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Gasmarkt

"Es fehlt ein diskriminierungsfreier Netzzugang"



Utopia: Früher zeichnete sich der Gasmarkt durch „Kleinstaaterei“ aus, im Sommer 2006 gab es 19 Marktgebiete in Deutschland. Das Entry-Exit-Modell sollte diesen Zustand beheben. Wie funktioniert dieses Modell, und wie erfolgreich ist es?

Claudia Kemfert: Ziel dieses Modells ist es natürlich, dass jeder Gasanbieter dem Kunden vor Ort Gas anbieten kann. Der Gaslieferant zahlt an einem bestimmten Gaseinspeisepunkt (Entry) eine Gebühr, unerheblich wo das Gas dann wieder entnommen wird (Exit). Das kann an einem beliebigen Ort geschehen. Prinzipiell ist es ein interessantes Modell, um den Wettbewerb zu beleben. Denn es kommt natürlich darauf an, dass es einen diskriminierungsfreien Netzzugang gibt. Dadurch, dass die überregionalen Ferngasunternehmen häufig auch die Eigentümer der Pipelines sind, kann es zu einem diskriminierenden Marktzugang kommen, beispielsweise über erhöhte Durchleitungsentgelte.

Die Bundesnetzagentur senkt immer wieder diese Durchleitungsentgelte für Gaslieferungen. Warum gibt es diese Gebühren überhaupt, und welche Rolle spielen sie im Wettbewerb?

C. K.: Die Durchleitungsentgelte sind entscheidend für den Wettbewerb. Sind sie zu hoch, werden potentielle Wettbewerber abgeschreckt, da es sich ökonomisch nicht mehr lohnt. Daher ist es richtig, den Zugang und vor allem die Zugangsentgelte zu kontrollieren und zu hohe Entgelte zu korrigieren. Die Bundesnetzagentur kontrolliert nun regelmäßig diese Entgelte. Das Bundeskartellamt befürchtet jedoch nach wie vor, dass es nicht genügend Wettbewerb auf dem Gasmarkt gibt, und somit die Preise noch immer überhöht sind. Eine Entscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet.

Ein neues Instrument für mehr Wettbewerb ist die „Anreizregulierung“, die 2009 kommen soll. Was verspricht sich die Politik von diesem Instrument, und wie wird es angewendet?

C. K.: Die Anreizregulierung bestimmt die dynamische Entwicklung der Netzentgelte. Der Bau, die Wartung und Kontrolle der Infrastruktur sind prinzipiell kostenintensiv. Zu niedrige Netzentgelte könnten zur Folge haben, dass die notwendige Qualität der Infrastruktur nicht mehr gewährleistet ist. Die Anreizregulierung soll sicherstellen, dass die Kostenerhöhungen in den Netzentgelten abgebildet sein können. Es ist ein richtiges Instrument für mehr Wettbewerb, da es nicht entscheidend ist, wem das Netz gehört. Vielmehr geht es darum, dass der Zugang gewährleistet ist, und die Qualität der Infrastruktur sichergestellt wird.


Foto: privat

Claudia Kemfert arbeitet
am Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW)
und leitet die Abteilung
Energie, Verkehr, Umwelt.



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Stand: 29.10.2008 von

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