre Nachhaltigkeitspolitik.

Drei Viertel der Unternehmen beschäftigen sich bereits aktiv mit dem Thema Nachhaltigkeits-Management, jedoch setzen viele Firmen ihre selbstauferlegten Ziele noch nicht in die Tat um. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie von Kienbaum Consultants International. In 94 Prozent der Fälle geht die Initiative für ein gesteigertes Nachhaltigkeits-Management vom Vorstand aus. Bei 82 Prozent der Unternehmen werden die Maßnahmen sogar von einem Vorstandsmitglied geleitet. Allerdings geben nur acht Prozent der für die Studie befragten Unternehmen an, dass Nachhaltigkeitsprinzipien Teil ihres Leitbilds sind. Die Studie bemängelt vor allem die Kommunikation der positiven Maßnahmen an die Öffentlichkeit, welche 15 Prozent der Unternehmen gar nicht betreiben.

Utopia: Herr Poppe, wenn wir uns das Ergebnis der beiden Studien anschauen, müssen wir uns fragen, woran es liegt, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsinitiativen nicht viel mehr zum eigenen Wettbewerbsvorteil nutzen?

Peter Poppe: Es geht ja nicht nur darum, dass Unternehmen das eine oder andere ökologische Produkt anbieten oder weniger Abfall produzieren. Es geht darum, dass Unternehmen sich umfassend am Leitbild der unternehmerischen Verantwortung ausrichten und Werte schaffen für alle Anspruchsgruppen, die sogenannten „Stakeholder“, also für Aktionäre wie Kunden, für Mitarbeiter wie die Gesellschaft. Das erfordert, dass Unternehmen Nachhaltigkeit und Stakeholder Value systematisch in die Verfolgung der Geschäftsziele integrieren. Nur auf dieser Basis kann man langfristig Geschäft aufbauen.
 
Sind aus Ihrer Sicht viele Unternehmen schon viel weiter, als wir Konsumenten landläufig wissen?

P.P.: Eine allgemeine Aussage lässt sich nicht treffen. Da muss man sich jeden Einzelfall anschauen. Es gibt grün angestrichene Unternehmen, wo nur die Fassade glänzt. Andere Unternehmen, bei denen man es nicht vermutet, arbeiten sehr systematisch an diesen Themen. Als positive Beispiele würden mir die Deutsche Telekom, BASF, Henkel oder der Otto Versand einfallen.

Wäre es als ein Wagnis einzustufen, heutzutage als Unternehmer noch einen Geschäftsbericht zu veröffentlichen, in dem das Thema Nachhaltigkeit nicht berücksichtigt wird?


Beantworten Sie Peter Poppes Frage an die Utopia-Community auf Seite 2 und gewinnen Karten für die "Annual Reports".

