E-Books

Die Ökobilanz der neuen Art zu lesen



Im Gegensatz zu Notebooks kommt bei neueren E-Book-Lesegeräten kein LCD-Bildschirm zum Einsatz, sondern elektronisches Papier auf so genannten elektrophoretischen Displays, das sich ähnlich wie Papier verhalten soll. Es ist weitgehend reflektionsfrei und sehr kontrastreich, so dass Texte auch bei grellem Sonnenlicht noch gut lesbar bleiben - bisher allerdings lediglich in schwarz-weiß. Es gibt inzwischen einige Modelle verschiedener Hersteller, die Utopia in der Bildergalerie weiter unten vorstellt.

Buch oder E-Book - was ist ökologischer?

Das gedruckte Buch galt stets als makellos. Eine Errungenschaft, durch die Bildung verbreitet und Wissen für lange Zeit bewahrt werden kann. Dass die Produktion eines Buches mitunter gravierende Auswirkungen auf die Umwelt hat, ist vergleichsweise lange unbeachtet geblieben. Vermutlich, weil es als ein Symbol der Vernunft und des geschärften Intellekts über jeden Zweifel erhaben schien.

Ein Buch besteht " je nach Art " neben diversen Chemikalien für Druckfarbe, Einband und Bindung in erster Linie aus Papier. Es muss jedoch nicht unbedingt direkt aus der Eiche im Garten herausgeschält worden sein - auch Recyclingpapier hat seine Tücken. Großer Energie- und Wasseraufwand sind erforderlich, um aus einer Tonne Altpapier ein entsprechendes Druckpapier-Äquivalent herzustellen. Rund vier Kilogramm CO2 werden durch die Herstellung eines Buches freigesetzt, besagt ein Bericht der US-Buchindustrie. Laut dem Verband Deutscher Büchereien beläuft sich die durchschnittliche Lebensdauer eines Taschenbuches auf etwa zwölf Jahre. Dann wird es entweder unleserlich, weil die Druckfarbe verblasst, oder es zerfällt, weil die Bindung sich auflöst. Wie immer gilt: Je hochwertiger (nicht zwingend teurer!) desto langlebiger.

Amazon Kindle ÖkobilanzFür E-Book-Reader entsteht bei der Produktion ebenfalls ein hoher Energieaufwand, ganz zu schweigen von den übrigen bedenklichen Bestandteilen, die wir schon von Notebooks und anderen Gadgets kennen: Brom, Quecksilber, Kunststoffe, Phthalate und so weiter. Hinzu kommt der Energieverbrauch, der durch den Betrieb entsteht. Immerhin: Real wird bei den neuen Lesegeräten nur beim Blättervorgang Strom verbraucht, nicht aber bei der reinen Darstellung von Text. Dass hier der Bezug von Ökostrom die Bilanz noch erheblich verbessert, liegt auf der Hand.
Seine Vorteile spielt das Lesegerät bei der Speicherkapazität aus. Das populäre Modell "Kindle" von Amazon kann rund 400 Bücher auf dem integrierten Speicher unterbringen, durch zusätzliche Speichermedien sogar tausende. Gehen wir von vier Kilogramm CO2-Emissionen pro gedrucktem Buch aus, entsteht schon hier eine Ersparnis. Die Übertragung eines Buches in die digitale Form erzeugt etwa 100 Gramm CO2. Der "Guardian" erwähnt in diesem Zusammenhang eine Studie der Universtität Michigan von 2003, die besagt, dass der Energieverbrauch eines E-Book-Readers weniger umweltschädlich ist als das konventionelle Print-Äquivalent.

Am Ende seiner Nutzungsdauer verliert der E-Book-Reader dann wieder haushoch gegen das gedruckte Buch, denn die Entsorgung von Elektronik ist nach wie vor schwierig. Eine 100 Prozent umweltfreundliche Entsorgung der Bestandteile ist selbst durch Recyclingprogramme nicht möglich. Zudem wird - gerade vor dem Hintergrund der zuletzt massiv angepriesenen Geräte - die durchschnittliche Nutzungsdauer eines E-Book-Readers kaum mehr als zwei Jahre betragen. Schließlich wird schon jetzt die nervig langsame Blätter-Performance und die vergleichsweise schlechte Darstellung ohne Farbdisplay bemängelt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die besseren und dann die noch besseren, noch schickeren, noch leistungsfähigeren Geräte erscheinen. Die durchschnittlichen zwölf Jahre Lebensdauer des gedruckten Buchs wird ein E-Book-Reader aber höchstwahrscheinlich nicht überbieten können.

Noch sind E-Books keine Alternative

Der geneigte Leser ist noch nicht bereit für Kindle und Co. Oder besser umgekehrt: Der E-Book-Reader ist noch nicht bereit für die Leserschaft. Es fehlt an Leistung, und es fehlt an Sexiness - ein Umstand, demzufolge auch noch lange nicht mit der derzeit oft heraufbeschworenen Panik durch Buch-Piraterie zu rechnen ist. Für Menschen, die beruflich permanent kiloweise Literatur mit sich herumschleppen, ist das Gerät eine Erleichterung, dessen Ökobilanz sich verbessert, je mehr Bücher darauf gespeichert werden und je länger es genutzt wird. Ob die Nutzer, geschweige das Gerät selbst die zwölf Jahre bis zum Upgrade schaffen? Utopia wettet dagegen.


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<<< In der Galerie: die neuen E-Book-Lesegeräte



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    BastiNeubert
    schrieb am 02.01.2012 um 15:32
    Nachdem ich lange Zeit sehr spektisch war, ob eReader das echte "Buch-Feeling" ersetzen koennen, habe ich dieses Weihnachten beschlossen es einfach mal auszuprobieren und mir den neuen Sony PRS T-1 zugelegt. Ich muss sagen, was das Lese-Vergnuegen angeht bin ich positiv ueberrascht. Die eInk-...
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    Gretchenmüller
    schrieb am 17.03.2009 um 10:14
    Ich finde, man kann dieses Thema nicht allein auf die Umweltfrage reduzieren. Als reines Speichermedium für Texte und Bilder mit Suchfunktion könnte es sehr praktisch sein und beim Recherchieren helfen. Zum längeren Lesen stelle ich es mir sehr anstrengend vor, da man ja ähnlich wie am Monitor die...
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