Emotion statt Intellekt
8Von der populären Wissenschaftlerin zur Aktivistin: Die 76-jährige... mehr
Herr Czisch, das hört sich wie im Märchen an: Europa wird zu 100 Prozent mit alternativen Energien versorgt. Alles ist bezahlbar. Warum wird es nicht gemacht?
Die Stromversorger haben nicht wirklich ein Interesse daran, dieses Modell zu verwirklichen, denn sie befürchten, sich ins eigene Fleisch zu schneiden. Windstrom aus Marokko zum Beispiel könnte Strom aus eigenen Kraftwerken verdrängen – und das ist wohl nicht ihr Ziel. Denn gerade die abgeschriebenen Altanlagen bringen große Gewinne.
Das kann man ja noch nachvollziehen, aber warum werden neue Kohlekraftwerke geplant?
Da bin ich auch überfragt. Bundesregierung und Bundesministerien initiierten bereits mehrere Anhörungen zur zukünftigen Energieversorgung, bei denen auch die Alternative – großräumige internationale Stromversorgung mit regenerativen Energien oder neue Kohlekraftwerke – angesprochen wurde. Bisher ohne sichtbare Konsequenzen. Warum das so ist, hat wahrscheinlich viele Gründe. Da mögen wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen oder die Angst, einen Gesichtsverlust zu erleiden, wenn Aussagen zu Gunsten der Kohle zurückgenommen werden. Und viele nehmen alternative Energien immer noch nicht ernst. Um ihr Potenzial zu nutzen, ist aber ein europaweites Gleichstromübertragungsnetz notwendig, das dem bestehenden Wechselstromnetz überlagert ist.
Die zuständige Abteilung im Bundesumweltministerium rechnet damit, dass es drei Beamtenleben dauert, bis das verwirklicht werden kann ...
... ich fürchte, das kommt daher, dass manche diese Lösung nicht vorantreiben wollen, auch wenn das den eigenen BMU-Szenarien fundamental widerspricht. Wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, brauchen wir sehr schnell den Import von Wind- und Sonnenstrom aus Nordafrika.
Die Bundesregierung will, dass bis 2015 in Deutschland 850 Kilometer neue Leitungen gebaut werden. Ist das nicht ein Schritt in die richtige Richtung?
Das sind kleine Korrekturen am bestehenden Transportnetz, um die in nächster Zeit erwartete zusätzliche Einspeisung von Windstrom aufnehmen zu können. Was fehlt, ist der ganz große Wurf. Der wäre ein Systemwechsel. Mit ihm wären die meisten Netzprobleme gelöst.
Dr. Gregor Czisch ist Physiker
am Institut für Elektrische
Energietechnik der Uni Kassel.
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Fotos: Photocase / Tingelting, Natur + Kosmos
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Zuerst erschienen bei unserem Medienpartner:
Die Finanzkrise hat die Unternehmen bei Geschäftsreisen drastisch sparen lassen: ...
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Kommentare (2)
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Doris Spohr
am 24. April in Biblis
Doris Spohr
schrieb am 26.09.2008 um 01:59Derweil wird andernorts gehandelt - in diesem Fall jedoch mit Photovoltaik, die bei Czisch nicht gut wegkommt.
La Palma und Hierro sollen in 5 Jahren mit 100% EE versorgt sein:
http://www.kanarenexpress.com/1000003/1000016/0/20417/article_tf.html
Bleibt zu hoffen, dass es gelingt und dann viele andere diesem Beispiel folgen.
Ansonsten spielt wohl Solar Millenium eine wichtige Rolle bei der Solarthermie. Daran wiederum ist die MAN-Gruppe beteiligt. Ich glaube, der Einstieg der alten Industrieunternehmen und die neuen zukunftsträchtigen Technologien ist weiter vorangeschritten als viele denken.
Leo Haaf
ambitionierter Investor
Leo Haaf
schrieb am 02.09.2008 um 18:44Der große Wurf muss einfach fehlen, wenn nach wie vor den EE nichts Großes zugetraut wird.
Noch Mitte der 90er Jahre hat die konventionelle Energiewirtschaft in D verbreiten lassen, dass im Strombereich die EE nicht über 4 % hinauskommen werden.
Ende des Jahres 2008 werden die EE voraussichtlich bei über 16 % Anteil liegen.
Bei so viel "Gehirnwäsche" in der Öffentlichkeit einschließlich des medialen Herbeiredens einer "Stromlücke" brauchen wir uns über die psychologischen Folgen nicht zu wundern.
Nur ein hoher Anteil von Ökostrom kann uns da weiterbringen.
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