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Utopia: Herr von Bomhard, die Firma Apple bewirbt ihre aktuelle Macbook-Reihe mit der Botschaft "Das grünste Macbook aller Zeiten". Können wir dem Hersteller das abnehmen?
Sebastian von Bomhard: Auf eine Art ja. Denn aus Sicht von Apple zumindest, das jahrelang nicht einen einzigen Gedanken an den Umweltschutz verschwendet hat, etwa daran wie seine Geräte verschrottet werden, ist das neue Macbook tatsächlich das "grünste aller Zeiten", das Apple auf den Markt gebracht hat. Sie merken, worauf ich anspiele: Apple ist reichlich spät auf diesen Zug aufgesprungen.
Foto: SpaceNet AG
Die Cebit steht in diesem Jahr unter dem Motto "Green IT". Wie erklären Sie sich, dass Unternehmen wie Apple einerseits viel Geld in grüne Werbung stecken und andererseits nicht einmal auf der weltweit größten Computermesse vertreten ist?
S.v.B.: Das sehe ich ganz pragmatisch. Es gibt heutzutage keinen Grund mehr für Firmen, auf einer Computermesse präsent zu sein. Was sollen die Leute denn noch anfassen? Ich sehe in solchen Veranstaltungen wenig Sinn: Tausende Menschen steigen ins Flugzeug und bevölkern eine Stadt, nur um sich zu treffen. Wenn ich mir das neue Microsoft Office-Paket Office anschauen möchte, mache ich das einfacher und umweltschonender im Internet.
Möglich wäre doch, dass der Kunde sich auf der Cebit über "Green IT"-Lösungen beraten lässt. Umweltschützer sagen nicht umsonst, dass die IT-Branche die Verbraucher zu wenig über grüne Technologien aufklärt.
S.v.B.: Das sehe ich nicht so, die Beratung liegt doch bei den Unternehmern vor Ort. Wenn der Kunde durch ein Beratungsgespräch einen Anreiz bekommt, ein Produkt zu kaufen, hat es sich für beide Seiten gelohnt. So einfach ist das. Umgekehrt müssen die Verbraucher den Herstellern ein Stück weit vertrauen.
Sprich, die Bürger bleiben ein Stück weit unmündig und müssen stillschweigend hinnehmen, was die IT-Industrie Ihnen vorsetzt?
S.v.B.: Nein. Unternehmenspolitik muss in jedem Fall transparent sein. Zudem brauchen wir verlässliche Prüfsiegel, die über die Umwelttauglichkeit von Endgeräten Aufschluss geben. Etwa darüber,
wieviel Energie ein Computer benötigt. Zudem vergessen wir gerne, dass "Green IT" nicht nur Stromsparen bedeutet, sondern auch, wie gut recyclebar ein Gerät ist und ob giftige Stoffe dafür verwendet wurden. Der Kunde muss zudem wissen, dass lange Laufzeiten sich lohnen. Bei Servern beträgt sie häufig zwei, drei, vier Jahre. Das ist nicht nachhaltig genug.
Bleiben wir bei stromsparenden Computern. Einigen neuen Notebooks wird nachgesagt, dass sie besonders sparsam sind. Ist das tatsächlich so, oder will die Industrie möglichst kleine Modelle pushen?
S.v.B.: Fakt ist, dass einige neue Notebooks bei höherer Leistungsfähigkeit weniger Strom verbrauchen. Ein Problem ist allerdings, dass die Hersteller auf lange Sicht die Leistungsfähigkeit ihrer Geräte steigern wollen und am Ende doch nicht so viel Energie gespart wird. Das ist in der Autobranche, wo es inzwischen auch verbrauchsärmere Modelle gibt, leider nicht anders. Doch abgesehen davon gibt es auch zunehmend stromsparende Lösungen für PCs.
Was kann der Einzelne denn tun, um Strom etwa im Privathaushalt zu sparen?
