Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Essen oder wegwerfen?

Wie lange ist eigentlich „mindestens haltbar“?

100 Kilo Lebensmittel wirft ein deutscher Konsument im Jahr durchschnittlich in die Tonne. Oft ist auch gerade erst Abgelaufenes darunter, das man „doch mal lieber“ entsorgt. Wie ernst man das Mindesthaltbarkeitsdatum tatsächlich nehmen sollte, hat Utopia Christiane Manthey, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gefragt.


Utopia: Was genau ist eigentlich das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Christiane Manthey: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD, „mindestens haltbar bis...“) gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem das ungeöffnete Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch und Nährstoffgehalt behält. Waren, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sind nicht automatisch verdorben und dürfen auch noch verkauft werden. Anders verhält es sich mit dem Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis...“), dieses wird vor allem für schnell verderbliche Waren wie Räucherlachs, Hackfleisch oder Geflügelfleisch verwendet. Lebensmittel, deren Verbrauchsdatum abgelaufen ist, dürfen nicht mehr verkauft werden, auch vom Verzehr ist abzuraten. Zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum sollte der Verbraucher deshalb genau unterscheiden. Um welches Ablaufdatum es sich handelt, ist immer der Verpackung des Lebensmittels zu entnehmen. Ergänzende Angaben, beispielsweise zur Lagerungstemperatur, sollten unbedingt beachtet werden.

Was passiert nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums?

C. M.: Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums büßt das Produkt allmählich seine besonderen Eigenschaften, wie beispielsweise sensorische Qualitäten, ein. Joghurt wird zum Beispiel immer säuerlicher. Schokolade weist (vor allem bei falscher Lagerung) Fett- oder Zuckerreif auf. Damit ist das Produkt aber noch nicht automatisch verdorben. Gerade purer Joghurt kann noch deutlich nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar sein, wohingegen Joghurt mit Fruchtzubereitung schneller verdirbt.

Wie lange nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums können Lebensmittel noch verzehrt werden?

C. M.: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kann ja in Einzelfällen sogar vorkommen, dass ein Produkt vor Ablauf des Datums schlecht wird. Als Faustregel gilt, trockene Nahrungsmittel, zum Beispiel Getreideprodukte, verderben nicht so schnell wie solche mit einem hohen Wasser- und/oder Eiweißgehalt, fetthaltige können ranzig werden. Bei Zucker und Salz kann bei richtiger (trockener) Lagerung eigentlich nicht viel passieren, so müssen Speisesalz (ausgenommen Jodsalz) und Zucker in fester Form (zum Beispiel Zuckerstückchen) gar kein MHD tragen. Ein genereller Tipp: Je länger die Zeitspanne zwischen Herstellung (als Anhaltspunkt kann auch das Kaufdatum dienen) bis zum Ablauf  des Mindesthaltbarkeitsdatums, desto unempfindlicher ist das Lebensmittel.

Woher weiß ich, was ich noch verwenden kann?

C. M.: Um festzustellen, ob ein Lebensmittel verdorben ist, kann der Verbraucher sich im Normalfall auf seine sensorischen Fähigkeiten verlassen. Schimmelbefall sollte ausgeschlossen werden, auch bezüglich seines Geschmacks, Aussehens (Verfärbungen) und Geruchs sollte ein Lebensmittel sich nicht auffällig verändert haben. Bei pasteurisierter Milch ist der Verderb am leicht säuerlichen Geschmack zu erkennen, während H-Milch ohne Säuerung verdirbt, der Verderb ist also nicht zu schmecken.
Der Inhalt geöffneter Milchpackungen sollte innerhalb von 2-3 Tagen getrunken werden. Schmecken Milchprodukte, besonders Sauermilchprodukte, gar bitter, sind sie verdorben und sollten keineswegs mehr verzehrt werden. Ist bei Sauermilchprodukten wie Joghurt der Deckel gewölbt, ist der Inhalt ungenießbar. Kefir ist allerdings eine Ausnahme: Gegen Ende des MHD ist hier der optimale Geschmack erreicht, wenn sich der Deckel leicht wölbt (Kohlensäurebildung). Besonders vorsichtig sollte man auch mit Fleisch und Fischprodukten sein. Nach dem Ablauf des Verbrauchsdatums sollten sie nicht mehr verwendet werden. Gibt es ein Mindesthaltbarkeitsdatum, sollten sie möglichst zeitnah verbraucht werden, aber nur wenn eine Geruchskontrolle keine Auffälligkeiten ergeben hat und keine Verfärbungen festzustellen sind.
Vorsicht ist auch bei Nüssen geboten, diese können ranzig werden oder schimmeln. Sensorisch nicht einwandfreie Nüsse sollten keinesfalls noch verzehrt werden, ein bitterer Geschmack, weist auf Schimmelpilzbefall hin. Schimmelpilze in Nüssen enthalten stark giftige Aflatoxine, mit karzinogener also krebserregender Wirkung.

Was muss ich beachten, damit Lebensmittel nicht besonders schnell verderben?

