Läuft es mit der Laborzüchtung von Kunstfleisch erfolgreich weiter, könnte der Berufszweig der Metzger schon bald eine aussterbende Spezies sein. Dann könnten auch Vegetarier Fleisch essen, weil kein Lebewesen für Fleisch aus der Petrischale leiden oder sterben muss.
Die Kunstfleisch-Herstellung kann man sich im Groben so vorstellen. Eine zuvor extrahierte Muskelzelle eines Tieres wird in einer perfekt temperierten Nährstofflösung angesetzt und so lange mit weiteren Nährstoffen gefüttert, bis sich die Zellen und neues Muskelgewebe entstanden ist. Damit dieses Gewebe auch eine ähnlich feste Konsistenz wie Muskelfleisch hat und nicht nur einfach Zellgeglibber ist, wird es ständig leicht geschüttelt und damit „trainiert“ – ähnlich wie beim Fitnessgerät Powerplate. In Europa ist die technische Universität im niederländischen Eindhoven bei dieser Art von Gewebezucht führend, im Rest der Welt gilt der Biochemiker Vladimir Mironov als Vordenker der menschlichen und tierischen Kunstfleisch-Herstellung. Seine Forschungen wurden zeitweise sogar von der Tierschutzorganisation PETA finanziell unterstützt.
Tierisch gut oder menschlicher Größenwahn?
Die Massentierhaltung, die Tiertransporte, das Schlachten, die Verwertung und Abfallentsorgung der Tierknochen und anderer nicht-essbarer Teile – all dies würde mit Kunstfleisch komplett entfallen. Der weltweit steigende Appetit auf Fleisch, der Hunger und Mangel in den Entwicklungsländern - alles gelöste Probleme. Man bräuchte nur noch die gewünschten Fleischstücke „ansetzen“ – vielleicht sogar im eigenen Küchenlab …
Ein typischer Einkauf würde dann so ähnlich ablaufen wie heute eine Coffee-to-go-Bestellung: Welche Geschmacksrichtung soll es denn sein: Rind, Schwein, Pute, Lamm? Basisgewürzt, scharf oder natur? Heute ist Brustfilet-Konsistenz mit zartem Biss im Angebot. Darf’s noch ein bisschen mehr vom guten Designerfleisch sein?
Für die einen ist es die Vision einer besseren Welt, für die anderen der schiere Alptraum: Frankenstein-Food. Wie das literarische Vorbild aus dem Jahr 1818 von Mary Shelley mit Dr. Jekyll und Mr Hyde, soll vor einer entgrenzten menschlichen Vernunft gewarnt werden, die sich selbst zum gottähnlichen Schöpfer erhebt und anmaßt, lebendige Materie zu schaffen. Der Begriff „Frankenstein-Food“ kursiert seit Ende der 90er Jahre als Sammelbecken für so genanntes „GM-Food“. Das GM steht hier jedoch nicht für General Motors, sondern für „genetically modified“: genetisch modifiziert, verändert, geklont. Dahinter steckt genmanipulierte Nahrung, die seit geraumer Zeit von Biotech-Firmen entwickelt wird. Das neue In-Vitro-Kunstfleisch bildet jetzt die weiteste Entwicklungsstufe dieser Forschung. Bei Stufe Eins mit Dolly und transgenen Tieren wurden noch ganze Tiere gezüchtet, in Stufe Zwei ist dies schon nicht mehr nötig.
Eines der bekanntesten und zugleich berüchtigsten weltweit bekannten Beispiele ist für den bisherigen Stand transgener Lachs. Bei diesem Fisch wurden die Gene so verändert, dass der Lachs doppelt so schnell wächst, also in kürzerer Zeit mehr Fleisch ansetzt. Die Firma AquaBounty versucht seit 15 Jahren eine Zulassung für diese LMOs (Living Modified Organism) zu bekommen. Sollte es dazu kommen, ist geplant, auch Fischarten wie Forellen oder Krabben mit dem Wachstumsgen auszustatten. In der Warteschleife stehen noch weitere transgene Tiere wie Ziegen, Hühner, Kühe, Schweine. Auch Obst und Gemüse können optimiert werden. Auf der Fruit Logistica wurden 2009 bereits eckige Wassermelonen für bessere Stapelbarkeit vorgestellt, in Japan hat man über 650 Gramm schwere Riesenäpfel gezüchtet - da reicht dann ein einziger Apfel gleich für eine Großfamilie.
