Von Jan Berndorff
Das ist er also. Dunkler Anzug, Krawatte, blasses Gesicht, hohe Stirn, schmale Nase, schmale Lippen. Sitzt da mit geradem Oberkörper und gefalteten Händen am Tisch. Irgendwie hätte man sich diese Begegnung aufregender vorgestellt, pompöser, außergewöhnlicher. Schließlich ist dieses Gegenüber, keine zwei Meter entfernt, eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Welt: Albert Alexandre Louis Pierre Rainier Grimaldi, Seine Durchlauchtigste Hoheit, Fürst Albert II. von Monaco.
Keine Gänsehautatmosphäre, keine Aura, die das ,Segelschiff zum Strahlen bringt, auf dem sich einige Journalisten mit ihm im Hafen von Barcelona treffen. Stattdessen ein entspannter Plausch. Auch seine Leibwächter und Mitarbeiter sind gelassen. Muss wohl am Chef liegen: Albert legt Wert darauf, nicht als Institution oder Halbgott behandelt zu werden: „Ich lebe nicht im Museum, wo es heißt: Anfassen verboten!“, sagt er. „Mich gibt es wirklich.“ Und so verhält er sich auch. Wobei er lässig, aber nie nachlässig wirkt, jederzeit wahrt er die Contenance. Geduldig beantwortet der Fürst die Fragen der Presseleute. Es geht um sein Lieblingsthema, den Naturschutz, und er berichtet von seiner Stiftung, der „Fondation Prince Albert II. de Monaco“, die vor allem Klima- und Artenschutzprojekte fördert.
Rechtzeitig vor Beginn der neuen Thunfischjagd-Saison im Mai hat Fürst Albert sein Nachbarland Frankreich zur Räson gerufen. „Die Durchschnittsgröße der im Mittelmeer gefangenen Roten Thunfische hat sich in zehn Jahren halbiert“, warnt der Fürst in der Zeitung Le Parisien, die letzte Chance, dass sich die Bestände erholten, läge darin, sie zwei bis drei Jahre in Ruhe zu lassen. „Man darf nicht untätig bleiben, wenn das System der Fangquoten nicht funktioniert und die illegale Fischerei andauert“, meint Albert. Und so hat er bei der UN ein Handelsverbot für Roten Thun aus Mittelmeer und Ostatlantik beantragt. Ein ausgewachsenes Exemplar des majestätischen Fisches kann viereinhalb Meter lang und über 600 Kilogramm schwer werden. (Der Antrag des Fürsten ist am 18. März – nach Redaktionsschluss – im Rahmen der Artenschutzkonferenz in Doha mit 20 zu 68 Stimmen gescheitert.)
In Monaco selbst sucht man Thunfisch vergebens; Händler, Restaurants, Supermärkte – sie alle müssen bereits seit einem Jahr auf die gefährdete Art verzichten.


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