S.v.B.: Denken Sie nur an die Mehrfachsteckdose. Das Prinzip ist so simpel wie ernüchternd. Wer den Standby-Modus vermeiden will, schaltet den Stecker, an den sämtliche Geräte angeschlossen sind, ganz einfach aus. Das Bespiel macht deutlich, dass wir erst ganz am Anfang sind: Den Saft ausschalten, wenn wir ihn nicht brauchen - das klingt doch, als hätten wir Verhältnisse wie in der Steinzeit! Und trotzdem haben darüber hinaus die Fachleute ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln entwickelt. Denn es gibt intelligente Lösungen, mit denen wir den CO2-Ausstoß enorm runterfahren können.
Zum Beispiel?
S.v.B.: Eine Technologie, in die ich sehr viele Hoffnungen setze, ist das sogenannte variable Ethernet, das man etwa braucht, um Rechner in verschiedenen Räumen oder Gebäuden intern miteinander zu verbinden. Ein neuer Gedanke ist hierbei, die Geschwindigkeit der Datenpakete anzupassen und nur dann zu beschleunigen, wenn man eine Funktion tatsächlich nutzt. Dadurch könnten wir enorm CO2 einsparen. Das Problem ist bisher, dass es keine allgemeingültige Norm für das Ethernet gibt, aber das ist nur noch eine Frage der Zeit. Eine amerikanische Studie besagt, dass allein in den USA mehrere hundert Millionen US-Dollar im Jahr durch die Anwendung gespart werden könnten. Eine weiterer Trend ist beispielsweise das sogenannte Cloud-Computing, die Nutzung von Software und Hardware als Service von Anbietern übers Internet. Dabei befinden sich Anwendungen und Daten nicht mehr auf lokalen Rechnern, die allesamt viel Strom verbrauchen, sondern sie werden durch ein Netzwerk auf andere Systeme verteilt.
Und trotzdem kann Green IT vermutlich niemals grün sein.
S.v.B.: Das würde ich so nicht sagen. Auch gesparter Strom ist gewissermaßen grün. Das Einsparpotenzial für Unternehmen ist groß: Was heute dank E-Mail-Verkehr an Papier vermieden werden kann. Oder denken Sie an den Fortschritt durch Videokonferenzen. Früher mussten wir wegen eines Geschäftsmeetings ins Flugzeug steigen. Man kann zudem über Grenzen hinweg gemeinsam am White-Board arbeiten und egal, wo die Kollegen sitzen, an Präsentationen miteinander arbeiten, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Also treffen die Cebit-Veranstalter Ihrer Meinung nach den Nerv der Zeit, wenn sie "Green IT" als einen Trend beschreiben?
S.v.B.: Sagen wir es so. Eine Überraschung ist es nicht, dass die Cebit "Green IT" zum Schwerpunkt hat. Grüne Technologien und Sicherheit im Internet sind sicherlich die wesentlichen Themen, die derzeit in der Branche diskutiert werden. Und trotzdem würde ich "Green IT" nicht als Trend bezeichnen. Mit Trends ist das nämlich so eine Sache. Sie kommen und gehen wellenartig. Seit der Wirtschaftskrise habe ich den Eindruck, dass die Umweltkrise regelrecht von anderen Gesprächsthemen überschattet wird. Green IT ist aber zu wichtig, um es als bloßen Trend auszumachen.
Also lieber abwarten und Tee trinken, statt sich über die Wirtschaftskrise zu ärgern?
S.v.B.: Nein. Ökonomie und Ökologie sind doch kein Widerspruch. Die Konsumenten erwarten jetzt konkrete Lösungen und Anreize. So stellt sich jeder Unternehmer zu Recht die Frage, ob sich nachhaltige Investitionen auf lange Sicht lohnen. Genau davon müssen die Verbraucher überzeugt sein.
Zur Person: Sebastian von Bomhard ist Vorstand der SpaceNet AG. Er ist Diplom-Mathematiker und war früher freiberuflich als DV-Unternehmensberater, Software-Entwickler und Journalist für diverse IT-Magazine tätig. Er rief zudem den Non-Profit-Verein MUC.DE e.V. ins Leben, der sich bereits seit 1992 für die Verbreitung des Internets in Deutschland einsetzt.
Kommentare (3)
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berniewa
schrieb am 03.07.2009 um 14:01 ¶dsaed
schrieb am 05.03.2009 um 12:03 ¶Kommentar schreiben
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