Die fleischlose Stadt
Gent will Vegetarier-Hauptstadt Europas werden
Restaurants, Schulen, Krankenhäuser - in allen Bereichen, in denen die organisierte Nahrungsversorgung eine Rolle spielt, wird donnerstags künftig in Gent auf Fleisch und Fisch verzichtet. Für Fisch, insbesondere Schellfisch, ist Gent unter Feinschmeckern zwar berühmt, es hat sich jedoch in den vergangenen Jahren parallel dazu eine ausgeprägte Vegetarierkultur entwickelt. Knapp 100 vegetarische Restaurants beherbergt die 240 000-Einwohner-Stadt, rund zwei Prozent der Genter ernähren sich fleischlos. Das sind zwar im Verhältnis weniger als etwa in Deutschland, dennoch gibt es in Europa kein vergleichbares politisches Bekenntnis zur vegetarischen Ernährung.
Mit dem Experiment "Donderdag Veggiedag" wollen die Stadträte Gents die städtische Lebensmittelversorgung einer Belastungsprobe unterziehen. Die jüngsten Ernährungs- und Klimastudien in Kombination mit dem Nachdruck des flämischen Starkochs Philippe van den Bulck haben den nötigen Ausschlag gegeben, die Öffentlichkeit mit der vegetarischen Alternative vertraut zu machen. 18 Prozent der belgischen Treibhausgasemissionen entstehen durch Fleischproduktion und -konsum. Hinzu kommen volkswirtschaftliche Schäden durch Übergewicht in der Bevölkerung. Missstände, denen die Stadtregierung Gents mit dem vegetarischen Donnerstag entgegen wirken will.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Schulen, da die Kinder durch das Aufzeigen einer genussvollen Alternative zu Fleisch ein stärkeres Bewusstsein für Klimaschutz und Gesundheit entwickeln, wie die Initiatoren hoffen. Eltern, die mit der Regelung nicht einverstanden sind, können für ihre Kinder trotzdem eine fleischhaltige Mahlzeit an Schulen einfordern.
Beraten werden die Organisatoren von der flämischen Ethical Vegetarian Association (EVA). Sie betont neben dem Gesundheitsaspekt insbesondere die Auswirkungen von Fleischverzehr auf das Klima: "Wenn jeder Einwohner Flanderns an einem Tag in der Woche auf Fleisch verzichtet, ersparen wir dem Klima jährlich den CO2-Ausstoß einer halben Million Autos", zitiert der "Guardian" einen Sprecher. Weitere belgische Gemeinden haben bereits angekündigt, dem Beispiel Gents folgen zu wollen.
Foto: EVA
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Kommentare (8)
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Shakti
schrieb am 17.09.2009 um 13:17 ¶inaktiver User 35327
schrieb am 21.05.2009 um 00:26 ¶Kommentar schreiben
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