Öko? Oder wie jetzt?

Aus diesem Grund halte ich es für wichtig, dass wir Aufklärung betreiben, denn vielen Menschen geht es noch so wie mir: Sie vertrauen dem Siegel "Öko-Test" aus den falschen Gründen. So zitiert der "Spiegel" Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg: "'Öko-Test' legt zu wenig Wert auf Nutzen und Funktionalität eines Produkts - das Hauptaugenmerk liegt auf dem Schadstoffgehalt." Die Frage der Herstellung werde völlig ausgeblendet, moniert auch Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft - "die Produktionsbedingungen, Fragen der Tierhaltung oder des Naturschutzes werden schlicht ignoriert", zitiert ihn der "Spiegel".

Nochmal: "Öko-Test" macht lediglich eine Schad- und Inhaltsstoffbetrachtung, eigentlich sogar nur eine Schadstoffausschlussbetrachtung. Noch nicht mal eine Gesundheitsbetrachtung. Und erst recht keine Ökobetrachtung. Es geht sogar noch weiter: "Öko-Test" halte es für nicht möglich Produkte auf ihre Nachhaltigkeit zu testen, zitiert der "Spiegel", weil "man sich dabei vor allem auf die Angaben der Hersteller verlassen müsse." Das muss jeder wissen, bevor er eine strategische Kaufentscheidung aufgrund des "Öko-Test"-Labels mit dem roten Ahorn trifft - denn damit entscheidet er sich nicht zwingend für ein nachhaltig hergestelltes Produkt.

Ich würde mich viel wohler fühlen, wenn die "Stiftung Warentest" Produkte wahrnehmbarer nach ökologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten testen würde. Denn diese staatlich gestützte Institution erscheint mir transparenter und glaubwürdiger - und vor allem offener für den Dialog mit gesellschaftlichen Gruppen wie uns.

Was denken Sie über "Öko-Test" und wie sehr vertrauen Sie dem Siegel? Ist die Testweise von "Öko-Test" nicht mehr zeitgemäß, wie Verbraucherschützerin Silke Schwartau gegenüber dem "Spiegel" urteilte? Diskutieren Sie mit!

Ihre Claudia Langer

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  • athi
    schrieb am 29.03.2010 um 07:06
    Ökotest ist ein Pionier, von dem viele über lange Jahre profitiert haben. Wenn es um Schadstoffprüfung geht gibt es keine Alternative. Und wie immer gilt auch hier: das eigene Gehirn einschalten bei Kaufentscheidungen, mehr noch bei ber Auswahl dessen, wofür man überhaupt Geld ausgibt, ist unersetzlich (Zum Glück oder leider?).
  • hissting
    schrieb am 28.03.2010 um 16:23
    Die Begriffe "Öko" und "Bio" sind im Zusammenhang mit Lebensmittel geschützt. Sie dürfen nur in Zusammenhang mit Produkten verwendet werden, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erzeugt und verarbeitet werden. Für das Öko-Test Siegel gilt dies leider offenbar nicht. Schade eigentlich; ich bin sicher, dass viele Verbraucher nicht starkt genug differenzieren und davon ausgehen, dass das Öko-Test Siegel tatsächlich etwas mit Bio-Produktion zu tun hat.

    Anfang März hat Öko-Test ein Spezialheft zu Gütesiegeln herausgegeben. "Über 300 Label im Test" wird vollmundig geworben. Eines fehlt allerdings... das Öko-Test Zeichen. Die Redaktion geht mit anderen Siegeln scharf ins Gericht und nennt z.B. das neue "Ohne Gentechnik" Siegel eine "Mogelpackung", weil es sein kann, dass eine Milch mit einer solchen Auslobung von einer Kuh kommt die z.B. vor 5 Jahren die letzte Portion Gen-Soja gefressen hat. Öko-Test gibt sich unbarmherzig und verlangt die lebenslange Fütterung ohne Gentechnik, bevor ein Produkt dieses Siegel verdient; ganz gleich welche Anstrengungen die Bauer einer Molkerei heute betreiben.

    Wenn das eine Mogelpackung ist, wie müsste dann ein Siegel bezeichnet werden, das Nachhaltigkeit suggeriert und auf Milchprodukten (z.B. von Weihenstephan) prangt, die nachweislich ständig mit Gen-Soja im Kuhfutter erzeugt werden?

    Ach ja hätte ich beinahe vergessen: Weihenstephan Butter ist von Öko-Test mit sehr gut bewertet worden!
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