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Buch über Nahrungsmittelspekulation

Die Hungermacher – Wie Deutsche Bank, Allianz und Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren

Nahrungsmittelspekulation sorgt dafür, dass profitgierige Börsen-Spekulanten haufenweise Geld verdienen und Menschen in armen Ländern verhungern. Wer davon gehört hat, ist zu Recht empört. Aber wie hängen die Dinge miteinander zusammen? Wer wissen möchte, wie die irrsinnigen Wetten auf Nahrungsmittelpreise ablaufen, sollte das neue foodwatch-Buch lesen.


Schallt Ihnen auch das „Mach dich vom Acker, Mann!“ noch in den Ohren? Dem ehelmaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bestimmt. Im Oktober 2011 sorgten Thilo Bode und seine Organisation foodwatch mit ihrer Kampagne "Die Hungermacher" für Schlagzeilen. Mit verschiedenen Aktionen prangerten sie die Rohstoffspekulationen der Großbanken und deren Verantwortung für steigende Lebensmittelpreise an.

Ein lukratives Geschäft auf Kosten hungernder Menschen

Das neue foodwatch-Buch „Die Hungermacher. Wie Deutsche Bank, Allianz und Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren“ ist eine erweitere Fassung des zur Kampagnenzeit erschienen Hungermacher-Reports. Geschrieben hat es der renommierte Autor Harald Schumann. Auf 192 Seiten zeigt der Finanzmarkt-Experte, wie Großbanken, Versicherungen und Pensionsfonds mit Agrar-Rohstoffen spekulieren und Lebensmittelpreise in die Höhe treiben – ein Geschäft mit dem Geld nichtsahnender Kleinanleger auf Kosten hungernder Menschen in den ärmsten Regionen der Welt. 

Schuhmann erklärt schlüssig und in einer für Nicht-Finanzexperten verständlichen Sprache, wie die Wetten auf Nahrungsmittelpreise an den Warenterminbörsen ablaufen und welche Folgen die vermeintlich virtuellen Geschäfte für die Realität vieler Menschen haben.

Dem Verständnis der Bürger und der politischen Kontrolle entzogen

Eine solche Erklärung ist dringend notwendig, denn immer wieder wird seitens der Banken und Spekulanten versucht, die Nahrungsmittelspekulation als ungefährlich darzustellen. Erst kürzlich hat foodwatch Vertuschungsversuche aufgedeckt: danach gehen Deutsche Bank und Allianz intern davon aus, dass Spekulation mit Agrarrohstoffen zu höheren Nahrungsmittelpreisen und damit zu Hunger führen kann. Öffentlich behaupten die Unternehmen das Gegenteil. foodwatch wirft der Deutschen Bank sogar davor, den Bundestag über diese Erkenntnisse belogen zu haben.

Aber wie kann es sein, dass über die fatalen Auswirkungen der Nahrungsmittelspekulation überhaupt gestritten wird? Schuhmann schreibt dazu im Buch:

„Diese Taktik des Abstreitens ist vor allem deshalb so erfolgreich, weil die moderne Rohstoffspekulation ein höchst undurchsichtiger Vorgang ist. Wo Spekulanten einst noch die jeweilige Ware in geheimen Lagern horteten, um so über eine künstliche Verknappung die Preise zu treiben, operieren ihre modernen Nachfolger nur im elektronischen Cyberspace der Finanzwelt. Ihr Geschäft betreiben sie in den mit Computerbildschirmen vollgestellten Handelssälen von Banken und Versicherungen. In vollständiger Anonymität können sie dort mit ein paar Mausklicks Millionen Tonnen Getreide oder Rohöl kaufen und verkaufen, ohne sich je mit der physischen Ware selbst zu befassen. So bleibt das umstrittene Geschäft dem Verständnis der Bürger und damit auch der politischen Kontrolle weitgehend entzogen.“

„Die Hungermacher“ ist ein Aufklärungsbuch, Erlebnisroman und flammender Appell zugleich – mit klaren Forderungen an die Politik.  Es richtet sich an Leser, die ein komplexes Thema nicht scheuen und genauer wissen wollen, wie die irrsinnigen Wetten auf Nahrungsmittelpreise an den Warentermin-Börsen ablaufen.


Die Hungermcher

Harald Schuhmann: Die Hungermacher
Wie Deutsche Bank, Allianz und Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren

Fischer Verlag 2013
ISBN 978-3451611476
9,99 Euro


Thema: Grünes Geld & Finanzen, Stand: 06.03.2013 von

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    schrieb am 14.03.2013 um 15:23
    Das Buch ist sehr empfehlenswert, allerdings nicht ganz so einfach zu lesen. Die Mechanismen der spekulativen Investmentbanker en detail zu durchschauen und vor allem auch die Rolle der Börse selbst zu verstehen, die offensichtlich bei allem immer nur gewinnen kann, ist nicht simpel. Aber es geht. Die Hauptbotschaft ist klar und wir von Schuhmann hervorragend belegt (m.E).:
    Der Handel mit Agrarrohstoffen führt nicht einmal zu Investitionen in neue, billigere und effizientere Verfahrensweisen, sondern bringt überhaupt keinen reellen Mehrwert! Normalerweise muss man dem Börsenhandel zugestehen, daß er auch dazu beiträgt neue, alternative und finanziell riskante (weil neue) Produkte zu fördern. Das ist aber beim Rohstoffhandel nicht der Fall. Hier geht es aussschließlich um Wetten und Wettgewinne. Dadurch steigen die Lebensmittelpreise weit über den Preis hinaus, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.
    Warum? Schumann lesen! mehr weniger
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    schrieb am 14.03.2013 um 13:09
    In der ZEIT gab es dazu einen sehr interessanten Artikel

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-02/deutsche-bank-allianz-lebensmittel-spekulation
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    schrieb am 14.03.2013 um 10:10
    Wenn man liest, dass die Allianz 19 Millionen Kunden hat, lt. einem Bericht von Panorama 2011 Leistungen verweigerte, zu den großen Parteispendern (außer Linke) gehört, 900.00 Kunden wegen falscher Berechnung von Policen geschädigt hat, in 2012 ihren Gewinn verdoppelt hat und das auf Kosten von Menschenleben. Wir Verbraucher haben ganz viel Macht, diesen mächtigen Konzernen auf die Füße zu treten. Warum tun wir es nicht ? mehr weniger
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    schrieb am 14.03.2013 um 09:22
    Ich werde mir das Buch auf jeden fall besorgen und lesen. Ich bin Allianz-Kunde und das wäre wirklich ein Grund für mich die Versicherung zu wechseln. Ich denke wir Verbraucher können sehr viel Einfluß auf Firmen nehmen. Wenn ich da an die Kit-Kat Campagne von Greenpeace denke. Ich werde mir auf jeden Fall die Mühe machen und der Allianz eine email senden. mehr weniger
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    schrieb am 14.03.2013 um 08:03
    furchtbar
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