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Debatte um steigende Strompreise

Die Lüge vom teuren Ökostrom


Sonne und Wind schicken uns keine Rechnung. Dies ist der unschätzbare ökonomische Vorteil der künftigen ökologischen Energieversorgung. Ökoenergien sind umweltfreundlich und ihr Stoff geht uns nach menschlichem Ermessen niemals aus – während Kohle, Gas und Öl schon deshalb immer teurer werden müssen, weil sie in wenigen Jahrzehnten zu Ende gehen. Da es sich dabei schlicht um Naturgesetze handelt, die wir lernen und beachten müssen, führt an der Energiewende kein Weg vorbei.

Wie soll eine Industrienation ohne Energie künftig funktionieren?

Die ökologische Energiewende ist mittel- und langfristig sogar preiswerter als ein Weiter-so wie bisher. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat soeben gesagt: „Die Strompreise sind vor der Energiewende stärker gestiegen als danach. Langfristig wird Energie durch die Energiewende billiger.“ Der Mann hat richtig gerechnet.

Sicher: Am Anfang ist jede neue Technologie teuer. Das war so beim Fernseher, bei der Waschmaschine und beim Auto. Aber durch Massenproduktion werden alle Technologien billiger.

Dieselbe Entwicklung erleben wir jetzt beim Solarstrom und haben wir beim Windstrom schon vor zehn Jahren gesehen: Im Jahr 2000 kostete die Kilowattstunden Solarstrom noch 70 Cent, heute 16 Cent und in etwa 10 bis 15 Jahren werden wir bei fünf Cent pro Kilowatt von der Sonne sein.

Eine geradezu sensationelle Preisentwicklung in positiver Hinsicht. Ich bitte Sie dazu einen Blick auf die untenstehenden Kurven zu werfen.

Die Erneuerbaren Energien sind schon heute, aber erst recht morgen unschlagbar preiswert, weil ihre Rohstoffe ein Geschenk der Natur und des Himmels sind. Wer dies begriffen hat, versteht die Vorteile der Energiewende und die Notwendigkeit einer solaren Energierevolution und einer solaren Weltwirtschaft.

Solarstrom 2013

Auch Kernenergie war am Anfang teuer. Und ist es heute noch. Die FÖS-Studie hat die aktuellen gesamtwirtschaftlichen Kosten aller Energieträger für das Jahr 2012 so errechnet: Windstrom 8,1 Cent, Wasserkraft 7,6 Cent, Steinkohle 14,8 Cent, Atomstrom zwischen 16.4 und 42.2 Cent.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Energiewende nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch geboten ist. Die Ökoenergien sind die preiswertere Variante und zudem eine riesige Chance für die gesamte deutsche Volkswirtschaft.

Ökoenergien werden ein deutscher Exportschlager. Von den sechs erneuerbaren Energien – Sonne, Wind, Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie und Wellenenergie – ist Deutschland technologisch bereits bei drei Weltmarktführer: bei Sonne, bei Wind und bei Biogas. Und soeben kommen noch die notwendigen Speichertechnologien dazu, bei denen die deutsche Technik ebenfalls vorne liegt.

2012 wird in Deutschland bereits 25% Ökostrom gewonnen. Im Jahr 2.000 waren wir noch bei fünf Prozent. Wir können das 100-Prozentziel bis 2025 oder spätestens 2030 erreichen. Diese erfreuliche Entwicklung wurde nicht dank der alten Energiekonzerne geschafft, sondern dank engagierter Bürger, Bauern, Hausbesitzer, Mittelständler, Stadtwerken und Lokalpolitikern aller Parteien. Also von unten.

Diese erfreuliche Entwicklung führt dazu, dass immer weniger Geld zu den arabischen Ölscheichs und zu den russischen Gasbaronen schicken müssen. Energiewende bedeutet mehr Unabhängigkeit und mehr Freiheit. Das Geld der Region bleibt in der Region.

Es entsteht regionale Wertschöpfung und die Arbeitsplätze entstehen in der Region. Durch den jetzt schon geringeren Import von Öl und Gas hat die deutsche Volkswirtschaft 2011 acht Milliarden Euro eingespart.


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Alle diese erfreulichen Zahlen werden von den hysterischen Kritikern der Energiewende nicht bedacht oder verdrängt. Die Energiewende hat bereits zu knapp 400.000 neuen und zukunftssicheren Arbeitsplätzen geführt, sagt das Bundesumweltministerium. Jahr um Jahr werden jetzt durch die Energiewende mehr Arbeitsplätze bei uns entstehen. Ein unschätzbarer sozialer Vorteil der Ökoenergien. Und unsere Export-Import-Bilanz wird von Jahr zu Jahr günstiger.

