Alles begann mit der Klage des Saatgutherstellers Graines Baumaux gegen das Saatgut-Netzwerk Kokopelli wegen unlauteren Wettbewerbs auf Schadensersatz in Höhe von 50.000 Euro. Diese Bauern-Vereinigung bot Saatgut von mehreren hundert Sorten an, die eigentlich gar nicht in offiziellen Katalogen verzeichnet waren. Die Saatgutrichtlinie gibt allerdings vor, dass alle Sorten, die in den Handel kommen, erst innerhalb eines teuren Verfahrens mindestens in einem EU-Staat zugelassen und amtlich registriert werden müssen. Bäuerliche Netzwerke erfüllen diese Vorgabe bei ihren alten Sorten nicht, da die Zulassung aufwendig und teuer ist und die Bauern sie sich, im Gegensatz zu den großen Unternehmen, schlichtweg nicht leisten können. Für die Bauern in ganz Europa hätte dies bedeutet: Ihre selbst gezüchteten, meist seltenen und regionalen Sorten wären vom Markt verschwunden. Die Großen fressen also mal wieder die Kleinen, auch wenn es um Saatgut geht. So verwundert auch nicht das Quasi-Monopol der großen Konzerne Bayer, Monsanto und Syngenta, die 67 Prozent des weltweiten Saatguts kontrollieren.
Doch der Europäische Gerichtshof sah die EU-Richtlinien als nicht verletzt an. Diese besagen nämlich, dass Sorten, die vom Aussterben bedroht seien, so genannte Landsorten, dem Katalog nicht zugelassen werden müssen und von Bauern, Privatpersonen und kleinen Agrarunternehmen zugunsten der genetischen Vielfalt auch ohne Zertifikat gezüchtet und verkauft werden dürfen. Dank Zuspruch für bäuerliches Saatgut wird so der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt, Produktivität gesteigert, es bleibt ein reichhaltiges Angebot an Pflanzengenen erhalten und der Binnenmarkt für Gemüsesaatgut wachse. Gerade für Verbraucher, Landwirte und die Agrarindustrie ist dieses Urteil von hoher Bedeutung. Es stärkt die Rechte von Bauern, vor allem von Öko-Bauern.
Dennoch wird das Urteil kritisch betrachtet. Es ist nicht garantiert, dass alte Sorten nicht weiterhin vom Markt verschwinden, da es sich nur um Einzelfälle handle und Vermarktungsverbote trotzdem bestehen bleiben. Der Anbau der Erhaltungssorten ist weiterhin regional und in den Höchstmengen beschränkt. Außerdem ist die EU-Ausnahmeregelung in Deutschland noch nicht umgesetzt, sodass sich hierzulande Saatgutzüchter in einer rechtlichen Grauzone befinden. Dennoch ist der Beschluss des EuGH ein Schritt für den Erhalt der Artenvielfalt sowie ein Sieg gegen das Saatgut-Monopol.


Kommentare (25)
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Berühmtes Beispiel ist die Kartoffelsorte Linda, um die lange gestritten wurde.
http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wirtschaft/article108278580/Eine-Kartoffel-namens-Linda.html
Ich verstehe nicht so ganz, was Du uns mitteilen willst...macht aber nichts.
Ich jedenfalls freue mich sehr über diesen Beschluss.
langfristig hält sich keine Sorte.
Früher als es die alten Landsorten gab baute jeder Bauer in der Region die gleichen Sorten an, Saatgut wurde getauscht. Die sorten konnten sich so halten. Heute wo jeder Landwirt andere Sorten anbaut wird sämmtlicher Pollen unkontrolliert verteilt. Die Sorten bleiben nicht Sortenrein....
Für alle die alte Sorten noch daheim haben diese aber woanders nicht mehr finden, hier gibt es bei der Firma Bingenheimer Saatgut die Möglichkeit alte Sorten erhalten zu lassen indem man Ihnen frische Samen davon zukommen lässt. Diese versuchen dann diese weitgehenst zu erhalten und in Ihr Sortiment aufzunehmen. Die Samen von dort sind zwar teurer als andere aber das bin ich gern bereit zu zahlen. Da die Pflanzen die daraus entstehen wieder selbst weiter gezogen werden können und man für die Vielfalt unserer Natur auch noch etwas gutes tut.
Märchenonkel suchen die immer bei Monsanto...
http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Vermarktung-von-alten-Sorten-soll-die-Ausnahme-bleiben-884416.html
Ich denke zum Beispiel an den Andenbauern, der 100 Sorten Kartoffeln sein Eigen nennt.
Je nach Talseite ect. baut er die unterschiedlichen Sorten an und ist so vor Ernteausfälle geschützt, weil -egal ob das Jahr trocken oder feucht, kalt oder warm ist, er wird immer etwas ernten, weil die Sorten unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Im Gegensatz dazu die Hungersnot in Irland, wo die Bauern auf eine einzige -schlecht angepasste- Kartoffelsorte gesetzt hatten.
Wir stehen vor einem Klimawandel gigantischem Ausmaßes. Niemand weiß, wie die Anbaubedingungen sich ändern.
Es wäre falsch, auf diese Sortenvielfalt zu verzichten.
Und schon gar nicht geht es, daß die Bauern wegen Anbau alter Sorten kriminalisiert werden...
Ein anderer Artikel -ebenfalls in der Topagrar- ewähnt im Zusammenhang mit dem Thema:
"Der Generalanwalt Kokott kam in seinem Schlussantrag zu dem klaren Ergebnis, dass das Verbot der EU-Richtlinie, Saatgut von Sorten zu verkaufen, die nicht nachweislich unterscheidbar, beständig und hinreichend homogen sind, sowie gegebenenfalls einen befriedigenden landeskulturellen Wert besitzen:
den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit,
die unternehmerische Freiheit,
die Freiheit des Warenverkehrs und
den Grundsatz der Gleichbehandlung verletzen."
