Manche Unternehmen wenden diese Faustregel an, indem sie eine geradezu überschwängliche Kundenkommunikation etablieren. Nach dem Motto: überschütte sie mit guten Nachrichten, dann bleibt dir negative Publicity erspart. Selbstverständlich geht diese Rechnung nicht auf, denn Menschen beschränken ihren Erfahrungshorizont nicht auf die bloße Kommunikation. Was zählt, sind Ergebnisse.
Diese Fehlinterpretation der Kommunikationsregel lässt sich auch anhand des Greenwashings studieren. Wenn ein Unternehmen sich damit brüstet, umweltfreundlich und nachhaltig zu handeln, tatsächlich aber über das bloße Altpapier-Recycling nicht hinaus kommt, ist das ein Schuss ins eigene Knie.
Umso verwunderlicher ist es, dass es Unternehmen gibt, die scheinbar das genaue Gegenteil praktizieren: das Verschweigen von nachhaltigem Engagement.
Vergangenen Monat vergab die Verbraucher Initiative die Auszeichnung "Nachhaltiges Einzelhandelsunternehmen 2009". Hierfür wurden ökologische und soziale Aktivitäten von deutschen Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut e.V. untersucht. Das Ergebnis: 30 von 45 teilnehmenden Unternehmen erhielten eine Auszeichnung. Dass Hessnatur und Gepa dabei mit Gold bedacht wurden, verwundert hier wohl niemanden. Dass Ikea ebenfalls zu den drei Goldmedaillenträgern gehört, schon eher. In der Silber-Kategorie sieht es sogar noch merkwürdiger aus, denn dort finden sich unter anderem Namen wie C&A, Aldi Süd, Otto, H&M, Penny, Rewe, Edeka und die Deutsche Telekom! Nebenbei: für einen scheinbar sicheren Kandidaten wie Alnatura hat es hier nur für Bronze gereicht. Merkwürdig, finden Sie nicht?
Verpasste Chancen durch Non-Kommunikation?
Das eigentlich Verwunderliche daran ist aber wie gesagt nicht, dass diese Unternehmen offenbar ihre ökologisch-soziale Verantwortung anerkennen und entsprechend handeln. Es ist die zaghafte Kommunikation dieser Aktivitäten. Das Zögern ist mit Angst vor Greenwashing-Vorwürfen zwar nachvollziehbar – gleichzeitig aber auch eine vergebene Chance. Denn es bestärkt die Gesellschaft in der Annahme, dass Ökologie und Ökonomie unvereinbare Widersacher sind.
Diese große Vorsicht bei der Kommunikation nachhaltiger Aktivitäten finden wir nicht nur bei Handelsunternehmen. Der Versicherungskonzern MunichRe, ehemals Münchener Rück, ist auch ein Beispiel dafür. Rund um Nachhaltigkeit hat sich dort eine solide Mischung aus Kompetenz und Kapital gebildet. Expertise zu Klimawandel und „Natur“katastrophen ist dort seit Jahren so ausgeprägt, dass kaum eine staatliche Institution mehr mithalten kann. MunichRe ist einer der Treiber für das von Desertec angeschobene Solarkraftwerk-Projekt in der Sahara und beeinflusst somit als Wirtschaftsunternehmen maßgeblich die viel beschworene Energiewende. Erst durch diese Aktivität hat der „hidden mover“ MunichRe mehr Öffentlichkeit bekommen.
Unternehmen sollten den Mut aufbringen, ihre nachhaltigen Aktivitäten auf die richtige Art und Weise zu kommunizieren. Absichten ebenso wie erste Fortschritte und große Errungenschaften. Nur so kann die Gesellschaft davon überzeugt werden, dass Ökologie und Ökonomie keine Kontrahenten, sondern Teamspieler sind. Die Öffentlichkeit ist kein unmündiges Kind, sie erkennt den gesellschaftlichen Wert nachhaltigen Handelns, wie das Verbraucherverhalten der vergangenen Jahre zeigt. Und sie ist in der Lage, redliches Bemühen anzuerkennen. Angelsächsische Handelsunternehmen wie Wal-Mart oder Marks & Spencer sind wesentlich offensiver darin, Mitarbeiter, Kunden und Öffentlichkeit mit auf den Weg zu nehmen, wenn sie sich in kleinen Schritten auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit machen.
Wie sieht Ihre Meinung aus – was können deutsche Unternehmen tun, um ihren nachhaltigen Aktivitäten mehr Ausdruck und Glaubwürdigkeit zu verleihen?


Kommentare (11)
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Insofern sollte der Appell eher an die Verbraucher gehen. Wer sich nur als Watchdog begreift und bei jeder Gelegenheit beißt, verhindert womöglich Schlechtes, fördert aber auch nicht Gutes."
Du hast vollkommen Recht, Jan, auch ich sehe darin eine Gefahr für das Ganze. Dieser Watchdog-Sport ist mMn die reine Energieverschwendung.
Eins darf man aber nicht verwechseln: Es ist beileibe nicht "die Öffentlichkeit" oder "der Verbraucher", der hier hauptsächlich lautstark agiert, sondern es sind immer nur einige - aber dafür entsprechend laute Zeitgenossen. Die vielen anderen - eine übergroße Mehrheit - sieht das beileibe nicht so, da bin sicher. Auch bei Euch haben 6.000 Menschen mitgemacht, und nur wenige kritisiert.