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Stand: 16.09.2010 von

Kommentare (6)   abonnieren

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    schrieb am 16.09.2010 um 17:10
    Anzumerken ist hier aus meiner Sicht, dass bestimmte Branchen und Geschäftsmodelle in ihrer gegenwärtigen Ausprägung per se nicht nachhaltig sind/sein können. Zum als Vorbild genannten Unternehmen BASF gehören z. B. Geschäftsbereiche, die absolut nicht damit in Einklang zu bringen sind, z. B. http://www.basf.com/group/corporate/de/products-and-industries/segments-products/agricultural-solutions - die Untersparte Plant Science arbeitet z. B. mit Monsanto zusammen, und das Beispiel der Amflora-Kartoffel ist sicher noch präsent. Was nützen da schöne Nachhaltigkeitsberichte?
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    schrieb am 17.09.2010 um 13:09
    Die Nachhaltigkeits-Budgets wurden nicht trotz sondern wegen der Krise beibehalten. Nachhaltigkeit ist eng mit Ressourcenschonung verbunden, und Ressourcenschonung bedeutet wiederum Kosteneinsparung. Wenn man also dasselbe Produkt mit weniger Materialeinsatz oder Transporkilometern innerhalb der Supply Chain fertigen kann, dann steht ein schönes Saving zu Buche. Der gutgläubigen Öffentlichkeit aber wird suggeriert, man hätte ein Nachhaltigkeitsprojekt verfolgt. Wenn beispielsweise die Lufthansa vorrechnet, wieviel CO2 eine bessere Strukturierung des Luftraumes aufgrund der weniger geflogenen Warteschleifen einspart, dann vergißt sie zu erwähnen, dass der eigentliche Nutzen in den entsprechend reduzierten Treibstoffkosten besteht. Und hier liegt das eigentliche Motiv für ihr Engagement. So weit so gut - wenn's der Nachhaltigkeit hilft. Die Frage ist nur, wie verhalten sich die Unternehmen, wenn sämtliche Effizienzgewinne ausgeschöpft sind? Ich stimme da Steffen Walter zu: man muss auf das Geschäftsmodel schauen. Anderenfalls produziert man nur "nachhhaltig"...Blodsinn!
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    schrieb am 17.09.2010 um 14:58
    Aus meiner Sicht ist das motiv für CO2-Reduktion oder andere nachhaltige Projekte völlig zweitrangig bzw. bin ich so realistisch anzuerkennen, dass gerade für börsennotierte Unternehmen der wirtschaftliche Aspekt bei derlei Aktivitäten im Vordergrund steht. Für mich zählt, was dabei herauskommt.

    Und da es noch ein weiter Weg ist, bis alle Effizienzgewinne ausgeschöpft sind, gehe ich stark davon aus, dass bis dahin neue "Baustellen" entstehen. Blödsinn ist für mich, wenn Unternehmen genau das nicht erkennen, dass nämlich Nachhaligkeit durchaus ein Business Case ist - nicht nur, was die Reputation betrift.
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    schrieb am 20.09.2010 um 07:37
    Ich besitze keine Aktien, habe aber trotzdem Geld investiert, z.B. über Lebensversicherungen, die dann wiederum Fonds auflegen. D.h., dass ich mich schon sehr stark informieren wollen muss, um überhaupt zu erfahren geschweige denn Einfluss zu nehmen darauf, welche Unternehmen ich mit meiner Lebensversicherung unterstütze. Der Nachhaltigkeites- oder Geschäftsbericht eines Unternehmens hat auf diese Entscheidung dann überhaupt keinen Einfluss mehr. Ich würde es aber begrüßen, wenn es zu den Unternehmen, die die Institute, bei denen ich Finanzprodukte kaufe, so etwas wie ein Kurzübersicht bereit stellen würden, die diese Informationen aus den entsprechenden Berichten übersichtlich zusammenfasst. Denn grundsätzlich würde ich viel lieber nach guten Kriterien entscheiden, anstatt das irgendwelchen Fondsmanagern zu überlassen.
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    schrieb am 20.09.2010 um 15:22
    Ich finde Nachhaltigkeitsberichte sind ein schwieriges Thema. Der Durchschnittsverbraucher wird diese nicht lesen, sie sind viel zu komplex. Ich denke Unternehmen sollten zusätzlich zu Berichten Ihre Handlungen einfach viel konkreter machen, offen darüber kommunizieren, vielleicht auch mit Aktionen verknüpfen an denen sich die Verbraucher beteiligen können. Das sensibilisiert zusätzlich Verbraucher, die sich vielleicht noch nicht mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt haben.
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    schrieb am 20.09.2010 um 17:30
    Ich habe soeben mal versucht zu überblicken, was denn nun CSR nach dem Barometer der Leuphana Universität Lüneburg eigentlich bedeutet. Wirklich Zielvorgaben habe ich nicht entdecken können (zumind nicht auf den ersten und schnellen Blick). Wenn ich unter CSR also verstehe Energiesparende-Maßnahmen in meinem Unternehmen einzubinden, dann ist das Bloße Verwenden von Glühbirnen ja bereits CSR, oder?! Etwas zu schwammig für meinen Geschmack...klar, im Endeffekt hat das schon eine Wirkung, aber darf sich ein Unternehmen ernsthaft gleich mit einem Nachhaltigkeits-Emblem versehen?
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