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Kommentare (39)
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Wenn die Produktion von Kunst-Fleisch tatsächlich "besser" ist, also keine Tiere sterben/gequält werden müssen, kein CO2 produziuert wird, Wasser in Ländern gespart werden kann, in denen es knapp ist und der Hunger der Menschheit nach Fleisch endlich massengerecht bedient werden kann, warum sollte man dann nicht auf die künstliche Fleischproduktion umstellen, wenn es doch genauso, wenn nicht sogar besser schmeckt? Für mich ist die Sache relativ klar...
Also Vorsicht vor Verallgemeinerungen!!!
Dafür würden sie dann wohl aussterben
Wer wissen will, von denen die soooo ein Zeug jeden Tag essen, kann ja mal nachschauen, was er/sie jetzt schon so alles in sich reinschaufelt. Das muss doch nicht noch aufgestockt werden.
http://www.food-detektiv.de/
Für mich ist die Idee von Laborfleisch total pervers. Ich finde schon die Klontiere oder genmanipulierten Tiere abartig.
Es wird auch keine Lösung für das Hungerproblem sein. Schließlich hungern die Menschen nicht, weil sie kein Fleisch haben, sonder weil sie gar keine Nahrung haben, nicht mal Reis.
Die Laborprodukte werden auch deshalb nicht gegen den Hunger helfen, weil jemand daran verdienen will. Und die Nährlösung für die "Fleischzellen" muss auch irgendwoher kommen. Es wird mit Sicherheit wesentlich teurer als Feldfrüchte sein.
Die einzige Chance der Laborprodukte besteht darin, dass die Klimabelastungen evtl. kleiner sind und keine Tiere leiden müssen. Dafür gibt es aber schon lange sehr gut erprobte und wirksame Lösungen: Gar kein Fleisch verzehren oder nur selten Fleisch essen und dann auch nur aus Bio-Zucht mit artgerechter Haltung!
Doch das Fleisch ist ja nur der eine Teil, die Milchproduktion bliebe davon verschont, ergo gäbe es auch weiter genügend "Milchlieferanten". Folglich bräuchte sich da keiner so schnell beführchten, dass diese Tiere aussterben.
Ob diese Produktion, so sie dann mal reif zum Feldversuch ist, bestehen würde, mag ich bezweifeln. Das Gedächtnis und die Gewohnheit der sich durch Tierprodukte ernährenden Menschen ist lang. Es käme vermutlich auch zu den selben Reaktionen, wie bei Tofu und co.
Abgesehen, das herumlaborieren an Zellen zum Verzehr finde ich abartig. Damit würde der Hunger auf der Welt auch nicht weniger, da die Hungernden sich heute keine Mahlzeit leisten können, dies morgen durch das Zell-Fleisch auch nicht. Es sind ja dann keine Gaben, die verteilt werden, daran will "Frankenstein" ja verdienen.
Bleibt ausserdem natürlich die Frage bezgl. der Gen-Manipulation, die scheint ja auch in diesem Fall notwendig zu sein.
Ablehnung!
Wenn ich mir das vorstelle freut mich vor allem, dass es keine Massentierhaltung mehr geben wird, keine Todeshäuser wie die Schlachthäuser mehr, keine Tiertransporte, viel weniger Leid bei unseren Mitlebewesen. Dass sie aussterben kann ich mir nicht vorstellen. Aber ihre Lebensbedingungen werden sich verbessern und evtl. werden dann Fleischesser sensibler und der Respekt für andere Lebewesen steigt, weil sie nicht mehr benutzt werden müssen. Ich bin da wohl ein hoffnungsloser Optimist. ;)
Die Summe aller Nährstoffe und Vitamine nützt dem menschlichen Organismus auf Dauer nichts, wenn nicht durch die vielen (teilweise noch unbekannten) Nebenstoffe und -prozesse das Gesamtprodukt als Einheit zur Verwertung zur Verfügung steht. In den Langzeitbeobachtungen zeigt sich doch immer wieder, dass die künstlich zusammengefügten "Lebensmittel" im Verdacht stehen, irgendwelche Nebenwirkungen zu haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Zellmix auf Basis einer Nährlösung dem menschlichen Organismus alles Erforderliche bieten kann und keinerlei unerwünschten Nebenwirkungen hat.
Gleichzeitig frage ich mich, wie das, was den Zellhaufen zum Wachsen anregt, denn erkennt, wann es damit aufhören muss - nämlich dann wenn es im menschlichen Körper angekommen ist. Oder fangen wir dann demnächst auch alle an, uns zu sich teilenden Zellhaufen zu entwickeln?
Hier geht es meiner Meinung nach wieder einmal ums große Geld für die Konzerne und die Pharmaindustrie freut sich schon auf die zukünftigen neuen Krankheiten.
