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E-Books

Die Ökobilanz der neuen Art zu lesen

Die gerade zu Ende gegangene Computermesse CeBit in Hannover und die in dieser Woche beginnende Frankfurter Buchmesse haben eine gemeinsame Hardware-Schnittstelle: das E-Book. Es stellt sich die Frage, ob herkömmliche Bücher bald der Vergangenheit angehören - und welche Lesart die nachhaltigere ist. Die Antwort lautet: Es kommt drauf an, was Sie damit vorhaben.



Im Gegensatz zu Notebooks kommt bei neueren E-Book-Lesegeräten kein LCD-Bildschirm zum Einsatz, sondern elektronisches Papier auf so genannten elektrophoretischen Displays, das sich ähnlich wie Papier verhalten soll. Es ist weitgehend reflektionsfrei und sehr kontrastreich, so dass Texte auch bei grellem Sonnenlicht noch gut lesbar bleiben - bisher allerdings lediglich in schwarz-weiß. Es gibt inzwischen einige Modelle verschiedener Hersteller, die Utopia in der Bildergalerie weiter unten vorstellt.

Buch oder E-Book - was ist ökologischer?

Das gedruckte Buch galt stets als makellos. Eine Errungenschaft, durch die Bildung verbreitet und Wissen für lange Zeit bewahrt werden kann. Dass die Produktion eines Buches mitunter gravierende Auswirkungen auf die Umwelt hat, ist vergleichsweise lange unbeachtet geblieben. Vermutlich, weil es als ein Symbol der Vernunft und des geschärften Intellekts über jeden Zweifel erhaben schien.

Ein Buch besteht " je nach Art " neben diversen Chemikalien für Druckfarbe, Einband und Bindung in erster Linie aus Papier. Es muss jedoch nicht unbedingt direkt aus der Eiche im Garten herausgeschält worden sein - auch Recyclingpapier hat seine Tücken. Großer Energie- und Wasseraufwand sind erforderlich, um aus einer Tonne Altpapier ein entsprechendes Druckpapier-Äquivalent herzustellen. Rund vier Kilogramm CO2 werden durch die Herstellung eines Buches freigesetzt, besagt ein Bericht der US-Buchindustrie. Laut dem Verband Deutscher Büchereien beläuft sich die durchschnittliche Lebensdauer eines Taschenbuches auf etwa zwölf Jahre. Dann wird es entweder unleserlich, weil die Druckfarbe verblasst, oder es zerfällt, weil die Bindung sich auflöst. Wie immer gilt: Je hochwertiger (nicht zwingend teurer!) desto langlebiger.Seine Vorteile spielt das Lesegerät bei der Speicherkapazität aus. Das populäre Modell "Kindle" von Amazon kann rund 400 Bücher auf dem integrierten Speicher unterbringen, durch zusätzliche Speichermedien sogar tausende. Gehen wir von vier Kilogramm CO2-Emissionen pro gedrucktem Buch aus, entsteht schon hier eine Ersparnis. Die Übertragung eines Buches in die digitale Form erzeugt etwa 100 Gramm CO2. Der "Guardian" erwähnt in diesem Zusammenhang eine Studie der Universtität Michigan von 2003, die besagt, dass der Energieverbrauch eines E-Book-Readers weniger umweltschädlich ist als das konventionelle Print-Äquivalent.

Am Ende seiner Nutzungsdauer verliert der E-Book-Reader dann wieder haushoch gegen das gedruckte Buch, denn die Entsorgung von Elektronik ist nach wie vor schwierig. Eine 100 Prozent umweltfreundliche Entsorgung der Bestandteile ist selbst durch Recyclingprogramme nicht möglich. Zudem wird - gerade vor dem Hintergrund der zuletzt massiv angepriesenen Geräte - die durchschnittliche Nutzungsdauer eines E-Book-Readers kaum mehr als zwei Jahre betragen. Schließlich wird schon jetzt die nervig langsame Blätter-Performance und die vergleichsweise schlechte Darstellung ohne Farbdisplay bemängelt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die besseren und dann die noch besseren, noch schickeren, noch leistungsfähigeren Geräte erscheinen. Die durchschnittlichen zwölf Jahre Lebensdauer des gedruckten Buchs wird ein E-Book-Reader aber höchstwahrscheinlich nicht überbieten können.

Noch sind E-Books keine Alternative

Der geneigte Leser ist noch nicht bereit für Kindle und Co. Oder besser umgekehrt: Der E-Book-Reader ist noch nicht bereit für die Leserschaft. Es fehlt an Leistung, und es fehlt an Sexiness - ein Umstand, demzufolge auch noch lange nicht mit der derzeit oft heraufbeschworenen Panik durch Buch-Piraterie zu rechnen ist. Für Menschen, die beruflich permanent kiloweise Literatur mit sich herumschleppen, ist das Gerät eine Erleichterung, dessen Ökobilanz sich verbessert, je mehr Bücher darauf gespeichert werden und je länger es genutzt wird. Ob die Nutzer, geschweige das Gerät selbst die zwölf Jahre bis zum Upgrade schaffen? Utopia wettet dagegen.


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<<< In der Galerie: die neuen E-Book-Lesegeräte



Thema: Klima- und Umweltschutz, Stand: 11.03.2009 von

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alle Kommentare (11)
  • schrieb am 08.12.2012 um 19:04
    In dem Zusammenhang vielleicht auch interessant:

    Entwicklung der Anzahl der Erst- und Neuauflagen auf dem Buchmarkt in den Jahren 2002 bis 2005... http://de.statista.com/statistik/daten/studie/36222/umfrage/neuerscheinungen-auf-dem-buchmarkt-von-2002-bis-2005/

    So gab es im Jahr 2005 auf dem deutschen Buchmarkt 89.869 Neuerscheinungen.