Das muß Dir doch einleuchten, daß dieses Urteil wichtig ist, wo Du Dich an anderer Stelle immer fleißig als Hüter der freien Marktwirtschaft gibst, Bhellweg.
Früher haben sich alte Landsorten gehalten weil alle Anbauer in der Gegend die gleiche Landsorte angebaut haben. Da kam kein Sortenfremder Pollen dazwischen.
Wenn heute alte Sorten angabaut werden, sind das keine alten Sorten es sind entweder nachgezüchtete Sorten oder es ist duch einkreuzungen mit anderen Sorten ein Sorten Misch-Masch entstanden. Wenn jemand meit alte Sorten anbauen zu müssen, bitteschön, klar leben wr in eine Freien Gesellschaft. Eine Anbaurelevanz werden sie nicht bekommen.
Und in den Anden die alten Kartoffelsorten halten sich auch nur so lange wie dort niemand neues Pflanzgut hinbringt
Nochmal: ich habe nichts gegen das o.a. Urteil es wird aber kaum Auswirkungen haben.
Nein, das stimmt so nicht.
Ich rede von Regionen, in denen sich keine industrielle Landwirtschaft rentiert, weil die klimatischen und morphologischen Vorraussetzungen gar nicht da sind.
Trotzdem leben dort viele Menschen von der Landwirtschaft.
Und die werden einen Teufel tun und ihre angepassten Sorten aufgeben.
Du gehst immer wieder davon aus, nur weil eine bestimmte (die industrielle) Anbauform 99% des marktwirtschaftlichen Umsatzes macht, wären alle anderen Anbauformen nicht relevant.
Das ist aber ein Trugschluss...
Für die Bauern, die für den Erhalt der Kartoffelsorte Linda gekämpf haben, h a t das Urteil Auswirkungen.
Für Dich nicht, Du bist aber auch nicht der Bauchnabel der Welt ;-)
Die Kartoffelsorte Linda kann jetzt ein paar Jahre weiterleben, mit abnehmender Bedeutung......Und mit Kartoffeln geht das immer noch am Besten, sie werden ja vegetativ vermehrt.
Ja, Bhellweg, Du hast recht.
Sicher müssen die armen Andenbauern für ihre 100 Kartoffel-Sorten in Knast ;-)
(Bwerbung für Monsanto schon unterwegs?)
wir sollten doch schon mal sachlich bleiben.
Übrigens, Monsanto verkauft in Deutschland ausschließlich konventionelles Saatgut. auch an die Bio-Bauern........
Ja, warum nicht?
Was hat das mit den Andenbauern zu tun oder mit der Diskussion über alte Sorten?
Alte Pflanzenarten, alte Tierrassen liegen mir sehr am Herzen.
Wir haben in Detmold ein Freilichtmuseum, da wird sowas teilweise erhalten.
Wenn ich bedenke wieviel Futter ein Kaltblutpferd benötigt, dann bin ich froh, dass sich öffentliche Stellen um die sanften Riesen kümmern.
Endlich mal eine sinnvolle Verwendung von Steuergeldern.
Seltene alte Apfelsorten werden dort kultiviert.
Nicht der Einheitsapfel aus dem Supermarkt.
Es gibt bestimmt viele Obst- und GemüseSorten die spezielle Fähigkeiten haben, wie ertragen von Trockenheit, oder starke Düngung oder wenig Dünger.
Die heute teilweise sichtbare Argrarsteppe ist ein Albtraum.
Das Einheits angebot von 08/15 Obst und Gemüse ebenso.
Gruß Eduard
Fast alles sind Erhaltersorten, also alte Sorten. So bleibt die vielfalt erhalten und oftmals wachsen die im Garten auch besser, da sie schon immer auf den heimischen Böden gewachsen sind und sich entsprechend angepasst haben.
Heute ist das erste Kokopelli-Saatgut aus Frankreich in seinem neuen Zuhause, meinen Balkonkästen gelandet :-)
Letztes Jahr hatte ich schon so eine schöne alte russische Tomatensorte - traumhaft!
Kann nur allen empfehlen, sich einen solchen Vorrat an alten Saatsorten anzulegen, ob hier vom Biobauern oder direkt bei Kokopelli zu bestellen.
Diese Samen sind keimstärker und man kommt damit über mehrere Jahre. Es gibt auch z.B. tolle alte Salatsorten, die man gar nicht kennt...Einfach mal ausprobieren. Ist das Geld wert!
Kokopelli kenn ich gar nicht. Bin ich bei meinen Recherchen nach gutem Saatgut noch nicht drauf gestoßen. Schau ich gleich auf alle Fälle mal rein.
Ich habe in den letzten Wochen noch Saatugt für Erbsen und dicke Bohnen gekauft und als ich meine Errungenschaften meiner Oma und meinen Schwiegereltern zeigte kam von denen nur: "Die hatten wir früher immer. Die waren immer gut, aber leider bekam man sie nicht mehr im Handel"
Ich muß dazu sagen, beides sind alte rheinische Sorten und ich habe im Internet lange suchen müssen. Aber ich habe mir gedacht, was will ich im Rheinland mit österreichischen oder bayrischen Sorten, die sich bei uns gar nicht heimisch fühlen. Meine Oma baut seit Jahren keine dicken Bohnen und Erbsen mehr an, weil das Saatugt aus dem Baumarkt und Gartencenter sich bei uns in den Gärten einfach nicht wohl fühlt (bzw. die Pflanzen) und sich entsprechend der Ertrag nicht lohnt.
Ich kann hier nur noch mal dazu plädieren auch beim Saatgut auf regionalität zu achten.