Ohne mich! Ich esse eh nur selten Fleisch - dann demnächst lieber noch weniger oder keins nehr.
Ich denke auch, es hört auf zu wachsen, wenn keine Nahrung mehr da ist. Wenn man das "Fleisch" also aus dem Fruchtwasser nimmt und einschweißt...
Die wachsende parasitäre Weltbevölkerung verlangt nun mal nach Ressourcen jeglicher Art.
Was macht- und geldhungrige Konzerne damit machen steht auf einem anderen Blatt.
Außerdem haben die auch dieses Wunderheiler-Teil, das alle Krankheiten einfach so wegwischt. Wer so mit Krankheiten umgehen kann, kann vielleicht auch über Replikator-Nahrung nachdenken. Nur sind wir so weit wohl noch lange nicht. Bis zur Sternzeit von Enterprise ist ja auch noch etwas hin...
Vermutlich dauert es ein, zwei Generationen bevor eine solche Nahrungsmittelproduktion angenommen werden kann. Vorrausgesetzt natürlich die Methode ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll.
Ich habe mich damals auch schon über die Analogkäsediskussion gewundert. Warum nicht pflanzlichen Käse produzieren und konsumieren? Wenn er billiger ist und nicht gesundheitsschädlich sehe ich persönlich keinerlei Probleme. Pflanzliche Produkte herzustellen ist weniger aufwendig und intensiv als die Milchwirtschaft.
Vor einiger Zeit hatte ich einen Artikel über das Kunstfleisch gelesen und dort wurde zusätzlich noch angemerkt, dass dann die ganzen Stresshormone und Medikamente wie Antibiotika nicht mehr verwendet werden müssten. Wenn es keine völlig unbekannte Gefahr gäbe, von der ich nichts weiß, dann finde ich das die absolut beste Alternative für die Massen, die möglich ist. :)
Aber leider trifft es ja nicht nur die Schnitzel. Auch alles was von den Feldern kommt, ist zunehmend verseucht oder genmanipuliert. Das Grauen!
Man fragt sich doch immer wieder, was man denn noch guten Gewissens essen kann und was man seinen Kinder füttern kann.
Leider ist diese Entwicklung wohl nicht mehr aufzuhalten.
Nein das stimmt nicht! Die Freiheit der Information entscheidet darüber. Wenn Risiken und Nebenwirkungen verschwiegen werden, so wie es die Industrie bei Gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren immer wieder versucht, dann könnte sich so etwas durchsetzen. (siehe auch asymmetrische Information http://www.utopia.de/gruppen/energie-60/diskussion/asymmetrische-information-marktversagen-moeglich-daher-181535 )
In der Regel hat der Verbraucher nicht alle notwendigen Inforamtionen zur Verfügung, um zu beurteilen, ob das Produkt seinen Kriterien entspricht oder nicht. Deshalb ist der Staat hierbei in der Fürsorgepflicht, alle Aspekte zu sichten und zu beurteilen. Dabei ist natürlich auch eine umfassende Risikoforschung VOR der Markteinführung notwendig, die es beispielsweise bei den meisten Gentech Produkten in den USA nicht gibt.
Auch in Deutschland und der EU arbeiten die Lobbyisten der Industrie hart daran, Gentechnik ungetestet oder mit unvollständigen Tests auf den Markt zu bringen:
Broschüre: Organisierte Unverantwortlichkeit http://www.projektwerkstatt.de/gen/filz/brosch.pdf
Film: Die Gen-Verschwörung - Eine Spurensuche http://www.youtube.com/watch?v=EYRH_Sju8Wg
Viele technische Erfindungen wurden uns als Wunderlösung angepriesen. Atomkraft übrigens auch. Und wir wissen ja mittlerweile, dass uns damit Probleme für Jahrtausende eingehandelt haben.
Die Leichtgläubigkeit an technische Lösungen bei vielen hier erschüttert mich.
Ich bin der Meinung, dass wir nicht bei den Symptomen sondern bei Ursachen von Probleme ansetzen sollten.
Und dazu gehört, dass wir weltweit weniger Fleisch verzehren sollten. Zur Herstellung von tierischen Nahrungsmitteln braucht man ein vielfaches an Energie und Wasser als zur Herstellung Pflanzlicher Nahrung.
Es wird letztlich für diejenigen, die diese Gruslichkeit ablehnen, nichts anderes übrig bleiben, als durch gezielten konsequenten Kauf von Bio den etwas besseren Umgang mit Nahrungsmitteln zu stärken.
