Editorial von Claudia Langer

Öko? Oder wie jetzt?


Liebe Utopisten,

in der aktuellen Ausgabe des "Spiegel" hat die Autorin Susanne Amann einen sehr spannenden Artikel unter dem Titel "Verwelkender Ahorn: Unter Verbraucherschützern wächst der Widerstand gegen "Öko-Test"” geschrieben.

Die Diskussion, die sich daran erhitzen wird, ist längst nötig und überfällig. Denn seit einigen Jahren bewegt uns die Frage nach der Aussagekraft des "Öko-Test"-Siegels. Wie irreführend oder relevant ist es wirklich? "Öko-Test" konzentriere sich laut "Spiegel" nach eigener Aussage meist auf Inhalts- und Schadstoffe, nicht aber auf irgendein Kriterium der Nachhaltigkeit. Dennoch wird es bundesweit von Verbrauchern als Bio-Siegel gesehen: 81 Prozent aller Deutschen kennen das "Öko-Test"-Siegel mit dem roten Ahorn laut einer Studie, schreibt Autorin Amann. Es klebe inzwischen auf Tausenden Produkten. Viele würden ihm sogar mehr als jedem anderen Bio-Siegel vertrauen – und diese Falscheinschätzung muss einmal diskutiert werden!

Bildergalerie

Top Ten der Vergleiche: Wussten Sie's?

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin die Letzte, die irgendjemandem etwas Böses will. Und ich war mir lange selbst sehr unsicher, ob wir bei "Öko-Test" nicht lieber den Mund halten sollten, um den Verbraucher nicht zu irritieren. Wir wollten nicht der ganzen Biobranche schaden, weil wir einen der Hauptakteure (oder vermeintlichen Hauptakteure) in Frage stellen. "Öko-Test" ist nicht perfekt, aber es war und ist der Leuchtturm.

Viele Jahre war "Öko-Test" meine Bibel: Ich habe mich nach der Geburt meiner Kinder nahezu sklavisch an "Öko-Test" gehalten und extrem vertraut. Unser erster Kinderwagen war, Sie erraten es: der "Öko-Test"-Gesamtsieger! Kaum zu bewegen, super unpraktisch, aber was tun Eltern nicht alles für die lieben Kleinen. Jede Kindermatratze seitdem war eine Empfehlung von "Öko-Test". Und dann erst der Hausbau: "Öko-Test" war mein Bauplan. Ich habe einen erheblichen Mehrpreis in Kauf genommen, um meine Kinder in einem gesunden Haus aufwachsen zu lassen... Wandfarben, Baumaterialen, Dämmstoffe, Heizung, Türen, sämtliche Details - alles "öko-getestet".

Hier schreibt also jemand, der "Öko-Test" zutiefst vertraut hat und daher gut kennt. Aber auch jemand, der spätestens mit dem  "Nutella"- und "Actimel"-Test angefangen hat zu denken, zu zweifeln, nachzufragen und dabei zunehmend enttäuscht war. Oder der Energiesparlampen-Test vom Herbst 2008: Sie seien kein wirklicher Fortschritt, hieß es damals aus dem Hause "Öko-Test". Doch es war ausschließlich Billigware unter die Lupe genommen worden. Deshalb schlug ein berühmter Experte des Kuratoriums der Utopia-Stiftung auch Alarm: Rainer Grießhammer.

Seite 1 / 2
von


Kommentare (61)   abonnieren

alle Kommentare (61)
  • Verstoß melden
    emmaradio
    schrieb am 28.03.2011 um 14:22
    Claudia Langner schreibt ja erst einmal aus der Perspktive einer Verbraucherin und da ist es doch zunächst mal legitim auf solche Irritationen in bezug auf das Label "Öko" hinzuweisen. Da spricht sie schließlich doch vielen aus der Seele. Schließlich sind die meisten VerbraucherInnen im normalen...
  • Verstoß melden
    Richard-Burgenlandler
    schrieb am 15.02.2011 um 21:01
    ÖKO ist nicht gleich Bio Das gleiche gilt aber auch umgekehrt Ein biologischer Bienenhonig aus Neuseeland, in Deutschland oder Österreich gekauft ist sicher nicht ökologisch, wenn er bevor er auf dem Ladentisch landen, um die halbe Welt reisen muss. Da ziehe ich den Bienenhonig vom...
alle Kommentare (61)

Kommentar schreiben

Lob, Kritik, Ergänzungen? Teilen Sie Ihre Meinung mit der Utopia-Community. Seien Sie dabei bitte konstruktiv und hilfreich.
(5000/5000)

Mehr zu Changemaker