Insgesamt sehe ich also sehr wohl Chancen für einen nachhaltigen *und* gut publizierten Weg für ein Unternehmen, auch wenn es auf den ersten Blick anders aussehen mag. mehr weniger
Bei H&M steht:
Auszeichnung Geschäftstätigkeit: stark engagiert
Auszeichnung Lieferkette: sehr stark engagiert
Auszeichnung Förderung nachhaltiger Konsum: stark engagiert
Leider gibt es dazu keine weiteren Details. Inwieweit födert H&M nachhaltigen Konsum? T-Shirts für 5 Euro können damit doch nicht gemeint sein. Oder doch?
Als Mitglieder der Verbraucher-Initiative sind auch 176 Organisationen genannt. Vielleicht sind die prämierten "Überraschungskandidaten" ja dabei... mehr weniger
Eine Ausnahme bilden hier natürlich kleine Unternehmen, die nur in einem einzelnen Ort aktiv sind, gerade auch im Bereich Dienstleistung. Da gibts tatsächlich welche, die aus schlichter Überzeugung viele Dinge sehr gut machen und das für so selbstverständlich halten, dass sie darüber schweigen.
Ich kenne aber vor allem jede Menge Unternehmen, denen ein völlig unverdientes Vertrauen entgegengebracht wird und die sich viel besser darstellen, als sie sind. Dazu gehören auch LOHAS-Lieblinge wie Bionade, american apparel und dm drogeriemarkt.
Um nicht missverstanden zu werden:
- klar sind die Nebenbestandteile der Bionade "bio" nach EG-Verordnung (das meiste ist halt Wasser...),
- klar erfolgt ca. 70 Prozent der american apparel Klamottenproduktion sweatshop-frei in den USA (zu den anderen 30 gibts keine Infos...) aber eben leider mit für US-Verhältnisse immer noch schlechten Arbeitsbedingungen
- klar sind Arbeitsbedingungen und Ausbildung bei dm viel besser als bei Schlecker.
Dennoch ist keines dieser Unternehmen bereit, Mensch und Umwelt auch dort in den Mittelpunkt zu stellen, wo es den maximalen Gewinn einschränken könnte. Mit einem aureichenden Gewinn geben sie sich nicht zu frieden, bzw. bei den börsennotierten kann eh nur maximal auh ausreichend sein. Und genau das gilt noch viel mehr für die Unternehmen, die Kleene hier als Überraschungsvorbilder anführt. mehr weniger
"Wie sieht Ihre Meinung aus – was können deutsche Unternehmen tun, um ihren nachhaltigen Aktivitäten mehr Ausdruck und Glaubwürdigkeit zu verleihen?"
In Utopias Weiten von sich erzählen und Bilderbücher zum Thema erstellen lassen, in denen ihr Tun bebildert erzählt wird!
(A)Eltern sind die am meisten interessierten Menschen, erlebe ich überall ... mehr weniger
Wenn das Handeln dieser Unternehmen als verantwortungsvoll und vorbildlich gesehen wird, haben wir im Kampf um die Menschenrechte und die Überlebensgrundlagen im globalen Süden schon verloren, von einer wirklich nachhaltigen Unternehmensführung ganz zu schweigen. Was bitte leisten h&m, C&A oder Telekom, ausser dass in ihrer Branche nunmal weder Panzer noch Landminen, noch AKWs produziert werden?
Die Unternehmen tun gut daran, nicht noch stärker als eh schon zu behaupten, sie würden sozial-ökologische Verantwortung übernehmen. Ist ja nicht so, dass sie es nicht bereits mit Greenwashing versucht hätten. z.b. die dicke Code of Conduct und CSR-Kampagne von h&m.
http://www.evb.ch/p25010745.html
http://www.evb.ch/p14811.html
C&A kann da locker mithalten:
http://www.sauberekleidung.de/ccc-20_unternehemen/ccc-25-03_fp_c-und-a.html
Telekom: Hat uns mit dem großen Lauschangriff auf die eigenen Mitarbeiter ein ganz neues Ausmauß des Kontrollwahns demonstriert.
Aldi Süd: kaum ein Discounter hat eine ähnliche Marktmacht und nutzt sie in vergleichbarer Härte gegenüber den Zulieferern. Wenn mensch ganz sicher seien will, dass Produkte aus dem globalen Süden auf keinen Fall annähernd fair bezahlt, sondern quasi geraubt wurden, dann ab zu Aldi
http://www.sauberekleidung.de/ccc-20_unternehemen/ccc-25-02_fp_aldi.html
IKEA: ist nichtmal zu den eigenen MitarbeiterInnen nett
http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/380774/index.do
und auch nicht bereit die Natur bei uns zu respektieren:
http://www.faz.net/s/Rub8D05117E1AC946F5BB438374CCC294CC/Doc~E8CA4EDA79BD74CD9BF3B2B69AA7FCD4B~ATpl~Ecommon~Scontent.html
in den Zulieferländern sieht es mit der Achtung vor Mensch und Natur aber noch um Welten schlechter aus:
http://www.inkota.de/themen-amp-kampagnen/soziale-verpflichtung-fuer-unternehmen/eilaktionen/aktuelle-faelle/menderes-tekstil/
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/476801 mehr weniger