Im Übrigen sollten die Befürworter des Laborfleisches mal darüber nachdenken, in welchen Chemikalien dieses wächst. Weiter ist mir nicht klar, ob man hier von Leben sprechen kann - nicht nur ethisch sondern auch biologisch - und ob man sich von etwas was vielleicht gar kein Leben ist, überhaupt sinnvoll und artgerecht ernähren kann. Wo kommen die Spurenelemente und das B12, welches wir mit normalem Fleisch aufnehmen, her? Diese dürften da wohl nicht wirklich effektiv vorliegen.
Guten Appetit ;)
Der momentane Einsatz von 10 fossilen Kalorien für 1 Kalorie Essen wird durch solchen hochtechnischen Unfug noch weiter verschlechtert: das ist ein Weg in die Sackgasse, siehe:
http://www.internationalepolitik.de/2011/05/04/erdol
Man bedenke: Das "Fleisch" gezüchtet aus einer Muskelzelle hat kein Bewußtsein und keine Seele wie ein Lachs oder Klonschaf oder "NORMALES" "NUTZTIER" .Oder was sagt Ihr dazu?
Grundsätzlich bin ich dafür. Ich selbst esse wenig und wenn nur Bio-Fleisch. Alle Leute, die viel Billig-Fleisch kaufen statt mit Fleisch von leidendenTieren mit künstlichem Fleisch zu versorgen, halte ich für eine gute Idee. Alternativen zum Billig-Fleisch wie Bio-Fleisch oder Tofu-und Seitan-Produkte wurden von der Billig-Fleisch-Fraktion bislang nicht angenommen. Da könnte die Petrischale doch wirklich Tierleid verhindern. Patente sollte es nicht geben. Wäre das nicht machbar?
Es ist eigentlich total peinlich, dass Leute überhaupt so eine Einstellung haben, sich als Fleischesser sehen und nicht ohne "ihr Fleisch" leben wollen, aber es ist leichter die Fleischart zu ändern als deren Einstellung...
HIer an meinem Heimatort Balingen gibt es einen Bio-Landwirt, der seit 20 Jahren seine Rinder in freier Haltung hat. Kein Stall, nur ein Unterstand, die Tiere werden auf der Weide geboren und werden dort auch getötet/geschlachtet mittels `mobiler Schlachtbox, also kein Lebendtransport ! Siehe www.uria.de
Dieser Landwirt, Hermann Maier, kam schon mehrfach im Fernsehen und schrieb ein Buch, "Der Rinder-flüsterer".
Aber wann kann ein solches Umdenken bei der Mehrheit der Menschen stattfinden ? Rein aus Vernunft-Gründen wohl kaum. Da ist die Gier nach Genuß, Schnäppchen, billig ..... zu groß. Es braucht ein `Neues
Bewußtsein`. Damit meine ich nicht ein vernunftmäßiges Umdenken, sondern ein Neues Bewußtsein via
Evolution. Dieses ist bereits im Gange, aber noch sehr verhalten ( siehe Jean Gebser, "Ursprung und Gegenwart", oder Ken Wilber "Halbzeit der Evolution")
Einstein, Albert, Physiker: "Rein durch ihre physische Wirkung auf das menschliche Temperament, würde die vegetarische Lebensweise das Schicksal der Menschheit äußerst positiv beeinflussen können."
Bebel, August, Politiker: "Offenbar tritt in dem Maße, wie die Kultur sich hebt, an die Stelle der Fleischkost die Pflanzenkost."
Adorno, Theodor W. Philosoph und Soziologe: "Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und denkt: "Es sind ja nur Tiere".
Busch, Wilhelm, Dichter: "Jahre menschlicher Kultur gibt es erst, wenn nicht nur Menschenfresserei, sondern jede Art des Fleischgenusses als Kannibalismus gilt."
da Vinci, Leonardo, Maler, Bildhauer, Naturphilosoph: "Wahrscheinlich ist der Mensch der König aller Tiere, denn seine Grausamkeit übertriff die ihrige. Wir leben vom Tod anderer. Wir sind wandelnde Grabstätten!"
Luxemburg, Rosa, Politikerin: "Die Tiere standen dann beim Abladen ganz still, erschöpft,und eins, welches blutete, schaute dabei vor sich hin mit einem Ausdruck in dem schwarzen Gesicht und den sanften schwarzen Augen wie ein verweintes Kind. Es war direkt der Ausdruck eines Kindes, das hart bestraft worden ist und nicht weiß, wofür, und auch nicht weiß, wie es der Qual und der rohen Gewalt entgehen soll."
Tolstoi, Leo: "Solange es Schlachthöfe gibt wird es Schlachtfelder geben."
Monopol !!!!
Das kann nicht gut sein, das wird auch nicht gut ausgehen!