Wie schwierig ein Voranschreiten in dieser Richtung ist, zeigt das Beispiel Island. Die Nordländer hatten einzelnen Staaten der EU – darunter auch Deutschland – bereits in den 90er Jahren angeboten, die enormen Wasserkraftkapazitäten der Insel zu nutzen und klimafreundlichen Strom via Seekabel zu beziehen.
Die Europäer zeigten ihnen die kalte Schulter, so dass sich Island dafür entschieden hat, die energieinten-sive Aluminiumindustrie ins Land zu holen, um sein Wasserkraftpotenzial zu nutzen. Dennoch stehen die Chancen für einen weiträumigen Stromtransport heute wesentlich besser. „Durch den drohenden Klimawandel wird vieles möglich, was noch vor kurzem undenkbar schien“, betont Armin Haas vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Die Kapitalmärkte sind bereit, die großräumige Stromversorgung zu finanzieren, benötigen hierzu aber stabile politische Rahmenbedingungen. Sie zu schaffen, sollte eine vordringliche Aufgabe der neuen Mittelmeerunion sein.“
Der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ hat bereits im letzten Jahr den Einstieg in ein HGÜ empfohlen: „Als technischer Leuchtturm für Europa wird die Realisierung eines transeuropäischen Hochleistungsnetzes für elektrische Energie vorgeschlagen“, heißt es in spröden Worten. „Dieses Netz ermöglicht den innereuro-päischen Stromaustausch und dient damit dem Ziel einer kostengünstigen Stromversorgung.“ Mit diesem Netz wäre die Voraussetzung dafür geschaffen, ganz Europa mit alternativen Energien zu versorgen. „Damit Unternehmer in diese Richtung investieren können, brauchen sie beispielsweise Einspeisegesetze, die im Ausland erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien vergüten“, betont Armin Haas. Damit bekommen Kraftwerksbetreiber Investitionssicherheit, wenn sie in großer Ferne Wind- und Sonnenkraftwerke finanzieren. Und wir alle können darauf hoffen, dass im Jahr 2050 unser privater Gerätepark tatsächlich ohne große CO2-Last an der Steckdose hängt.
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