„Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Sportwagen sein.“
Ob der 1998 verstorbene Ferdinand Porsche, genannt Ferry, mit seiner Prophezeiung Recht haben wird, ist noch unbekannt. Sicher ist dagegen, dass eines der faszinierendsten und real käuflichen Elektroautos ein Sportwagen ist: der Tesla Roadster. Utopia hatte das Vergnügen, die aktuelle Version 2.5 Probe zu fahren. Und weil 3,8 Sekunden für den Spurt auf 100 genug sind, um einem Porsche 911 Turbo Paroli bieten zu können, kam die Grasnabe am regennassen Fahrbahnrand bedrohlich nahe.
Basis: Lotus Elise
Autokenner erblicken im Tesla Roadster sofort den Lotus Elise. Tatsächlich sind es die Briten im ostenglischen Hethel, die den Antriebsstrang inklusive Batterie aus Kalifornien in das bekannte Leichtbauchassis des Elise verpflanzen. Die Handschrift des Firmengründers Colin Chapman ist überall spürbar. Der Leichtbau-Papst mochte keine schweren Autos, und er hasste darum Luxus und Überfluss. In diesem Geist entstand die Elise, und entsprechend eng ist es im Tesla. Selbst der Einstieg bei geschlossenem Dach gleicht einer kleinen Yoga-Übung. Die Nacktheit der technischen Basis hat die US-Firma allerdings nicht zugelassen: Die Fensterheber arbeiten elektrisch, es gibt eine Klimaanlage, und Leder dominiert das Blickfeld. Gut 1.300 Exemplare wurden in Kleinserie produziert, etwa 100 davon fahren in Deutschland. Preis: mindestens 100.000 Euro.
Know-how steckt in der Tesla-Batterie
Die eigentliche Entwicklungsleistung der US-Ingenieure von Tesla ist die Batterie. Niemand hatte es vor ihnen gewagt, mehrere Tausend Consumer-Zellen aus Handys oder Laptops zu einer großen Einheit zusammenzufügen. Die Skepsis der großen Autokonzerne ist mittlerweile gewichen: Toyota hat sich bei Tesla eingekauft, und Volkswagen hat einen der Tesla-Männer abgeworben.
Die Technik funktioniert tadellos. Die maximale Reichweite soll über 300 Kilometer betragen, was glaubwürdig ist. Auf der Testtour verbrauchte der Tesla trotz 215 kW (292 PS) Leistung, Regenwetter mit starkem Lüfter- und Heizungseinsatz sowie mehrerer gewagter und stromfressender Zwischenspurts nur 21,8 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Die verbliebene Reichweite im energieschonenden Range-Modus zeigt der Bordcomputer am Ende der 50 Kilometer langen Ausfahrt mit 298 Kilometern an. Ab 2012 will Tesla die bis zu siebensitzige Schräghecklimousine Model S ab 60.000 US-Dollar anbieten – mit der erprobten Batterietechnologie des Roadsters.
Schnell fahren leicht gemacht
Auf einer kurvigen Deichstraße schiebt der Tesla mächtig vorwärts. Wer schnell fährt, darf nicht schlafen: Bei unterschiedlich griffiger Fahrbahn verlangt der Tesla nach gleichzeitig schnellem und sensiblem Zupacken. Mit etwas Übung offenbaren sich dann die Vorteile des Mittelmotorkonzepts. Spielerisch rein in die Kurve, früh rauf aufs Gas, zackig raus aus der Kurve. Auf gerader Strecke dagegen wird es fast langweilig. Mit dem Tesla gewinnt man jedes Ampelrennen, weil die Traktionskontrolle selbst bei feuchter Fahrbahn perfekt und sicher regelt. Das Schöne dabei:
Der Tesla beherrscht auch die ganz ruhige Gangart, welchen die Firmen-Repräsentantin auf dem Beifahrersitz als Grandma-Style (aus dem Englischen etwa: fahren wie Oma) bezeichnete. Der gelingt erstaunlich gut und komfortabel, weil eine neue Schalldämmung in den vorderen Radhäusern, das so genannte Teddybärfell, die Innengeräusche noch leiser macht.


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