Geo-Engineering

Fantastische Ideen, um die Welt zu retten


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Michael Odenwald

Rekorde, Rekorde, Rekorde. Jedes Jahr pustet die Weltgemeinschaft mehr Kohlendioxid (CO2) in die Luft als im Vorjahr, und ein Ende ist nicht abzusehen – trotz großer Klimakonferenzen und eindringlichster Appelle der Klimaforscher. In China geht alle anderthalb Wochen ein neues Kohlekraftwerk ans Netz, und die USA sind weit davon entfernt, sich den Klimaschutzbemühungen der anderen Industrieländer anzuschließen. Deshalb brachte es die Menschheit 2007 auf die unvorstellbare Menge von insgesamt 30 Milliarden Tonnen CO2. Um die Erde dennoch vor dem Klimakollaps zu bewahren, setzen Forscher inzwischen auf großtechnische Lösungen.

1. Sonnenschirme im All
Der Astronom Roger Angel von der University of Arizona beispielsweise will unseren Planeten kühlen. Sein Plan ist es, 16 Billionen dünne Siliziumscheiben von 60 Zentimeter Durchmesser zwischen Sonne und Erde zu platzieren. Sie sollen die einfallende Sonnenstrahlung um 1,8 Prozent verringern. Dies genüge, um die vom CO2 bewirkte globale Erwärmung auszugleichen. Es wäre ein titanisches Projekt. Die Scheiben sollen in Stapeln zu jSolarclipper im Orbiteweils einer Million in Container verpackt werden. Elektromagnetische Schienenkanonen schießen diese anschließend ins All. Dort setzen sie die Scheiben frei, die sich dann funkgesteuert zu einem mächtigen Sonnenschirm aufreihen.

20 solcher jeweils drei Kilometer hoch aufragenden Kanonen müssten im Fünf-Minuten-Takt rund um die Uhr Container abfeuern, und das zehn Jahre lang. Zwar entstehen durch die Energieerzeugung für die Kanonen riesige Mengen an CO2. Dessen Erwärmungseffekt, so Angel, werde durch die
Abkühlung des Globus jedoch um das Tausendfache übertroffen. Die ganze Operation soll eine Billion Dollar kosten. Zum Vergleich: Im Rahmen des Emissionshandels kostet eine Tonne CO2 derzeit 20 Euro. Rein rechnerisch ließe sich also der gesamte jährliche Treibhausgas-Ausstoß mit 600 Milliarden Euro kompensieren. Das wäre deutlich billiger. Mit seiner Idee, die er im Herbst 2006 vorlegte, steht Roger Angel nicht allein. Als in den 1990er Jahren die Fieberkurve der Erde stark anstieg, gab es eine Welle mit Projektvorschlägen. Einige stammten von dem US-Physiker Edward Teller. Er hatte am „Manhattan-Projekt“ zur Entwicklung der Atombombe mitgewirkt, weltbekannt wurde er aber als „Vater der Wasserstoffbombe“. Mit seinem Schüler Lowell Wood entwickelte er als Erster die Idee, unseren Planeten mit einem zwischen Sonne und Erde im All geparkten Sonnenschirm abzuschatten. Der sollte aus einem feinen Aluminiumdrahtgeflecht bestehen und 1000 Kilometer Durchmesser haben.Alternativ, so Teller, könne man die Erde auch mit Metallsplittern kühlen, die in die Stratosphäre verbracht werden. Sie sollten bestimmte Wellenlängen des Sonnenlichts ins All reflektieren. Der gleiche Effekt ließe sich mit kleinen aluminiumbeschichteten Ballons von vier Millimeter Größe erzielen. Mit Wasserstoff gefüllt, müssten Millionen davon in hohe Luftschichten aufsteigen, um dort die Sonnenstrahlen abzublocken.

Die möglichen Folgen dieser Projekte betrachtete Teller nicht. Etwa, dass die energieintensive Aluminiumproduktion viel CO2 freisetzt oder herabregnende Teile viele Ökosysteme beeinträchtigen könnten. Eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern will inzwischen unsere Erde vor der Klima-Apokalypse retten – vorzugsweise mit Megaprojekten, die den ganzen Planeten umfassen. Vielen Politikern wiederum erscheinen diese Vorhaben verlockend. Denn sie würden nicht nur die globale Erwärmung mildern, sondern der Menschheit erlauben, ihren Energiehunger weiter mit fossilen Kraftstoffen zu stillen und dabei CO2 zu emittieren. Anstrengungen, den Treibhausgas-Ausstoß auf ein erträgliches Maß zu mindern, wären dann kaum mehr vonnöten. „Ingenieurslösung“ nennen das die Technokraten, im Englischen ist gar vom „Geo-Engineering“ die Rede, also der Umkonstruktion der Erde. Dahinter steckt das Weltbild einer absoluten Beherrschbarkeit der Natur.

geo engineering kondens
Foto: day-walker Quelle: photocase.com

Dumm nur, dass die Kuren meist zur ökologischen Flickschusterei statt zur nachhaltigen Problemlösung geraten. „Diese Vorschläge entspringen einem streng linearen Denken, nach dem eine Ursache eine Wirkung hat – eine unerwünschte Wirkung also auch mit einem einzigen Eingriff behoben werden kann“, so der Nestor der deutschen Klimaforschung, der Hamburger Meteorologie-Professor Hartmut Graßl. Die komplexen Wechselwirkungen in der Natur berücksichtigen sie jedoch nicht.Deshalb wird auch der Plan von Roger Angel wohl niemals realisiert. Denn er hat eine gravierende Schwäche. Der Schatten seiner Scheiben-Armada würde nämlich die Polregionen der Erde nicht überdecken, so dass sie sich überproportional erwärmen. Dies dürfte nicht nur das globale Wettergeschehen beeinflussen, sondern ließe das Eis insbesondere in der Antarktis beschleunigt tauen, mit einem starken Anstieg des Meeresspiegels als Folge.
 


 


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    shalouli
    schrieb am 26.06.2008 um 15:07
    ob bei den genannten (Schnaps)-Ideen nach dem Erwachen nicht der Kater grösser sein wird. Es laufen schon zu viele Experimente auf Kosten aller Menschen. Ausgang höchst ungewiss und beunruhigend. Es sind natürlich meist wieder US-Forscher, die generalstabsmässig gegen die böse Erderwärmung zu Felde...
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    Heidemarie Kunert
    schrieb am 26.06.2008 um 14:01
    ... liegen oft dicht beieinander. Welch Gigantomanie. Jetzt sind wir gerade dabei ansatzweise das "System ERDE" zu begreifen, da wagen wir uns, vorerst nur gedanklich, denn auch schon ins All um unsere eigenen erdischen von uns verursachten Probleme zu lösen. Es hilft nichts: wir müssen unser...
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