Irgendwann geraten Menschen wie Gisela Burckhardt nach Bangladesch, wo die Ärmsten der Armen auf der Welt leben. Die 58-jährige Bonnerin engagiert sich für die Schwächsten unter den Frauen. Die so viel leiden müssen für die große Schwäche von Frauen. Das ist die Ironie des Schicksals einer aufrechten Feministin, die sich mit Mode beschäftigt.
Obwohl sie sich eigentlich kaum dafür interessiert, am allerwenigsten für Couturiers und Models. Und doch so viel vom Fashion-Business versteht. Dank ihres Blicks, der dort beginnt, wo der Blick von "Vogue" und "Instyle" aufhört: an den Portalen der Textilverarbeitungsfabriken in Indien oder Korea. Wo Millionen Näherinnen unter erbärmlichsten Bedingungen schuften. Damit der Drogennachschub gesichert bleibt, der westliche Geschlechtsgenossinnen in Kaufrausch und Shoppingwahn versetzt.
Bevor sich Gisela Burckhardt der Mode zuwandte, hat die promovierte Pädagogin lange Jahre Erfahrungen in der Dritten Welt gesammelt. In Ländern wie Äthiopien und Pakistan begutachtet sie Entwicklungshilfe-Projekte für deren Auftraggeber, Behörden und gemeinnützige Institutionen zum Beispiel. Über ihre ehrenamtliche Tätigkeit für "Terre des Femmes" und "Netz-Bangladesch" kam sie zur "Kampagne für saubere Kleidung"(CCC). Ein Netzwerk aus Gewerkschaften und unabhängigen Organisationen, das sich für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie einsetzt. Einer Branche, die Burckhardt als "Pionierin der globalen Ökonomie" bezeichnet. Die bereits seit 20 Jahren dramatisch Einfluss auf die sozialen Zustände der Gesellschaft nimmt, vor allem in Ländern der Dritten Welt.
Die Profiteure des globalen Wettbewerbs und des damit einhergehenden Preisdumpings auf den Märkten sind die Kunden in den reichen Ländern, die in manchen Geschäften nur noch 1,99 Euro für ein T-Shirt zahlen. Und die Modekonzerne, die ihre Macht konzentrieren, um die Zulieferbetriebe immer weiter in die Abhängigkeit zu treiben. Deren fast ausschließlich weibliche Mitarbeiter immer mehr für immer niedrigere Löhne produzieren müssen, unter immer schlechter werdenden Bedingungen.
Gisela Burckhardt und ihre Mitstreiter haben dieses Phänomen am Beispiel der Bekleidungsdiscounter "Lidl" und "KiK" untersucht. Sie haben sich Einblicke in die Galeeren der modernen Sklaverei verschafft - in die Fabrikhallen der Bekleidungsin
dustrie in Bangladesch. Dort arbeiten Näherinnen für Hungerlöhne sieben Tage die Woche, bis zu 18 Stunden am Tag, manchmal auch nachts. Sie erleiden Demütigungen und sexuelle Übergriffe ihrer männlichen Aufseher. Arbeitsverträge bekommen sie nur selten und ihre Löhne werden nur sporadisch ausgezahlt. Mittagspausen, Kantinenverpflegung und sauberes Trinkwasser gelten in den Fabriken als Luxus. Urlaubstage ebenso. Wer wegen Krankheit ausfällt, riskiert seinen Job. Wer sich beschwert, fliegt sowieso.


Kommentare (3)
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Außerdem überwiegend faire oder in Deutschland produzierte Klamotten ... bis auf Ausnahmen oder alte Sachen.
Und das liegt größtenteils an der Kampagne!!!
DANKE