Die Energiewende-Planer der schwarz-gelben Bundesregierung haben freilich eine soziale Schieflage in ihre Energiewende-Politik eingebaut. Private Verbraucher müssen nämlich die Ökostromabgabe für die Großindustrie mitfinanzieren. Es gibt zu viele Befreiungen von der Umlage des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). Das ist ungerecht und sollte rasch geändert werden.

Dann erhält die notwendige Wende eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz. Die Energiewende muss solidarischer gestaltet werden. Und sozial Schwache sollten und könnten von zusätzlicher Belastung befreit werden.

Die Internationale Energieagentur in Paris befürchtet, dass sich der Ölpreis bis 2020 nochmals verdoppeln könnte. Dann werden wir über die heutigen hitzigen Diskussionen wegen einigen Cent Ökostrom pro KWh milde lächeln.

Die einzig vernünftige Erkenntnis aus den genannten Fakten und Zahlen lautet: Die Energiewende kostet, aber keine Energiewende kostet unser aller Zukunft. Noch haben wir die Wahl. Auch Wirtschaftsminister Rösler wird lernen müssen, dass ohne rasche Energiewende der Energieversorgung ein Kollaps bevorsteht.

zuerst veröffentlicht auf:
sonnenseite.com

absatz
Thema: Ökostrom, Stand: 19.11.2012 von

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    schrieb am 29.01.2014 um 17:23
    Studie zu Energiekosten Das Märchen vom teuren Ökostrom
    6. November 2012

    Studien zeigen: Wind, Wasser und Sonne liefern schon heute die Energie billiger als Atom- und Kohlekraftwerke. Das fällt aber nicht auf. Die hohen Subventionen für konventionelle Erzeuger, die nicht auf der Stromrechnung erscheinen, müssen die Steuerzahler tragen.

    Weiterlesen: http://www.sueddeutsche.de/geld/studie-zu-energiekosten-das-maerchen-vom-teuren-oekostrom-1.1515904

    Die Studie des FÖS auf Utopia: http://www.utopia.de/gruppen/erneuerbare-energien-203/diskussion/kosten-und-subventionen-der-konventionellen-183257#comment-283105 mehr weniger
  • gelöscht am 05.03.2013 um 09:34 von Utopia-Team
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
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    schrieb am 02.03.2013 um 11:25
    Die Herren haben uns schon immer Verarscht ,,In eine zeit wie Heute kann das nicht Pariesen mit dem Fleisch und den Eiern und der Milch wo sind den die Herren die sich gut mit unserem Geld Bereichern ... [von Utopia entfernt, Beleidigungen sind nicht gestattet]
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    schrieb am 17.02.2013 um 11:16
    Grundsätzlich stimme ich dem zu, wobei auch die alternativen Energien gefördert werden.
    UND:
    bei Bioenergie führend? Aber zu welchen Kosten?
    Da werden immer mehr neue Anlagen gefördert und riesige Flächen mit Mais zugebaut. Solange Bioenergie nicht aus z.B. biologischen Abfällen erzeugt wird halte ich das für eine ziemliche Krücke, und nicht für eine führende Technologie! mehr weniger
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    schrieb am 06.01.2013 um 09:24
    Ich bin nicht nur für eine Ökologisierung, sondern auch für die Demokratisierung des Stroms. Wie aber schon jemand vorweg schrieb: Das ist nicht im sinne der großen Stromkonzerne. Daher scheint es auch in Deutschland so schnell nicht in die Richtung umzuschwenken - dazu gibt es im "Volke" zu wenig Bewegung. Erst wenn eine gewisse Mehrheit da mitmacht können wir die großen ausbooten.
    In Afrika vielleicht nicht nötig, wenn die richtigen Kräfte den Ausbau voran treiben. Z.B. http://www.area-net.org/ Die einzig sinnvolle Stromproduktion kann nicht zentralisiert sein, weil das nach großen Netzen schreit. Sie muss so lokal wie möglich funktionieren - daher halte ich es für ein Versäumnis, dass in Deutschland tolle Süddächer mit Ziegeln neu gedeckt werden. In Frankreich ist der Prozentsatz vollintegrierter PV Anlagen (anstelle und als Dachdeckung) viel höher als bei uns und selbst die Engländer werden da kreativ - habe dort unlängst ein Dach mit kleinen PV-Zellen in Schindeloptik gesehen.
    Und dann natürlich unausweichlich: Das Smart-Grids und intelligente Verbrauchssteuerung in Haushalten. Klar, Zukunftsmusik, aber fängt die Zukunft nicht in dem Moment an, in dem man noch seine Utopien spinnt? mehr weniger
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