    Anzahl der Buch-Neuerscheinungen pro eine Million Einwohner im Jahr 2005 in ausgewählten Ländern weltweit... http://de.statista.com/statistik/daten/studie/71165/umfrage/buch-neuerscheinungen-nach-laendern-2005/ mehr weniger
  • schrieb am 08.12.2012 um 18:22
    Buch gegen E-Book: Das Öko-Duell für alle Leseratten - SWRinfo | SWR.de

    Die Zukunft gehört dem E-Book. Es wiegt nur ein paar hundert Gramm und bietet trotzdem genug Speicherplatz für tausende von Buchtiteln. Außerdem schont papierloses Lesen die Wälder. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Ökoinstitut in Freiburg hat Buch und E-Book miteinander verglichen.

    Weiterlesen...
    http://www.swr.de/swrinfo/-/id=7612/nid=7612/did=8721456/q5kdpg/index.html

    Hier geht's zur E-Book-Analyse vom Ökoinstitut Freiburg (Juni 2011)...
    http://www.oeko.de/oekodoc/1179/2011-037-de.pdf mehr weniger
  • schrieb am 02.01.2012 um 15:32
    Nachdem ich lange Zeit sehr spektisch war, ob eReader das echte "Buch-Feeling" ersetzen koennen, habe ich dieses Weihnachten beschlossen es einfach mal auszuprobieren und mir den neuen Sony PRS T-1 zugelegt. Ich muss sagen, was das Lese-Vergnuegen angeht bin ich positiv ueberrascht. Die eInk-Technology ist zwar immer noch langsam und in schwarz-weiss, dafuer aber sehr angenehm zu lesen. Anders als "normale" Computerdisplays auf LCD oder LED Basis, leuchtet die eInk nicht (unter der Bettdecke braucht man also die gute alte Taschenlampe). Fuer die Augen kommt das Erlebnis dem Lesen auf Papier verblueffend aehnlich.
    Ich hatte auch bedenken, dass das Gefuehl ein Buch aufzuschlagen und in der Hand zu halten bei dem Plastikgehauese des eReaders verloren gehen wuerde. Auch hier wurde ich positiv ueberrascht. Mit der passenden Schutzhuelle im schicken "Moleskin" Design habe ich in der Tat auch ein schoenes haptisches Leseerlebnis.
    Ein groesserer Kritikpunkt ist die Versorgung mit elektronischem Lesestoff. Das digitale Urheberrecht ist einfach noch nicht ausgegoren und das verleitet die Verlage und Haendler dazu jeder sein eigenes Sueppchen zu kochen. Von einheitlichem Standard kaum eine Spur. Allen voran versucht Amazon mit dem Kindle die Kunden an sich zu binden (Kindle kann nur Amazon eBooks und PDFs anzeigen, umgekehrt ist das kindle eBook-Format nur bei Amazon erhaeltlich). Sehr schade, aber das wird sich hoffentlich bald aendern.
    Der Stromverbrauch von eReadern mit eInk ist sehr gering. Jedes Handy verbraucht ein vielfaches dessen. Ich glaube nicht, dass der Stromverbrauch entscheidend ist. Das Thema Recycling und Lebenszyklus-Kosten wird die Debatte um die Nachhaltigkeit von eReadern dominieren. Hier braeuchte es mal detailierte Langzeit-Studien. Ich fuerchte aber auch, dass wir fuer einige Jahre noch mit kurzen Produkt-Zyklen leben werden. Die Idee mit Hardware-Updates ist gut, unterminiert aber das Geschaeftsmodell der Elektronikindustrie. Ohne strenge Regulation bin ich skeptisch, dass sich da etwas tun wird.
    Letztlich werden sich eBooks an der nachhaltigsten Alternative messen muessen und das sind wohl traditionelle Bibliotheken. Wie schaut denn hier die Bilanz aus? Wir sollten dann die Lebensdauer von Buechern nicht nur in Jahren messen, sondern auch daran, wie oft sie gelesen werden koennen! mehr weniger
  • schrieb am 17.03.2009 um 10:14
    Ich finde, man kann dieses Thema nicht allein auf die Umweltfrage reduzieren. Als reines Speichermedium für Texte und Bilder mit Suchfunktion könnte es sehr praktisch sein und beim Recherchieren helfen. Zum längeren Lesen stelle ich es mir sehr anstrengend vor, da man ja ähnlich wie am Monitor die ganze Zeit mit Licht bestrahlt wird und es zusätzlicher Elektrosmog ist (?). Ein Buch lässt mich mehr in Ruhe. Außerdem spricht es die Sinne umfassender an. Das sehe ich allgemein als Problem beim Computer, dass der Mensch seinen Körper und seine Sinne weniger oder einseitig beansprucht. Es soll ja auch Studien geben, die die Entwicklung der Organe (auch das Gehirn) auf die Körperliche Bewegung und Sinnesbetätigung vor allem in der Kindheit zurückführt. mehr weniger
  • schrieb am 16.03.2009 um 20:32
    Man kann ja auch seine gelesenen Bücher auf Flohmärkten selber verkaufen, wenn man das Geld braucht, oder sie an soziale Einrichtungen spenden. Und sich bei der gelegenheit gleich mit neuen Büchern eindecken.
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