Stefan Rahmstorf über Klimaforscher-Bashing

Neue Qualität des Surrealen


 

Von Stefan Rahmstorfhttp://www.zeozwei.de/

Seit mehr als zwanzig Jahren arbeite ich in der Klimaforschung, und in dieser Zeit habe ich schon so manches durch den Blätterwald rauschen sehen, das bei einem Wissenschaftler nur ein ungläubiges Kopfschütteln auslösen kann. Da wurde ich etwa 1999 vom Hamburger Abendblatt als »Eiszeitprophet« gefeiert, weil ich angeblich eine neue Eiszeit vorhergesagt hätte (völliger Unsinn, aber noch oft in anderen Medien wiederholt). Oder der Spiegel brachte 2001 eine große Geschichte zu den »Launen der Sonne«, in der unser Zentralgestirn für die globale Erwärmung verantwortlich gemacht wurde – auf Basis einer zehn Jahre alten Datenanalyse, die inzwischen längst von den Autoren als fehlerhaft zurückgezogen worden war. Ich könnte zahlreiche Beispiele anführen, etwa den Focus-Titel vom Januar, in der ein angeblicher »Forscherstreit« über eine vermeintlich drohende »Kalt-Zeit« herbeigeschrieben wurde.

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Doch auch für einen mit einer gesunden Portion Medien-Zynismus abgehärteten Forscher hatte die Kampagne der letzten Wochen gegen das IPCC eine neue Qualität des Surrealen. Auslöser war ein peinlicher Fehler im 2007 erschienenen Weltklimabericht – einem dreibändigen, 2.800-Seiten-Werk, in dem 450 Hauptautoren die Ergebnisse von rund 18.000 zitierten Studien der Fachliteratur zusammenfassen. Aus einer dieser Quellen war die falsche Zahl zitiert worden, bis zum Jahr 2035 werde wahrscheinlich ein Großteil der Himalaya-Gletscher abgeschmolzen sein. Dieser Fehler war durchgerutscht, weil er nicht im klimatologischen Teil des Berichts (also in Band 1) auftrat, wo Gletscherexperten ausführlich und korrekt den vergangenen und künftigen Gletscherschwund diskutieren. Sondern in Band 2, in einem Regionalkapitel zu Asien, in dem Sozialwissenschaftler und Ökologen aus der Region die Folgen des Klimawandels auf Gesellschaft und Ökosysteme diskutieren. Dies hätte natürlich auf Basis der eigentlichen Gletscherprognosen des IPCC – denen aus Band 1 des Berichts – geschehen müssen, statt eine unzuverlässige externe Quelle zu zitieren.

Verschlimmert wurde der Fehler durch die desorganisierte Reaktion des IPCC, das im Wesentlichen aus einer großen Zahl ehrenamtlicher Wissenschaftler besteht – und keine schlagkräftige Organisation besitzt, die rasch auf Fehler reagieren und Dinge richtigstellen kann.

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    Oldboy
    schrieb am 17.05.2010 um 13:51
    Wer mal so richtig "abkotzen" möchte besucht die Seite vom "Europäischen Institut für Klima und Energie" unter http://www.eike-klima-energie.eu
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    danebod
    schrieb am 13.05.2010 um 11:06
    Es geht noch weiter, in den USA feiert McCarthy fröhliche Urständ: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32620/1.html Etwa bis zur Mitte herunterscrollen, der erste Teil des Artikels befasst sich mit BPs Deepwater-Horizon-Ölpest im mexikanischen Golf.
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