C. M.: Die auf der Verpackung angegebene Kühltemperatur muss eingehalten werden. Die Kühlkette sollte möglichst nicht lange unterbrochen werden, bei empfindlichen Lebensmitteln empfiehlt sich zudem der Gebrauch einer Kühltasche, vor allem bei warmen Außentemperaturen. Wenn Lebensmittel angebrochen sind, sollten sie möglichst rasch verzehrt werden. Abgeleckte Löffel gehören keinesfalls ins Marmeladen- oder Joghurtglas oder den Pudding: Das begünstigt die Ausbreitung von Mikroorganismen, zudem fördert Speichel die Zersetzung von Stärke.



Utopia interessiert: Was für Erfahrungen haben Utopisten mit abgelaufenen Lebensmitteln gesammelt? Wann kommt der Joghurt, die Marmelade oder das Müsli bei Ihnen in den Müll? Und Obst – darf das ein bisschen schrumpeln oder muss es knacken?

Thema: Klima- und Umweltschutz, Stand: 03.03.2011 von

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  • schrieb am 05.09.2013 um 12:38
    Ich lasse den französichen Käse Roquefort lange über das MHD liegen, solange er versiegelt ist. Ich habe somit noch Käse mit MHD November 2012 im Kühlschrank. Jetzt ist er langsam gut zu essen. Er ist cremiger, kräftiger im Geschmack (sogar sehr kräftig) aber immer noch problemlos geniessbar. So lieb ich ihn eben! mehr weniger
  • schrieb am 05.11.2011 um 14:27
    P.S. auch harte Semmeln heben wir auf, wenn man sie zb für einen Teig zb Frikadellen (auch vegetarisch) braucht weicht man sie einfach in (warmer) Milch oder Brühe (Wasser) ein, dann werden sie noch mal weich und man kann sie ausdrücken und zu Teig verarbeiten.
  • schrieb am 05.11.2011 um 14:25
    Salat hält länger frisch wenn man ihn in ein feuchtes Küchentuch wickelt und so im Kühlschrank aufbewahrt.
    Schon geputzten und gewaschenen Salat mach ich in eine Plastikbox (kann natürlich auch aus Glas sein) mit Deckel! so hält er bis zum nächsten Tag noch frisch und man hat einen schnellen Salat wenn man von der Arbeit nach Hause kommt.
    Brot pack ich in eine Plastiktüte, dann bleibt es im Kühlschrank auch länger frisch und wird nicht so schnell hart. Hält eigentlich gute zwei bis drei Wochen so. Wenn man mehr hat kann man es natürlich auch einfrieren und nach und nach auftauen. Wenn ich Reste Brot habe lasse ich es außen liegen damit es hart wird, daraus machen wir noch Semmelknödel. Man kann es zu Semmelbrösel verarbeiten oder arme Ritter draus machen uvm. Achtung! Niemals wenn es noch feucht ist in eine Plastiktüte, dann kann es schimmelig werden! Lieber gut an der Luft durch trocknen, in einem Korb oder einem Stoffbeutel aufbewahren! mehr weniger
  • schrieb am 04.11.2011 um 14:27
    Ich bewahre Salat oder Petersilie manchmal bis zu einer Woche im Gemüsefach des Kühlschranks in einer Plastiktüte auf und mir erscheinen diese Sachen dann meist noch "frisch". Manchmal werden auch ein paar vereinzelte Blättchen gelblich, die sortiere ich dann aus. Kann es sein, dass ich auf diese Weise Keime "züchte", die ich nicht bemerke? Oder leiden nur die Vitamine ein Bisschen?

    Ausserdem koche ich schon seit vielen Jahren, weil ich es energie- und zeitsparender finde, oft für 3- 4 Tage vor. Lagere das Essen solange im Kühlschrank und wärme nur die Portionen auf (100°C), die ich an dem Tag auch verzehre. Ich gehe immer nur mit frisch gespülten Löffeln in die Töpfe und achte darauf, dass die Sachen noch gut riechen. Bei mir gibt es oft Bohnen oder Linsen und Reis. Manchmal auch Fleisch, dass ich dann genauso lange (vorher gegart) im Kühlschrank aufbewahre. (Gemüse bereite ich täglich frisch zu).
    Ich habe mir noch nie etwas dabei gedacht. Aber nachdem ich das hier alles gelesen habe bekomme ich Zweifel, ob diese Vorgehensweise nicht doch gesundheitsschädlich sein könnte. Ich bin nämlich oft ziemlich schnell erschöpft und müde, sonst fühle ich mich aber relativ gesund. Organisch ist nach Meinung meines Arztes auch alles in Ordung (außer einem chronischen und therapieresistenten Eisenmangel) und meine Verdauung verträgt das Essen auch sehr gut. Kann es trotzdem sein, dass die Erschöpfung und Schwächung auch von den zu lange gelagerten Lebensmitteln kommt? mehr weniger
  • schrieb am 04.10.2011 um 09:54
    Lieber gerfi,
    Lebensmittel sind entweder mit MHD oder mit Verbrauchsdatum gekennzeichnet. Das Verbrauchsdatum wird nur für leicht verderbliche Produkte verwendet. Die sind in der Regel tierischer Art, z. B. Rohmilch, Hackfleisch, Räucherlachs ...
    Viele Grüße
    Ilona
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